Mittwoch, 18. Januar 2017

Undankbarer Spenden-Empfänger

Eigentlich wollte ich die Spende i.H. von 500,- Euro an das SOS-Kinderdorf persönlich auf der nächsten Affiliate NetworkxX am 15.10.2009 einem Vertreter der Organisation überreichen. Nach meiner Anfrage erhielt ich nun heute folgende E-Mail:

Leider müssen wir Ihnen aus Kostengründen (Anfahrts- und Personalkosten) leider absagen. Unser Ziel und sicher auch Ihr Wunsch ist, dass die Spenden in vollem Umfang unseren Kindern- und Jugendlichen zugute kommen. Solche Spendenübergaben schmälern natürlich im Endeffekt die Spende und damit die Hilfe und Unterstützung für die uns betreuten Menschen. Bitte haben Sie dafür Verständnis.

Vielen Dank auch für die Zusendung des Links, wo man die Spendeneingänge nachverfolgen kann. Leider haben Sie das Logo unserer Schwesternorganisation eingebunden. Das konnten Sie natürlich nicht wissen, wir möchten Sie dennoch bitten, das Logo zu entfernen. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie noch darauf aufmerksam machen, dass wir zur Vermeidung des Anfalls von Körperschaft-/Gewerbesteuer unseren Unternehmens- und Spendenpartnern von SOS-Kinderdorf unser Logo nicht mehr unentgeltlich zur Verfügung stellen können.

Sobald wir unser Logo für einen Partner zur Veröffentlichung frei geben (unser Einverständnis muss vor der Nutzung des SOS-Logos vorliegen), müssen wir eine Lizenzgebühr erheben, da es sich bei der Zuwendung des Spendenpartners dann nicht mehr um eine gegenleistungsfreie Spende, sondern um eine Zuwendung im Gegenseitigkeitsverhältnis handeln würde; dies wäre dann eine steuerpflichtige Sponsoringleistung.

Wir möchten Ihnen daher vorschlagen, dass Sie gerne einen kostenlosen Banner in Ihre Seite einbauen können. Diesen finden Sie unter folgendem Link http://www.sos-kinderdorf.de/generator/sos_kinderdorf/de/helfen/unternehmen_als_partner/banner_schalten/banner.html

Möglich wäre auch die Einbindung von Fotomaterial. Wenn Sie möchten, können Sie gerne Material bei mir anfordern.

Außerdem möchten wir Sie bitten, den Text auf Ihrer Homepage folgendermaßen zu ändern 500,- EUR an den SOS-Kinderdorf e.V. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir auf die korrekte Verwendung unserer Wortmarke achten müssen.

Bitte stimmen Sie künftig alle Materialien, in denen SOS-Kinderdorf e.V. eingebunden ist, vor Veröffentlichung mit uns ab. Besten Dank.

Das nenne ich doch mal richtig Undankbar. Ich habe mich deswegen dazu entschlossen, die 500,- Euro nicht an das SOS-Kinderdorf, sondern an eine andere Organisation zu spenden.

Über Markus

Markus Kellermann ist bereits seit 1999 im Online-Marketing tätig und Geschäftsführender Gesellschafter der Digital-Marketing-Agentur xpose360 GmbH mit Sitz in Augsburg. Als Autor hat Markus Kellermann bereits eine Vielzahl von Artikeln in Fachmagazinen publiziert. Zudem organisiert er mit der Affiliate NetworkxX, der Affiliate Conference und dem Affiliate Innovation Day drei der bedeutendsten Affiliate-Veranstaltungen und betreibt neben dem Affiliate-Portal affiliateBLOG.de auch den Podcast Affiliate MusixX.

13 Kommentare

  1. Hmmm, undankbar denke ich mal nicht, sondern typisch deutsch überbürokratisiert. Sicherlich auch, was die ganzen gesetzlichen Vorschriften betrifft. Macht echt keinen Spaß dann, kann dich gut verstehen.

  2. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Die steuerlichen Anforderungen an gemeinnützige Organisationen sind in den letzten 20 Jahren enorm angestiegen. Die müssen in der Tat darauf achten, ihre Gemeinnützigkeit nicht zu verlieren; daher die strengen Richtlinien.
    Andererseits haben die SOS Kinderdörfer ein hervorragendes Spendenwesen aufgebaut, da gibt es sicherlich andere, die eine Spende dringender benötigen. Auf der letztjährigen Internet World konnte ich einem Vortrag dazu beiwohnen, wie die Online Spendenmarketing machen. Da kann jeder Affiliate noch etwas lernen davon. So sind z.B. Fotos von hungernden Kindern tabu, weil das die Spendenfreudigkeit ebenso schmälert wie Fotos von zu fröhlichen Kindern. Also nicht wundern darüber.
    Noch was: Organisationen, die eine gute Basisstruktur haben, würden einfach den örtlichen ehrenamtlichen Vertreter vorbeischicken, der lediglich die S-Bahn-Fahrkarte über 7,20 Euro abrechnet. Vielleicht kannst du ja fürs nächste Mal bei der Auswahl der möglichen Spendenempfänger das mit als Kriterium nehmen.

  3. das ist ja wirklich nen kleiner skandal. würd ich auch sofort umschwenken und zu den tafeln oder anderen vernünftigen einrichtungen gehen. die scheinen genug kohle zu haben. naja… wer nich will, der hat schon

  4. Man kann es aber auch echt auf die Spitze treiben. Statt die Leute mal freundlich fragen ob man ihnen die Fahrtkosten erstattet (was ich durchaus für annehmbar halte), verflucht man den Spender hier sinngemäß. Selbst die Fahrtkosten wären schon etwas bitter, da bei 500 Euro die Fahrt wohl problemlos abfallen kann.

    Die Ausrede das man möglichst die vollen Spenden auch einsetzen wolle, sind hier in meinen Augen nur ein „Schein“ … wäre es eine andere Organisation, deren Name ich jetzt nicht nenne, würde ich offen die Frage stellen: Reicht es abzgl. Fahrt etwa nicht mehr für den Bordell-Besuch? 🙁

    Man Man Man…

  5. Hi Ho,

    ach was können denn die Kinder dafür das manch einer in der Presseabteilung nicht freundlich sein kann? Ich würde denen die Summe dennoch Spenden und danach dann halt nur noch andere Organisationen helfen.

    lg

    sven

  6. wirklich der Hammer, ich hätte auch nichts gegeben, mein Geld geht an die Krebskinder

  7. Ich kann mich dem Kollegen Fischerländer nur anschließen und davor warnen, vorschnelle Schlüsse aus der E-Mail zu ziehen. Ich versuche gerade, gemeinsam mit amerikanischen Organisationen einen Fundraiser für Brustkrebs zu organisieren und weiß daher, wie schwierig Logoverwendung u.ä. ist. Die Charities unterliegen sehr strengen Kontrollen hinsichtlich Gemeinnützigkeit und Kosteneffizienz (Verhältnis Admin-Kosten vs. Spendenaufkommen). Berauschend finde ich die Mail trotzdem nicht, wenn man die Hintergründe kennt kann man sie aber evtl. besser verstehen.

  8. „..aus Kostengründen (Anfahrts- und Personalkosten) leider absagen. Unser Ziel und sicher auch Ihr Wunsch ist, dass die Spenden in vollem Umfang unseren Kindern- und Jugendlichen zugute kommen…“

    was bitte ist daran falsch??

    oder geht es herr kellermann eher um:
    „Es gibt Wohltäter, die es gern sehen, auf frischer Tat ertappt zu werden.“ 😉

  9. In einem Raum voller Großverdiener eine Spende von mickrigen 500€ persönlich zu übergeben fänd ich schon etwas merkwürdig

  10. Ich finde die Mail nicht schlimm. Das sind halt die Probleme, mit denen solche Organisationen selber zu kämpfen haben. Viel schlimmer ist, dass nach einer Spende für die SOS-Kinderdörfer die Adressen des Spenders weiterverkauft, und diese dann mit Werbemüll für die seltsamsten Anliegen überschüttet werden. Das ging zumindest mir vor ein paar Jahren so. Seitdem ist eine Spende an die Kinderdörfer aus Datenschutzgründen für mich absolut tabu.

  11. Ich würde das jetzt nicht wirklich „undankbar“ nennen. Ich halte es eher wie Karsten und Stefan. Ich denke weniger dass SOS dabei viel zu sagen hat, sondern dass die gesetzlichen Bestimmungen zu solchen Emails führen.
    Für mich klang die Mail schlicht und einfach höflich, aber peinlichst darauf bedacht, nur ja keine Vorschrift zu verletzen. Was ich eher als Hammer empfinde, dass man keine Banner einstellen kann. Diese Passage habe ich ehrlich gesagt nicht verstanden. Ich setz ein Banner für eine Wohltätigkeitsorganisation auf meine Seite und soll dafür auch noch Lizensgebühren zahlen? Wie verrückt ist das denn? Das wäre doch mal vor den ganzen Wahlen ein hervorragende Idee, die Politiker mal zu fragen, wie man es schafft Wohltätigkeit in Deutschland durch Bürokratie kaputt zu machen.
    HIER ABER VIELLEICHT DAS WICHTIGSTE: Die Leute haben entschieden, wo das Geld hingehen soll. Die Bedürftigen Kinden können nicht für die gesetzlichen und persönlichen Fehler Anderer. Warum sollten sie dann dafür büßen? Ich denke mal, nur weil man es nicht persönlich abgeben kann (und vielleicht dann auch kein Foto existiert das dann wiederum in einem Blog auftaucht) heißt es nicht, dass das Geld dort nicht gut aufgehoben ist. Ich denke einfach: Auch ohne Medienrummel kann man helfen. Schliesslich geht es hier um die Hilfe und nicht um die Unzulänglichkeiten von Personen oder dem Staat.

  12. Hi,
    wenn man mal nach „sos kinderdorf“ googelt wird der Absatz klar:
    Vielen Dank auch für die Zusendung des Links, wo man die Spendeneingänge nachverfolgen kann. Leider haben Sie das Logo unserer Schwesternorganisation eingebunden. Das konnten Sie natürlich nicht wissen, wir möchten Sie dennoch bitten, das Logo zu entfernen.

    Es kommen inzwischen 3 offizielle Websites:
    http://www.sos-kinderdorf.de
    http://www.sos-kinderdorfinternational.org
    http://www.sos-kinderdoerfer.de

    Eine zeitlang konnte man sehen, wie sich http://www.sos-kinderdoerfer.de und http://www.sos-kinderdorf.de gegenseitig bei Adwords und besser noch bei (damals) Overture bei der Brand (!) gegenseitig hochgeboten haben – warum ist ein Rätsel, aber wenn Geld für 3 unterschiedliche Websites da ist…

    Mehr sag ich net.

  13. zitat aus meiner mail an herr kellermann:

    „..in der tat, ihre vorangegangene aktivitäten in dieser richtung sind mir nicht bekannt gewesen.
    und mit der schilderung der genzen geschichte, rückt ihr artikel auch in ein besseres licht.
    möchte dennoch deren meinung unterstützen, die schreiben, daß die kinder, denen es schlußendlich zu gute kommen sollte, nichts gegen all den bürokratischen und gesetzlichen unsinn tun können, aber dann trotzdem die leittragende sind….
    aber vorallem: möchte mich nun hiermit für die fehlinterpretation entschuldigen und daß ich sie im falschen licht habe dastehen lassen…“