Freitag, 31. März 2017

Affiliate-Marketing in der Krise?

Seit einiger Zeit kann man in einigen Medien und auch Blogs entnehmen, dass das Affiliate-Marketing in der Krise steckt. Negative Berichterstattung und Horrormeldungen sind zur Zeit im Trend.

Ein neues Buch des britischen Zoologen und Bestsellerautors Matt Ridley mit dem Titel „The Rational Optimist“ hat mich deswegen auf die Idee gebracht, einen passenden Beitrag zu diesem Thema zu verfassen. In dem Buch geht es darum, dass auf dem langen Weg vom Faustkeil zur Computermaus zwar jede Menge falsch gelaufen ist, wir aber trotz aller Rückschläge, heute wesentlich besser dran sind als unsere Großeltern oder deren Großeltern.

Seit 1800 ist die Weltbevölkerung um mehr als das Sechsfache gewachsen, gleichzeitig verdoppelte sich die Lebenserwartung. Zwischen 1955 und 2005 verdreifachte sich das inflationsbereinigte Durchschnittseinkommen der Erdbewohner. Die Chinesen sind heute zehnmal so reich, bekommen aber nur zwei Drittel weniger Nachkommen als vor 50 Jahren. Immer mehr Menschen auf der Welt haben genug zu essen, leben länger und können ihre Kinder auf die Schulen schicken. Und ab einem gewissen Wohlstandsniveau fangen sie an, ihre Umwelt zu verbessern und die Natur zu schonen. Das sind nur einige Beispiele, wie sich die Welt verbessert und somit doch nicht alles so schlecht ist, wie von manchen Redakteuren geschrieben wird.

Doch warum liegen gerade negative Meldungen im Trend? Es ist so, dass gerade Intellektuelle seit eh und je Niedergang und Katastrophen prophezeit haben. Um 1900 zum Beispiel warnten Bestseller vor dem geistigen Verfall, der Verschlechterung des Erbguts, dem Niedergang der Moral usw. Der Kulturpessimismus wieder immer schlimmer, je schneller der Lebensstandard steigt. Zum Teil weil Medien ihre Bühne pessimistischen Intellektuellen zur Verfügung stellen. Zum anderen, weil wir Verbesserungen für selbstverständlich ansehen und Nostalgie eine starke Kraft ist.

Doch nun zum Affiliate-Marketing. Ist es wirklich in der Krise? Ich behaupte definitiv NEIN!

Die Entwicklung die ich in meiner 10-Jährigen Erfahrung verfolge ist konstant Positiv.Verzeichnen wir seit Jahren rückläufige Umsätze? NEIN! Die Umsätze im Affiliate-Marketing weltweit sind seit Jahren stark wachsend, auch wenn die Wachstumsraten vielleicht nicht mehr so groß sind, wie noch vor ein paar Jahren. Alleine wenn ich mir die über 50 Partnerprogramme anschaue, die von unserer Agentur betreut werden, haben wir bei allen Programmen ein Wachstum zu verzeichnen.

Auch die Entwicklung der Affiliate-Netzwerke ist extrem positiv. So konnte der Axel Springer Verlag seine Gesamterlöse in den ersten neun Monaten des Jahres 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 62,2 Prozent steigern. Zanox, sowie die neu hinzugekauften Netzwerke Digital Window und buy.at haben dabei einen wesentlichen Anteil. Auch die YOC-Gruppe legte zusammen mit belboon im ersten Quartal 2010 den höchsten Quartalsumsatz, sowie das höchste operative Ergebnis ihrer Firmengeschichte vor, mit einer Steigerung von 16 Prozent im Bereich Affiliate Marketing gegenüber dem Vorjahresquartal. Und auch affilinet,TradeDoublerund andere Netzwerke forcieren mit zahlreichen personellen Neueinstellungen ihre Wachstumsansprüche für die nächsten Jahre.

Und auch das Investitionsklima für 2011 verbessert sich weiter, was kürzlich in der Geschäftsklima-Studie E-Commerce 2010/2011 durch den ECC Handel veröffentlich wurde. Demnach wollen im kommenden Jahr 27,6 Prozent der Händler mehr Geld für das Affiliate Marketing investieren.

Dies bestätigt auch die aktuelle „affilinet Advertiser Survey 2010„. Demnach ist Affiliate-Marketing einer der beliebtesten Online-Marketing- und Vertriebskanäle. 93 Prozent der befragten Advertiser investieren zukünftig genauso viel in Affiliate-Marketing-Maßnahmen wie in 2010 oder werden das Budget in diesem Bereich in den kommenden drei Jahren sogar weiter erhöhen.

Aber auch was die Publisher-Modell angeht, ist die Entwicklung keinesfalls so negativ wie sie oft gemacht wird. Zwar stellen z.B. Publisher-Modelle wie Postview für manche Content-Publisher immer noch ein Problem dar, doch denken wir doch einmal 2 Jahre zurück? Damals wurden Cookieweichen noch nicht so häufig eingesetzt wie heute und Cookiepriorisierungen gab es auch noch nicht. Oder denken wir doch einmal an Cookiedropping, wie oft fand man noch vor 4-5 Jahren die schönen kleinen 1×1 Pixel auf vielen Affiliate-Seiten und wie verbreitet ist das Thema jetzt noch? Man könnte hier hunderte von Beispielen bringen, wie sich verschiedene Publisher-Modell im Laufe der Zeit entwickelt haben. Sicherlich gibt es auch in diesen Bereich auch heute noch Probleme, doch die Entwicklungen war auch hier in den letzten Jahren durchwechs positiv.

Das sollte jetzt aber nur einmal ein kurzer Ausblick gewesen sein. Mein Fazit ist, dass Affiliate-Marketing keinesfalls der negativen Entwicklung entspricht, wie es manche vielleicht sehen wollen.

Affiliate-Marketing wird auch in den nächsten Jahren eine immer größer werdende Entwicklung haben und auch weiterhin eine entscheidende Rolle im Performance Marketing spielen, da gerade die performanceabhängige Vergütung für viele Werbetreibende immer wichtiger wird. Und auch die Entwicklung neuer Traffickanäle wie Mobile, Social-Media usw. wird für weiteres Wachstum in den nächsten Jahren sorgen.

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen dazu und freue mich auf eine rege Diskussion.


Foto: Gerd Altmann / PIXELIO

Über Markus

Markus Kellermann ist bereits seit 1999 im Online-Marketing tätig und Geschäftsführender Gesellschafter der Digital-Marketing-Agentur xpose360 GmbH mit Sitz in Augsburg. Als Autor hat Markus Kellermann bereits eine Vielzahl von Artikeln in Fachmagazinen publiziert. Zudem organisiert er mit der Affiliate NetworkxX, der Affiliate Conference und dem Affiliate Innovation Day drei der bedeutendsten Affiliate-Veranstaltungen und betreibt neben dem Affiliate-Portal affiliateBLOG.de auch den Podcast Affiliate MusixX.

9 Kommentare

  1. Hallo Markus,

    mich würden die Quellen interessieren, auf die Du Dich in Deiner Einleitung „Seit einiger Zeit kann man in einigen Medien und auch Blogs entnehmen, dass das Affiliate-Marketing in der Krise steckt. Negative Berichterstattung und Horrormeldungen sind zur Zeit im Trend.“ beziehst.

    Mir ist dieser Trend der „Horrormeldungen“ bisher völlig entgangen.

    Besten Gruß
    Daniel

  2. Hallo Daniel,

    naja, es gibt immer mal wieder Beiträge im Print-Bereich, in der das Affiliate-Marketing in Frage gestellt wird. Auch in Blogbeiträgen wie z.B. auf http://www.seokratie.de/entwicklungen-und-hot-topics-im-internet-2011/ oder http://www.seonauten.com/seo-jahresausblick-2011/ wird nur die negative Entwicklung angesprochen und die positiven Aspekte aussen vorgelassen. Natürlich sind beide Blogbeiträge korrekt, aber man sollte nicht alles zu schwarz sehen 🙂

    Schönen Gruss
    Markus

  3. Es ist eben die Frage, aus welchem Standpunkt man es betrachtet. Vermutlich prophezeien viele nun den Untergang von Affliate Marketing, weil deren Affiliate Projekte bei Google nicht mehr so gut gelistet werden. Ein etabliertes Projekt wird vermutlich weiterhin gut performen.

    Generell ist es aus meiner Sicht aber auf jeden Fall schwieriger geworden. Die Konkurrenz ist größer geworden. Die Preise für Anzeigen sind gestiegen und es ist viel neues dazu gekommen. Oder was meint ihr?

  4. Auch ich denke, dass Affiliate nach wie vor eine Existenzberechtigung hat. Nur haben verschiedene Marktteilnehmer kapiert, dass auch in diesem Bereich Geld zu verdienen ist und lassen sich das recht ordentlich bezahlen. Gut, denn dann bekommt nicht nur Google Geld. Schade, denn die unbeschwerten Starterzeiten sind dann auch in diesem Bereich vorbei.

  5. Hallo Markus, ich sehe die Entwicklung im Affiliate-Marketing gespalten. Einerseits, ist Affiliate-Marketing inzwischen ein fester Bestandteil im Online-Marketing-Mix und in allen Marketing-Budgets eingeplant. Zudem weiss der Advertiser inzwischen besser über die Aktivitäten (wie von dir oben beschrieben) der Affiliates Bescheid und fühlt sich in diesem Kanal sicherer. Sorge macht mir aber der Netzwerk-Markt an sich. Insbesondere in Deutschland, wo der Markt durch Affilinet und Zanox dominiert wird, sinken seit Jahren die Margen. Die 30% Netzwerk-Fee werden kaum noch von Advertisern akzeptiert – Und Private-Networks nehmen vermehrt Einzug.
    Welche Konsequenzen das für Agenturen hat, vermag ich noch nicht abzuschätzen. Wie siehst du denn die Zukunft der Netzwerke?

  6. Ja, Krise.. nicht solange es Agenturen zu verhindern wissen. Da werden Gutscbein-Affiliates gepimpt, dass es nur so kracht. Den Affiliates fällt nix mehr ein. Gar nix. Dass die ganzen Gutschein-Seiten Null Mehrwert haben, und es den Unternehmen besser gehen würde, wenn ALLE die Gutscheine abschaffen, oder die Gutschein-Affiliates (sorry, wo ist denn der Mehrwert?) alle mit 0,01% vom Warenkorb abgestraft werden, interessiert auf Agenturseite NIEMANDEN:

    Ich hatte neulich einen Call mit einer Affiliate-Agentur, die auf mich zugekommen ist, weil Sie in meinem Programm „noch so viel Poztential“ sehen. 

    Vorschläge?

    – Provisionen erhöhen auf ein nicht-wirtschaftliches Niveau [„.. aber die anderen zahlen das auch..“]
    – Gutschein-Publisher zulassen
    – Postview zulassen
    – Cashback zulassen (wird nicht passieren, weil man damit die Abzocker-Mentalität der Kunden fördert).
    – SEM & Brand-Bidding zulassen

    Mehr kam nicht. Bisschen dünn, oder? Aber solange es Agenturen mit Kunden zu tun haben, wo jede Abteilung ihre eigenen Ziele hat, und wo es keine umfassende Betrachtung der Sinnhaftigkeit gibt, gibt es keine Krise. Klar.

    Und die Publisher? Es gibt wenige, die richtig gut & nachhaltig sind. Weil sie gute SEO’s sind. Oder weil sie gute Mailinglisten haben. Oder gut-rankende Portale. Aber heute macht jede Hausfrau ne Gutscheinseite auf – die wird’s alle zerbröseln. Garantiert.

    Und die Netzwerke & Agenturen? Private Networks machen wahnsinnig viel Sinn (von den SEO-Implikationen mal ganz abgesehen). Von Affilinet/Zanox kommt proaktiv mal gar nix. Man ist als Advertiser nur Zahlmeister, wenn der Spend nicht gerade 50k/Monat sind. Ich prophezeihe: es wird so gehen wie im SEM – da haben die Agenturen auch noch bis vor ein paar Jahren gedacht, sie könnten sich Ihre 30k/Jahr-Berufseinsteiger wie BCG-Berater bezahlen lassen, weil die dummen Unternehmen ja alle denken, das sei Rocket Science. Und was ist passiert? Alle inhousen – und auf einmal fällt auf, dass die Agentur 90% Brand-Sales hatte & der GANZE Rest vollkommen ineffizient war. Hat super funktioniert, weil sich alle Abteilungen gegenseitig Augen & Ohren zugehalten haben. Aber es hat sich geändert. Genauso, wie es sich bei Affiliate ändern wird. Garantiert.

  7. @Volker
    Neben Affilinet und Zanox gibt es doch noch zahlreiche andere Netzwerke: Adcell, Belboon, SuperClix, … Daher wundert es mich nicht, dass die Margen sinken. Zudem sind Inhouse-Partnerprogramme wesentlich lukrativer, zumal von den Partnerlinks auch eine gewisse SEO-Wirkung ausgeht.

  8. @David
    Das hört sich ja echt frustriert an. Ich denke, man muss bei den Agenturen schon unterscheiden, zwischen den Agenturen, die langfristig mit einem Kunden zusammenarbeiten und gemeinsam Wachsen wollen und den Agenturen, die nur auf das schnelle Geld aus sind. Sicherlich ist es sehr wichtig, dass die Advertiser von ihrer Agentur aufgeklärt werden und bei Dingen wie Gutscheine oder Postview zu Beginn ganz genau die Vor- und Nachteile analysiert und besprochen werden.

    Bzgl. Publishern sehe ich das ein bisschen anders als Du. Es gibt schon einige Publisher, die sehr effektiv und v.a. nachhaltig arbeiten. Vielleicht hattest Du bisher nur noch nicht das Glück mit diesen seriösen Partner zu arbeiten. Dennoch gibt es wie in jeder Branche natürlich auch Schwarze Schafe, ganz klar.

  9. Ich sehe folgende Tendenzen:
    -Merchants machen ab einem gewissen Affiliate- Umsatz vieles selber. Warum soll jemand an z.B. Affilinet bei 100k€ Umsatz im Monat 25k€ Provision zahlen? Da mietet sich der Merchant lieber für 1k€/ Monat z.B. eine Partnerprogramm- Software, hat 5k€/ Monat Personalkosten, und spart fast 20k€/ Monat… Von den Netzwerken kommt dann immer das Argument der Reichweite und der vielen angemeldeten Publisher. Wahr ist aber, daß sich die 20% der Publisher, die 80% der Umsätze bringen, kümmern, und den Weg zum Merchant finden.

    -Affilinet, Zanox etc. werden stagnieren oder eingehen. Die Umsätze werden sich auf inhouse- Partnerprogramme und kleine Netzwerke für scharfe Zielgruppen verlagern.

    -Merchants bewerten immer stärker die Qualität der über die einzelnen Vertriebswege gewonnenen Kunden. Z.B. bei kostenlosen Produkten (Girokonten, Kreditkarten etc.) erhalten Merchants sehr oft überwiegend wertlose „Neukunden“, welche Affiliate- Provision + ggf. Incentive abfassen, und das Produkt ungenutzt verschimmeln lassen.

    Das ist ein echtes Problem: Die Qualität der Neukunden über Affiliates ist oft sehr schlecht. Display- Werbung ohne Postview ist da meilenweit im Vorteil.