Sonntag, 23. Juli 2017

Sorgenkind eBook

Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse 2011 hat eine Studie von Bitkom, die jetzt bei www.internetworld.de erschienen ist, erstaunliche Zahlen an den Tag gebracht. Die Verkaufszahlen sowohl bei Smartphones als auch bei Tablets steigen, aber die Zahl der E-Reader stagniert oder sinkt, aber das nur in Deutschland. In Europa sehen die Zahlen hingegen ganz anders aus. Alle interessieren sich für das praktische Tablet, aber ein eBook lesen will keiner so richtig. Aber das stimmt so nicht, denn das Interesse der E-Reader ist da, aber es ist in Deutschland anscheinend sehr schwer, ein eBook überhaupt lesen zu dürfen.

Der Umsatz an Lesegeräten für eBooks wird in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr sehr wahrscheinlich um 33 % auf 31 Millionen verkaufte Geräte steigen. Parallel dazu stieg der Absatz an eBooks um 40 % auf rund 232.000 Exemplare. Das sieht auf den ersten Blick nach sehr guten Verkaufszahlen aus, im europäischen Vergleich ist es aber nicht allzu viel, denn die meisten EU-Länder können auf diesem Sektor ganz andere Zahlen präsentieren. Hier stieg in diesem Jahr der Umsatz mit eBooks um zwei Drittel auf 275 Millionen Euro. Woran liegt es, dass die Deutschen so viel Interesse an Smartphones und Tablets haben, aber kaum Interesse daran, auch diese Geräte zu nutzen, um ein Buch zu lesen? Bevorzugen sie nach wie vor das gedruckte Buch und sind damit eingefleischte Nostalgiker oder gibt es andere Gründe?

Das Interesse am eBook ist auch in Deutschland groß, aber das Gesetz verhindert, dass mehr Menschen ihre Lieblingsbücher auf dem Tablet oder dem Smartphone lesen können. Es gibt nämlich eine unendliche lange Kette an Streitigkeiten, die mit und ohne Gerichte ausgetragen werden, wenn es zum Beispiel um die Urheberrechte geht. Auch was die Steuern anbelangt, ist man sich in Deutschland mehr als uneinig. Dinge unnötig zu komplizieren ist in Deutschland leider nichts Neues, aber für den Buchhandel und die Anbieter von Lesegeräten ist es ärgerlich, denn sie könnten einen deutlich besseren Umsatz machen, wenn die Gesetzeslage eine andere wäre. Wenn man sich die Umsatzzahlen für Tablets und Smartphones alleine in diesem Jahr ansieht, dann wird man den Frust verstehen.

In Deutschland wurden in diesem Jahr bisher 10,1 Millionen Smartphones verkauft, und wenn die Expertenmeinungen sich nicht irren, dann wird es im nächsten Jahr eine Steigerung von 24 % auf 12,6 Millionen verkaufte Geräte geben. Das ist alleine bei den Smartphones ein Umsatz von satten 2,3 Milliarden Euro. Bei den Tablets werden die Zahlen noch deutlicher, denn in diesem Jahr wird der Umsatz mit dem praktischen PC um 70 % auf 770 Millionen Euro steigen und damit hat sich der Verkauf gegenüber dem Vorjahr mit 1,5 Millionen verkaufter Geräte verdoppelt. Das Potenzial ist also da, es kommt aber immer darauf an, was man daraus macht.

Übrigens, Amazon hat sein eigenes Tablet vorgestellt. Der Tabletrechner Kindle Fire wird mit einem Ladenpreis von 190,- Dollar ein Konkurrent der etablierten Geräte werden und vielleicht bei vielen, die gerne ein eBook lesen, in diesem Jahr unter dem Weihnachtsbaum liegen.

Bildquelle: © Wilhelmine Wulff / Pixelio.de

 

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