Teil 6: Social-Commerce wird zum Wachstumsbeschleuniger für Advertiser, während Affiliates langsamer adaptieren

Nachdem Teil 5 der 9-teiligen Artikel-Serie des Affiliate-Experten Markus Kellermann gezeigt hat, wie generative Suche klassische SEO-Modelle unter Druck setzt und Traffic-Ströme grundlegend verschiebt, richtet Teil 6 den Blick auf einen der dynamischsten Wachstumstreiber im Affiliate-Marketing. Social-Commerce entwickelt sich 2026 vom ergänzenden Kanal zum zentralen Performance-Hebel, insbesondere für Advertiser. Plattformen wie TikTok, YouTube und Instagram verschmelzen Content, Community und Commerce immer stärker und verkürzen den Weg von Inspiration zur Kaufentscheidung erheblich. Gleichzeitig zeigt die Trend-Umfrage, dass sich Affiliates mit dieser Entwicklung sehr unterschiedlich schwertun. Während Advertiser und Netzwerke Social-Commerce strategisch vorantreiben, adaptieren viele klassische Publisher die neuen Formate deutlich langsamer.

Social-Commerce als Wachstumstreiber: Uneinigkeit im Affiliate-Ökosystem

Social-Commerce entwickelt sich 2026 zu einem der wichtigsten Wachstumsfelder im Affiliate-Marketing, allerdings mit deutlich unterschiedlicher Geschwindigkeit zwischen Advertisern, Netzwerken und Affiliates. Aus Sicht der Advertiser hat der Stellenwert von Social-Traffic und Influencer-Kooperationen erneut deutlich zugenommen. Während 2025 noch 26 Prozent der Advertiser Social-Media und Influencer als wichtigsten Trend sahen, steigt der Wert 2026 auf 43 Prozent.

Auch bei den Agenturen, Netzwerken und Technologien bleibt Social-Traffic ein zentrales Trendthema und liegt 2026 bei 41 Prozent.

Affiliates selbst bewerten Social-Media und Influencer Traffic weiterhin zurückhaltender. Ihr Wert steigt von 24 Prozent in 2025 auf 26 Prozent in 2026. Die Zahlen zeigen klar: Advertiser und Netzwerke betrachten Social-Commerce zunehmend als starken Wachstumstreiber, während viele klassische Affiliates sich mit der Adaption kreativer Social-Formate schwerer tun.

TikTok Shop, Creator Commerce und neue Plattform-Ökosysteme

Besonders deutlich wird diese Entwicklung am TikTok Shop. In der Trend- Umfrage gehört er 2026 für 31 Prozent der Advertiser, 31 Prozent der ANT und 22 Prozent der Affiliates zu den wichtigsten Trendthemen im Affiliate-Marketing. Externe Studien unterstreichen diese Dynamik. Bain beschreibt TikTok und den TikTok Shop als einen der stärksten Treiber des weltweiten Social-Commerce Wachstums und betont, wie insurgente Marken etablierte Player dort innerhalb kürzester Zeit herausfordern können. Eine Analyse zum TikTok Shop zeigt zudem, dass 80 Prozent der Shops bereits nach drei Monaten profitabel arbeiten. Wissenschaftliche Studien verdeutlichen, dass TikTok Inhalte Kaufentscheidungen unmittelbar beeinflussen, indem sie Social Proof, Unterhaltung und Empfehlungen miteinander verknüpfen. Für das Affiliate-Marketing entsteht damit ein Umfeld, in dem Live Shopping, Kurzvideos und Creator-getriebene Produktinszenierungen zu vollwertigen Performance Kanälen werden.

Die Plattformlandschaft bewegt sich insgesamt in Richtung integrierter Commerce-Ökosysteme. TikTok Shop baut seinen Marktplatz mit In-App Checkout, Live Shoppings und Creator Provisionen konsequent aus und investiert gleichzeitig massiv in die Bekämpfung von Betrug und Fake Shops. Laut Unternehmensangaben wurden allein im ersten Halbjahr 2025 über 70 Millionen Produkte abgelehnt und rund 700.000 Verkäufer entfernt. Auch YouTube entwickelt sich mit dem YouTube Shopping Affiliate-Programm und dem Affiliate Hub zunehmend zu einem Commerce Ökosystem. Creator können Produkte direkt in Videos, Shorts und Livestreams taggen, während Nutzer:innen innerhalb der YouTube Oberfläche einkaufen können. Der Affiliate Hub dient dabei als zentrales Tool, in dem Creator Provisionen, Aktionen und Markenangebote verwalten. Instagram und andere Meta Plattformen treiben parallel Shopping-Formate weiter voran.

Ein wichtiger Player im Social-Commerce Ökosystem ist LTK. Die Creator Commerce-Plattform verbindet Influencer, Marken und Händler über ein eigenes Affiliate und Shopping-System. Laut LTK generieren Creator dort jährlich über 5 Milliarden US-Dollar Umsatz für Händler, mit über 40 Millionen aktiven Shoppern pro Monat und mehr als 8.000 angebundenen Retailern. Studien zeigen, dass 66 Prozent der Gen-Z und Millennials regelmäßig über Creator-Empfehlungen einkaufen und inzwischen mehr als die Hälfte aller Konsument:innen Käufe über Creator tätigt. Diese Entwicklung macht deutlich, dass Creator Commerce sich zu einem der zentralen Wachstumspfeiler im Affiliate-Marketing entwickelt.

Wenn Performance auf Creator trifft: Wie Netzwerke Social-Commerce neu denken

Große Affiliate-Netzwerke reagieren auf diesen Wandel. Anbieter wie u.a. Awin, CJ oder Rakuten haben eigene Creator-Programme, Tracking-Lösungen und Tools ausgebaut, um Influencer effizienter in Affiliate-Setups einzubinden. Diese Formate verbinden die Performance Logik klassischer Affiliate-Programme mit der Reichweite und Kreativität von Influencern, wodurch Advertiser Social-Commerce verstärkt auf Basis von Abverkaufskennzahlen steuern können.

Die Trend-Umfrage zeigt zugleich, wie unterschiedlich die Marktseiten Social-Commerce einschätzen. Aus Advertiser-Sicht zählen Social-Media und Influencer-Kooperationen 2026 zu den wichtigsten Trends und der TikTok Shop gilt ebenfalls für etwa ein Drittel als besonders relevant. Bei den Agenturen, Netzwerken und Technologien bestätigen 41 Prozent Social-Traffic als Top-Trend und auch der TikTok Shop wird breit als relevantes Zukunftsfeld gesehen. Affiliates bleiben zurückhaltender. Für sie sind 26 Prozent Social-Media und Influencer ein zentrales Thema und 22 Prozent bewerten den TikTok Shop als wichtig. Die Gründe liegen auf der Hand. Social-Commerce erfordert andere Fähigkeiten als SEO. Statt primär Suchintentionen zu bedienen, müssen Affiliates Bewegtbild-Content erstellen, Trends antizipieren, Produkte kreativ inszenieren, Community Bindung aufbauen und dauerhaft präsent sein.

Für das Affiliate-Ökosystem bedeutet dies einen tiefgreifenden Wandel. Social-Commerce verlagert die Wertschöpfung näher an die Kaufentscheidung und schafft neue Umsatzpotenziale durch Live Shopping, Shoppable Videos und Creator Clips. Gleichzeitig steigt die Abhängigkeit von Plattformalgorithmen, Monetarisierungsmodellen und technischen Integrationen. Die Einstiegshürde ist höher als bei klassischen Content- oder SEO-Modellen. Wer jedoch frühzeitig investiert und Social-Commerce als strategischen Pfeiler aufbaut, kann seine Rolle im Affiliate-Marketing deutlich stärken und sich unabhängiger von organischem Suchtraffic machen. In Summe zeigt sich: Social-Commerce wird für Advertiser 2026 zum Wachstumsbeschleuniger und zu einem zentralen Umsatzmotor. Affiliates dagegen befinden sich in einer Übergangsphase. Die einen bauen Social-Commerce strategisch auf und erschließen Creator-getriebene Umsatzpotenziale, während andere noch stark an klassischen Modellen festhalten. Der Abstand zwischen beiden Gruppen könnte 2026 größer werden. Social-Commerce verlangt neue Fähigkeiten, neue Content-Formen und eine neue Geschwindigkeit. Für die Affiliate-Branche ist klar: wer diese Entwicklung ignoriert, verliert. Wer sie annimmt, kann in einem der am schnellsten wachsende Bereiche des digitalen Handels große Chancen nutzen.

Fazit

Die Ergebnisse der Trend-Umfrage 2026 machen deutlich, dass Social-Commerce kein kurzfristiger Hype, sondern ein struktureller Wandel im Affiliate-Marketing ist. Für Advertiser hat sich der Kanal bereits zu einem zentralen Wachstumsmotor entwickelt, der Reichweite, Abverkauf und Markenaufbau miteinander verbindet. Influencer, Creator und Plattformen wie TikTok Shop, YouTube Shopping oder Creator-Commerce-Lösungen wie LTK rücken näher an den Point of Sale als je zuvor und verändern die Logik der Customer-Journey nachhaltig. Für Affiliates markiert Social-Commerce hingegen eine Phase des Umbruchs. Der Erfolg hängt weniger von Suchmaschinenoptimierung ab, sondern von Kreativität, Storytelling, Community-Bindung und der Fähigkeit, Produkte authentisch in Bewegtbildformate zu integrieren. Wer diese Kompetenzen aufbaut und Social-Commerce strategisch nutzt, kann sich unabhängiger von organischem Suchtraffic machen und neue Umsatzpotenziale erschließen. Wer hingegen an rein klassischen Modellen festhält, riskiert, in einem der am schnellsten wachsenden Bereiche des digitalen Handels an Relevanz zu verlieren.

Weitere Informationen gibt es zudem im großen Affiliate Trend-Report 2026.

Markus Kellermann
Markus Kellermannhttps://www.affiliateblog.de
Markus Kellermann ist bereits seit 1999 im Online-Marketing tätig und Geschäftsführender Gesellschafter der Digital-Marketing-Agentur xpose360 GmbH mit Sitz in Augsburg. Als Autor hat Markus Kellermann bereits eine Vielzahl von Artikeln in Fachmagazinen publiziert. Zudem organisiert er mit der Affiliate Conference, dem Affiliate Innovation Day und der Influencer Conference drei der bedeutendsten Online-Marketing-Veranstaltungen und betreibt neben dem Affiliate-Portal affiliateBLOG.de auch den Podcast Affiliate MusixX.

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