Samstag, 25. März 2017

Amazon – gestern hui, heute pfui

Die ARD oder genauer gesagt der Hessische Rundfunk hat den Stein ins Rollen gebracht, denn ein Bericht von einer halben Stunde Länge, der bei der ARD-Mediathek zu sehen ist und über den internetworld.de berichtet, hat Amazon in ein mehr als schlechtes Licht gerückt. Ungeheuerliche Vorwürfe wurden laut und viele fragen sich jetzt, wie Amazon aus diesen negativen Schlagzeilen wieder herauskommen will.

Im Moment versucht Amazon das Ganze auszusitzen und reagiert erst mal gar nicht, und macht lustig weiter wie bisher. Die Frage ist nur wie lange noch, denn die Vorwürfe, die die Journalisten vom Hessischen Rundfunk gegen den Marktführer erheben, wiegen sehr schwer. Moderne Sklaverei ist nur einer dieser Vorwürfe, Bespitzelung, Willkür, Einschüchterung, Hungerlöhne sind die anderen. Mitarbeiter, die aus dem Ausland mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt wurden, müssen für Amazon bis zu 15 Stunden am Tag für einen Stundenlohn von wenigen Euros arbeiten, sie müssen abgeschottet und bewacht wohnen, und wer nicht mehr funktioniert oder vor Erschöpfung nicht mehr kann, der wird ohne Kommentar und ohne Geld auf die Straße gesetzt und muss selbst sehen, wie er wieder nach Hause kommt.

Die Netzgemeinde regierte prompt auf die Anschuldigungen gegen Amazon und löste einen gewaltigen Shitstorm aus. Amazon wird als Verbrecher beschimpft, der die Menschenrechte mit Füßen tritt. Amazon soll sich schämen und viele wollen nie wieder bei Amazon etwas bestellen. Besonders über die sogenannte Security mit Namen H.E.S.S, die nachweisbar der rechten Szene mehr als nur nahe steht, sorgt unter den Mitgliedern der sozialen Netzwerke für Entsetzen. So werden laut der Reportage des Hessischen Rundfunks die Unterkünfte der Leih- und Wanderarbeiter aus Polen und Spanien willkürlich durchsucht und Drohungen sollen ebenfalls an der Tagesordnung sein. Amazon legt seinen Saisonarbeitern Verträge in deutscher Sprache vor, die diese nicht lesen können, sie werden mit Bussen zu ihrem Arbeitsplatz gefahren, nach Feierabend wieder in die abgeschotteten Wohnanlagen gebracht und dort rund um die Uhr überwacht. Als der Hessische Rundfunk dort drehen wollte, wurden auch die Journalisten massiv bedroht und zeitweise sogar gegen ihren Willen festgehalten. Die „Sicherheitsfirma“ wollte die Journalisten dazu zwingen, ihr Filmmaterial herauszugeben. Mittlerweile hat der Hessische Rundfunk Strafanzeige gestellt.

Hauptsache billig, lautet das Motto von Amazon, die Umstände, unter den die Menschen dort leben und arbeiten müssen, spielen keine Rolle. Diese Leiharbeiter kommen aus den Eurokrisenländern und es sind Akademiker darunter, die als letzten Ausweg nur die Arbeit im reichen Deutschland sehen. Im Logistikzentrum im hessischen Bad Hersfeld, wo der Hessische Rundfunk gedreht hat, arbeiten im Saisongeschäft vor Weihnachten Tausende dieser Menschen, die Opfer der Rezession geworden sind. Jetzt hat sich der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier in den Amazon Skandal eingeschaltet, aber nach Meinung der Opposition hat er keine allzu klaren Worte gefunden, wenn er sagt, diese Bedingungen, wie sie bei Amazon herrschen, dürfen nicht geduldet werden, aber die Landesregierung sei dafür nicht zuständig.

Bildquelle: © Gerd Altmann / Pixelio.de

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