Freitag, 20. Oktober 2017

Hobbygärtner im Netz – austauschen will sich keiner

The Virtual Art of Gardens“ oder „Ein Blick in das europäische Gartenweb“ – so lautet der Titel einer sehr interessanten Studie von Bosch Lawn, die man jetzt bei http://www.wuv.de/w_v_research/studien nachlesen kann. Im Mittelpunkt dieser Studie über Hobbygärtner in Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Frankreich, Spanien, Österreich, der Schweiz und Belgien steht deren Netzverhalten. Dabei stellt sich sehr schnell heraus, dass die europäischen Gärtner anscheinend sehr egoistisch und dazu auch noch sehr selbstverliebt sind.

Im europäischen Durchschnitt ist der klassische Hobbygärtner eine Frau und in der Regel über 40 Jahre alt. Diese Gruppe ist zumindest sehr stark auf den vielen Webseiten zu Hause, die es im Netz zum Thema Garten geht. Die Mehrheit, nämlich 80% der Befragten hat einen eigenen Blog und rund 20% haben eine Webseite. Foren spielen seltsamerweise so gut wie gar keine Rolle und damit zeigt sich auch das komische Verhalten der Hobbygärtner im weltweiten Internet. Wer eine der vielen Seiten mit dem Thema „Mein schöner Garten“ öffnet, der wird eine Fülle von tollen und interessanten Texten finden. Ratschläge und Tipps werden da gegeben und es gibt die schönsten Bilder. Vor allen Dingen Blumen stehen immer im Mittelpunkt und jeder Hobbygärtner wetteifert, welcher denn nun der schönste Garten ist. Sogenannte Themengärten spielen ebenfalls eine große Rolle. Ob es sich dabei um den kunstvollen minimalistischen Garten nach japanischem Vorbild, einen englischen Landschaftsgarten wie ihn der selige König Edward VIII. hatte, oder aber um den gepflegten Vorgarten vor dem eigenen Haus handelt, das spielt dabei keine Rolle. Die Hauptsache ist, man kann auf zahlreichen Fotos die ganze Pracht sehen. Das alles findet wohlgemerkt in Blogs und auch eigenen Webseiten statt, ein Forum, in dem sich die Gartenfreunde zum Austausch treffen, wird man nur sehr selten finden. Warum ist das so?

Man kann nur Vermutungen anstellen. Sind Hobbygärtner nicht so kommunikativ, oder haben sie einfach keine Lust, ihre Zeit mit einem regen Austausch zu verbringen und nutzten die kostbaren Stunden lieber, um im eigenen Garten tätig zu sein? Eine klare Antwort auf diese Frage gibt es leider nicht. Die europäischen Hobbygärtner sind gerne bereit, ihre Erfahrungen und Tipps bei der Bekämpfung von Apfelwicklern, Blattläusen und anderen Parasiten mit Gleichgesinnten zu teilen, aber zu einem direkten Austausch kommt es nicht. Man könnte nach den Zahlen der Studie meinen, dass es sich beim Gärtnern um eine reine Frauensache handelt. Frauen plaudern ja nun viel lieber als Männer, aber beim Thema Garten halten sie sich vornehm zurück. Vielleicht ist die Angst vor der Konkurrenz auch zu groß, denn ein schöner Garten ist schließlich auch eine Sache des Prestiges. Vielleicht wollen die zahlreichen Hobbygärtnerinnen aber auch nicht, dass jemand auf den Gedanken kommt, den Garten, der in stundenlanger, schweißtreibender Arbeit zu einem blühenden Paradies geworden ist, zu kritisieren und damit das Selbstbewusstsein zu rauben.

Fest steht nur, dass im europäischen Vergleich die Hobbygärtner aus Deutschland, Dänemark und den Niederlanden die eifrigsten Gärtner sind.

Bildquelle: © Dieter Schütz / Pixelio.de

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