Freitag, 28. April 2017

Interview mit Ralph Günther von exali.de zu Haftungsrisiken von Webshop-Betreibern

exali.de, die Versicherungsplattform für Selbstständige, Freiberufler und Unternehmen, hat sich durch intensive Auseinandersetzung mit den Themen Haftung, Deckung und Vermögensschäden sowie unzählige abgewickelte Schadenfälle zum Experten für Versicherungskonzepte in der IT-, Kreativ- und Consulting-Sparte entwickelt.
Wir haben den kürzlich stattgefundenen Relaunch der Webshop-Versicherung zum Anlass genommen, Ralph Günther, den Gründer und Geschäftsführer von exali.de, zum Thema Haftungsrisiken von Webshop-Betreibern zu interviewen.

Ralph Günther - Gründer und Geschäftsführer von exali.de

Ralph Günther – Gründer und Geschäftsführer von exali.de

Als Shopbetreiber muss ich an viele Dinge im Alltag denken und in die Zukunft schauen. Insbesondere kleinere Shops kämpfen oftmals Tag für Tag ums überleben. Eine spezielle Webshop-Versicherung ist bestimmt bei den meisten nicht im Fokus. Weshalb ist eine Webshop-Versicherung dennoch sinnvoll?

Eine Webshop-Versicherung ist sinnvoll, da schon kleine Versehen im Business zu existenzbedrohend hohen Schadenersatzforderungen führen können. Das geht los beim „Abmahnwahnsinn“ für Kleinigkeiten, über den rechtlichen Dschungel aus nationalen Regelungen wie der Preisangabenverordnung und Datenschutzgesetzen, bis hin zum EU-Recht.
Wer hier die Vorgaben nicht beachtet oder einfach übersieht, wird schnell zur Kasse gebeten. Und das geniale am Internet – der große Verbreitungsgrad – hat auch seine Schattenseiten. Schäden kann man, wie der Name „Word Wide Web“ schon suggeriert, eben auch weltweit verursachen! Das war beim stationären Handel noch anders.

Und neben dem Risiko, einen Dritten zu schädigen, rückt auch immer mehr die Bedrohung in den Fokus, selbst Opfer von Cyberkriminellen zu werden. Die Zahl der gezielten Hacks und DoS-Attacken ist mittlerweile beängstigend. Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, mich mit einem Systemanbieter für Webshop-Lösungen auszutauschen, der mir erzählt hat, welcher Aufwand mittlerweile für die Abwehr solcher Angriffe betrieben wird. Doch auch er musste zugeben, dass er das Ausfallrisiko für seine Kunden nicht komplett ausschließen kann. Daher ist gerade in der Online-Branche eine Versicherung wichtig, die geschäftliche Risiken kalkulierbar macht.

Wenn ich mich marken/-datenschutzrechtlich beraten lassen habe, wofür benötige ich dann noch eine Versicherung?

Das Risiko Schutzrechte Dritter zur verletzten ist enorm vielfältig. Es ist gut sich marken- und datenschutzrechtlich beraten zu lassen, jedoch keine Garantie dafür im „daily business“ keine Fehler zu machen.

Ich denke hier etwa an Veröffentlichungsrisiken bei der Information über und Werbung für eigene Produkte und Dienstleistungen. Hier lauern große Gefahren, denn gutes Marketing beschränkt sich nicht nur auf die eigene Webseite. Veröffentlichungen in Blogs, oder in den Sozialen Medien sind quasi Pflichtaufgabe, sie maximieren allerdings auch das Risiko beispielsweise gegen Wettbewerbsrecht zu verstoßen.

Doch nicht nur bei Veröffentlichungen in sozialen Medien oder Blogs drohen rechtliche Risiken, auch im eigenen Shop lauern Stolperfallen. Die häufigsten Ursachen für rechtliche Streitigkeiten sind ein Verstoß gegen Preisangabeverordnung, unlautere Werbung oder fehlerhafte Produktbeschreibung auf der Seite. Sie können nicht jeden Content, jeden Flyer, jede Gutscheinaktion oder Produktbeschreibung vorab anwaltlich prüfen lassen. Daher wird immer ein Restrisiko für treuere Rechtsverletzungen bleiben, das man über eine Webshop-Versicherung sinnvoll abdecken kann.

Aber auch ein so genannter Eigenschaden kann teuer werden, der größte Gefahrenpunkt ist hier die Internetkriminalität, die Onlinehändler auch mehr und mehr betrifft. Die Kosten hierfür sind ebenfalls durch eine Webshop-Versicherung versicherbar.

Ist Cyberkriminalität wirklich ein so akutes Thema? „Mich wird es ja schon nicht treffen“ ist meist der Tenor, wenn es um technische Fragestellungen bzw. Viren- oder Cyberattacken geht?

Das stimmt, es trifft natürlich immer die Anderen 😉 Aber Spaß bei Seite, der Erpressungsfall von Plentymarkets zeigt eindrucksvoll, wie schnell es jeden treffen kann: Hier hatten Kriminelle die Server von Plentymarkets durch eine DDoS-Attacke (500 Gigabytes pro Sekunde) lahm gelegt, um Lösegeld zu erpressen. Sie verlangten 25 Bitcoins, umgerechnet rund 6.000 Euro um von einer weiteren Attacke abzusehen.

Auch eine aktuelle Erpressungswelle, die schon mehr als 1000 Webshops getroffen hat, ist alarmierend. Ermittlungen haben hier ergeben, dass der Initiator der Erpressung vermutlich in Deutschland sitzt und seine Aktivitäten durch ausländische Server anonymisiert.

Der DDoS-Schutzanbieter Link11 schrieb hierzu:Die jetzige Erpresserwelle hat ein gigantisches Ausmaß und trifft im E-Commerce nicht nur die Global Player, sondern auch viele kleine und mittelständische Unternehmen. Gerade diese haben oft noch keinen ausreichenden Schutz gegen die DDoS-Gefahr und sind daher ein leichtes Ziel.“
Daher lautet mein Fazit – auch wenn es der Online-Handel nicht gerne hört – dass keiner ist vor einem Cyberangriff wirklich sicher ist!

Ein ganz wichtiger Punkt ist aus meiner Sicht das Thema IT-Dienstleister. Wer sich keine eigene IT leisten kann, greift auf Agenturen zurück. Problem ist hier, dass die Agenturen nicht 24 Stunden / Tag zur Verfügung stehen und bei etwaigen Ausfällen durch Server, Shopsystem oder was auch immer im technischen Bereich dem Shopbetreiber signifikante Umsätze verloren gehen können. Greift in solchen Fällen ihre Versicherung auch?

Ja, bei allen Ausfällen, die durch einen unbefugten Dritten (z.B. Hacker) verursacht werden greift die Webshop-Versicherung. Rein technische Probleme, die beispielsweise durch den Provider oder Anwender verursacht werden, sind davon ausgenommen. Also bei einem Hackerangriff, einer DDoS-Attacke und sogar bei einem Erpressungsversuch bietet die Webshop-Versicherung Schutz und übernimmt im Schadenfall z.B. Kosten und Mehrkosten für die Beauftragung eines IT-Forensikers, Anmieten eines Servers, zusätzliche IT-Dienstleistungen, für die Wiederherstellung und Reparatur des Shops bzw. der eigenen Systeme. Kosten für externe Computer-Forensik, externe Anwälte, Beratung von Dateninhabern, Kreditschutz- und Kreditüberwachungsdienstleistungen sowie Krisenmanagement & PR-Maßnahmen sind ebenfalls versichert.
Über die optionale Leistungserweiterung „Cyberbetriebunterbrechung & Erpressung“ sind sogar Umsatzausfälle des Shops bis hin zu Lösegeldzahlungen versicherbar.

Und welche vielleicht schon bestehenden Versicherungen kann ich mir mit ihrer Webshop-Versicherung sparen?

Wie meine Beispiele zeigen, ist die Webshop-Versicherung wirklich umfassend. Sie vereint viele Versicherungsarten in einem Vertrag. Neben der Vermögensschadenhaftpflicht beinhaltet die Webshop-Versicherung eine Büro- und Betriebshaftpflicht, eine Produkthaftpflicht, Betriebsunterbrechungs-, Vertrauensschadens- und Betrugs-Versicherung sowie eine Cyber-Versicherung.

Sofern bereits ein Versicherungsvertrag für den Webshop abgeschlossen wurde, kann es sehr gut möglich sein, dass die Webshop-Versicherung diesen Vertrag überflüssig macht. So könnte z.B. der Webshop bereits eine klassische Büro- und Betriebshaftpflichtversicherung und/ oder eine Produkthaftpflichtversicherung besitzen. Diese wäre dann überflüssig, kann aber auch in unserem modularen Tarif der Webshop-Versicherung abgewählt werden um eine Doppelversicherung zu vermeiden.
Ich denke es spricht jedoch viel dafür, über kurz oder lang die Risiken des Shops über eine Versicherungslösung abzusichern.

Was kostet ihre Versicherung? Gibt es für Startups besondere Konditionen?

Kurz vorweg: Die Webshop-Versicherung wird prinzipiell nach dem letzten Jahresnettoumsatz in Abhängigkeit der gewählten Versicherungssummen, Versicherungsbausteine und Leistungserweiterungen (Modularer Tarif) berechnet. Das bedeutet, dass unsere Kunden selbst entscheiden, welche Risiken sie besonders abgesichert haben wollen. Kein Webshop gleicht exakt dem anderen, deshalb unterscheiden sich auch die Risiken – den „Pauschaltarif“ für jeden Webshop gibt es nicht! Je nach Wunsch lassen sich deshalb folgende Bausteine zum Basisschutz hinzu buchen:

Vermögensschadenhaftpflicht (kurz VSH), Büro- und Betriebshaftpflicht (kurz BHV), Produkthaftpflicht (kurz ProdH). Folgende Leistungserweiterungen können darüber hinaus gewählt werden: D&O Außenhaftung für Geschäftsführer (kurz D&O), Vertrauensschaden & Betrug (kurz VSB) sowie Cyberbetriebsunterbrechung und Erpressung (kurz CBE).

Dabei beginnt der Jahresbruttobeitrag für einen deutschen Webshop bei ca. 495,00 Euro. Für Start-Ups gibt es einen zusätzlichen Nachlass von 15 Prozent und somit einen Einstiegsbeitrag von ca. 420,00 Euro.

Gilt ihre Webversicherung praktisch branchenübergreifend oder muss man hier je nach Tätigkeitsfeld andere Produkte zusätzlich ordern?

Nein, Versicherungsschutz besteht allgemein für Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem Betrieb eines internetbasierten Handels- oder Dienstleistungsunternehmen (Webshop). So z.B. für den Handel mit

  • Bekleidung, Kinder-/Babyartikeln,
  • Elektronikartikelm,
  • Sportartikeln,
  • Unterhaltungsartikeln,
  • Einrichtungsgegenständen,
  • Haushaltsgeräten,
  • Tierzubehör,
  • Schmuck, Uhren,
  • sowie für den Verkauf von Tickets für Veranstaltungen, Events.

Übrigens können wir auch Internetplattformen die nicht mit Waren- oder Dienstleistungen handeln versichern. Jedoch haben wir hierfür eine extra Versicherungslösung kreiert. Diese Versicherung nennen wir „Pro Internetplattformen“, Interessenten können Sie einfach über ein PDF-Dokument informieren. Über die Versicherung für Internetplattformen können wir z.B.

  • Websites, Affiliate Portale,
  • Mobile- und Web- Applikationen (Apps),
  • Fachportale, Foren, Blogs, News Portale,
  • Online Communities, Social Media Plattformen,
  • Virtuelle Marktplätze (keine Online-Shops),
  • Vergleichsportale,
  • Anbieter von Online Datenbanken und Statistiken,
  • sowie Downloaddienste umfassend versichern.

Wir bedanken uns vielmals für das informative und aufschlussreiche Interview!

 

Über den Interviewpartner:
Ralph Günther ist Gründer und Geschäftsführer von exali.de und seit 18 Jahren im Versicherungsbereich tätig. Er gilt als ausgewiesener Experte im Bereich der Vermögensschaden-Haftpflicht-Versicherung für Freiberufler sowie klein & mittelständische Unternehmen. Dabei hat er sich mit exali.de auf die Branchen IT-, Kreativ und Medienberufe, Consultants und eCommerce spezialisiert. Als einer der Vorreiter im Online-Versicherungsbusiness hat er aktiv an der Verbesserung des Versicherungsschutzes für Freiberufler und Webhsop-Betreiber mitgewirkt und neue Leistungserweiterungen am Markt eingeführt.

Ralph Günther schreibt als Fachautor in relevanten Medien. Zudem berichtet er auf seinem Blog „Vermögensschaden: Versicherung neu denken“ über interessante Business-Themen und hat kürzlich das eBook „Webshops erfolgreich gründen“ mit einigen namhaften Co-Autoren herausgegeben.

Über Romy Habelt

Romy Habelt ist Senior Affiliate-Manager bei der Digital-Marketing-Agentur xpose360 GmbH mit Sitz in Augsburg. Die Dialog- und Onlinemarketing-Fachwirtin (BAW) ist für den Ausbau der Branchen-Verticals zuständig. Seit 2009 ist Romy Habelt im Online Marketing aktiv und trat zudem schon als Speakerin auf Konferenzen wie der Affiliate Conference auf.

Ein Kommentar

  1. Hört sich auf jeden Fall nach einer Sache an, die man sich einmal genauer anschauen sollte. Mein Großvater hat sich damals geweigert einen Webshop aufzumachen, weil er Angst hatte er könnte verklagt werden. Das einzige was er verkauft sind ein paar Bücher und das war es auch schon. Vielleicht wäre er jetzt wieder in der Lage sie auch wieder über das Internet an den Mann zu bringen.