Sonntag, 19. November 2017

„Klasse statt Masse“ bei Publishern – Interview mit Altan Tezcan von notebooksbilliger.de

Foto Altan TezcanUnsere erfolgreiche Interview-Reihe führen wir heute fort mit einem Interview mit Altan Tezcan, Senior Online Marketing Manager bei notebooksbilliger.de AG.

Wie lange bist Du schon in der Affiliate-Branche und wie bist Du dazu gekommen?

Ich bin seit 2007 als Online-Marketing-Manager tätig und befasse mich mit dem Thema Affiliate seit 2008. Durch einen Aufenthalt in England, London bin ich auf die Affiliate Branche aufmerksam geworden. Damals habe ich in einer Unternehmensberatung für kleine und mittlere Unternehmen Strategien ausgearbeitet und diese operative umgesetzt. Dabei bin ich zum ersten Mal mit dem Thema Affiliate in Berührung getreten und habe Partnerprogramme über Netzwerke und Private Partnerprogramme aufgesetzt und aufgebaut.

Was findest Du am Affiliate-Marketing besonders spannend?

Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich und man lernt immer neue spannende Menschen und Publisher-Modelle kennen. Das Affiliate-Marketing ist sehr vielfältig, kommunikativ und entwickelt sich ständig weiter. Dadurch ist das tägliche Geschäft immer spannend und nie langweilig. Das besondere am Affiliate-Marketing ist, dass man auch andere Kanäle über die Netzwerke laufen lassen kann, wodurch man immer neue Wege und Kooperationspartner kennenlernt.

Die Affiliate-Branche ist seit Jahren sehr innovativ und versucht ständig das Modell zu verbessern oder andere Absatzkanäle zu finden.

Worauf sollte ein Partnerprogrammbetreiber bei der Auswahl eines Affiliate-Netzwerkes achten und welche Entscheidungskriterien sind dabei wichtig?

Affiliate-Netzwerke sollen dazu dienen neue Publisher schnell zu akquirieren und den Ablauf zu erleichtern. Dabei sollte man aufpassen, dass man nicht bei zu vielen Netzwerken angemeldet ist. Das bringt aus zweierlei Hinsicht nicht viel, da zum einen die meisten Publisher in den zwei größten Netzwerken angemeldet sind und zum anderen steigt der Aufwand je mehr Netzwerke man eingebunden hat. Eine Rolle spielt dabei auch der Preis, hier sollte man die Preise vergleichen und drauf achten wo die Affiliates angemeldet sind. Ich würde vorher eine ausgiebige Recherche über meine Affiliates machen.

Das Thema der Seite spielt dabei auch eine sehr wichtige Rolle. Hierbei muss man drauf achten, ob ein spezielles Netzwerk auf das Thema spezialisiert ist.

Ich persönlich finde Private Partnerprogramme am Sinnvollsten, weil ich dort mit den Publisher sehr eng zusammenarbeiten kann, einen Teil der Netzwerkgebühr spare und dadurch spezielle Konditionen Affiliates anbieten kann.

Was sind die wichtigsten Aufgaben bei der Betreuung eines Partnerprogramms?

Einer der wichtigsten Aufgaben bei der Betreuung eines Partnerprogramms fängt bei der täglichen Freischaltung der Partner an. Das sollte definitiv nicht automatisch gehen. Leider sehe ich das noch oft genug und wollte das hier bemerken. Bei der manuellen Freischaltung muss man sehr drauf achten mit wem man in der Zukunft zusammenarbeiten möchte, denn nicht jeder Publisher spielt mit fairen mitteln, Stichpunkt: Cookie Stuffing / Cookie Dropping, Ad-Hijacking/Brand-Hijacking etc. Eine andere sehr wichtige Aufgabe ist, die Betreuung der Publisher im Tagesgeschäft. Ich versuche nicht nur die Fragen zu beantworten oder Anforderungen zu genügen, sondern gucke mir immer die Seiten an, analysiere diese und versuche aktiv die Bewerbung des Publishers zu verbessern, indem ich z.B. Tipps gebe, individuelle Angebote anbiete oder AB Tests zusammen mit den Publishern durchführe, um z.B. die Seite und das Angebot zu optimieren.

Auf welche häufigen Fehler muss man sich in der Betreuung eines Partnerprogramms einstellen und wie kann man diese vermeiden?

Die Häufigsten Fehler sehe ich leider immer noch bei der Einbindung der Affiliate-Links auf Publisher-Seite. Hier sollte man immer prüfen, ob der Link auch wirklich zum Ziel führt und alles richtig getrackt wird. Des Weiteren versuchen viele Advertiser alle Publisher gleich zu behandeln, obwohl diese sehr unterschiedliche Themen behandeln. Hier sollte man sich Zeit nehmen und auf die unterschiedlichen Publisher Modelle eingehen und diese auch verstehen. Der Austausch sollte nicht vernachlässigt werden, weil man die häufigsten Fehler nur im Tagesgeschäft sehen und hier sofort eingreifen kann.

Gibt es bestimmte Tools, die Dir bei Deiner täglichen Arbeit helfen?

Selbstverständlich arbeite ich auch mit Tools, um mir meine tägliche Arbeit zu vereinfachen. Diese Tools helfen mit z.B. um Betrugsversuche vorzubeugen oder vereinfachen mir die Kommunikation mit den Publishern.

Mit welchen Publisher-Modellen arbeitest Du am erfolgreichsten zusammen und gibt es dabei ggfs. Branchenunterschiede?

Am liebsten arbeite ich mit Content-Publishern auf „pay per sale“ Basis zusammen, da die Kosten planbar sind und die Seiten den meisten Mehrwert bieten. Sie geben sich viel Mühe um Inhalte zu erstellen und die Leser zu informieren. Dadurch bieten sich eine Reihe von Integrationsmöglichkeiten an und macht diese Seiten und auch die Zusammenarbeit sehr erfolgreich. Da wir auch preisgetrieben agieren, arbeiten wir bei guten Angeboten und Aktionen sehr eng mit Deal-Portalen zusammen. Auch hier arbeiten wir mit den meisten Publishern auf CPO-Basis zusammen, um den Abverkauf zu steigern. Durch die guten Zusammenarbeiten konnten wir in den letzten Jahren z.B. unsere „Angebote der Woche“ Landingpage stark pushen und erfolgreich etablieren.

Worauf sollte man in der Zusammenarbeit mit Affiliates achten und wie lassen sich Deiner Meinung nach Affiliates am besten motivieren?

Die Zusammenarbeit sollte für beide Parteien etwas bringen, denn nur so kann es langfristig erfolgreich funktionieren. Für beide Seiten ist es sehr wichtig, dass man offen, ehrlich und zügig zusammenarbeitet.

Sehr gute Affiliates braucht man nicht zusätzlich zu motivieren, wenn man ein gutes Partnerprogramm und Produkte besitzt. Oftmals kann man aber Publisher z.B. durch eine Extravergütung, exklusive Deals oder aber auch durch Vorabinformationen motivieren.

Wie kann man ein Partnerprogramm vor Betrug oder Missbrauch im Affiliate-Marketing schützen?

Indem man viel Zeit reinsteckt und seine Publisher kennt. Ich kontrolliere täglich das Partnerprogramm und passe auf, dass kein Missbrauch stattfinden kann. Dafür muss man sich die Mühe machen und sein Partnerprogramm und die Partner kennenlernen. Es bringt nichts, sich nur auf Tools zu verlassen. Natürlich arbeite ich auch mit Tools zusammen, um mir die Arbeit zu vereinfachen, aber eine 100% Sicherheit gibt es dadurch nicht. Ich verlasse mich dabei lieber auf eine Kombination von Tools und der täglichen Überprüfung des Partnerprogramms. Oftmals sieht man ein Betrug schon an den Verkaufszahlen, wenn diese z.B. zu schnell steigen.

Des Weiteren lege ich auch sehr viel Wert auf die Auswahl der Affiliates und gucke mir jede Seite gründlich an, bevor ich Sie freischalte. Besonders wichtig finde ich auch, dass man in die direkte Kommunikation mit den Publishern geht, um das Geschäftsmodell kennenzulernen und die Integrationsmöglichkeiten zu prüfen.

Welche KPIs sind für die Bewertung eines Partnerprogramms für Dich am wichtigsten und wie kann man damit sein Programm weiter optimieren?

Aus verschiedenen Betrachtungsweisen sind die wichtigsten KPIs die Conversionrate, Stornorate, CPO (Cost per Order), Anzahl der Klicks und Warenkorbhöhe. Zum einen kann ich dadurch sehr schnell nachvollziehen wie die einzelnen Publisher performen und zum anderen kann ich z.B. Betrugsversuche sehr schnell aufdecken.

Wie hat sich das Affiliate-Marketing Deiner Meinung nach in den letzten Jahren verändert und wie sollte man als Advertiser mit dieser Entwicklung aktiv umgehen?

Wir haben beobachtet, dass in den letzten Jahren immer mehr Affiliate-Seiten sich positive entwickelt haben und neue gute und professionelle Affiliates gestartet sind. Das vereinfacht uns die tägliche Arbeit und verschafft uns wiederum mehr gehör z.B. bei den Hersteller, da wir viele positive Kampagnen fahren und somit den Absatz steigern konnten. Ich arbeite lieber mit wenigen guten Seiten zusammen, als das ich sehr viele Publisher habe und nicht wirklich nachvollziehen kann, was die einzelnen Publisher machen und dadurch keinen Mehrwert habe.

Welchen Einfluss wird zukünftig das Customer-Journey Tracking auf den Affiliate-Kanal haben?

Das Customer Journey Tracking wenden wir schon seit Jahren bei uns im Unternehmen an und es ist sehr wichtig in der kanalübergreifenden Betrachtungsweise. Nur so konnten wir feststellen, dass das Affiliate-Marketing auch für anderen Kanäle ein sehr wichtiger Kanal ist. Nicht nur für den Abschluss zum Kauf als auch als Vorbereiter ist dieser Kanal sehr wichtig.

Welche Trends siehst Du in den nächsten Jahren auf die Affiliate-Branche zukommen und worauf sollten sich Programmbetreiber vorbereiten?

In den nächsten Jahren wird das Thema Display und Retargeting im Affiliate-Marketing wichtiger. Viele neue Anbieter drängen auf den Markt und bieten unterschiedliche Vergütungsmodelle an.

Die meisten Advertiser werden sich auf wenige gute Publisher konzentrieren, statt tausende kleine zu bedienen. Ganz nach dem Motto „Klasse statt Masse“. Die Zusammenarbeiten werden dadurch enger und weitere Integrations- und Kooperationsmöglichkeiten werden entstehen.

Auf welchen Blogs, Info-Portalen, Zeitschriften oder Konferenzen bildest Du Dich weiter und informierst Dich über die neuesten Entwicklungen?

Relativ regelmäßig verfolge ich die Blogs von 100partnerprogramme.de, affiliateblog.de und internetworld.de.
Zeitschriften: Website Boositing, t3n, W&V & lead-digital werden von unserem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt und gelesen.
Regelmäßig findet man mich auf folgenden Konferenzen: TactixX, Affiliate NetworkxX, SEO Campixx in Berlin und dmexco.

38 weitere Interviews mit Affiliate-Experten findet Ihr in der neuen Ausgabe des Buches “Affiliate Marketing INSIGHTS 2

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Über Malte Hannig

Malte Hannig ist Affiliate-Manager bei der xpose360 GmbH. Als begeisterter Backpacking-Reisender betreut der zertifizierte Affiliate Manager Kunden aus den Bereichen Travel und Retail. Im Rahmen seines Studiums der informationsorientierten Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg erwarb er tiefgehende Kenntnisse im Bereich Marketing, insbesondere digitale Medien. Indem er parallel dazu ein Praktikum mit Schwerpunkt cross-mediales Publishing für Verlage absolvierte, als Werkstudent am Aufbau eines Online Shops mitarbeitete und Erfahrungen im Bereich SEO sammelte, konnte er seine Kenntnisse noch erweitern, sodass er heute voll und ganz in der Online Marketing Welt zuhause ist.