Mittwoch, 13. Dezember 2017
Affiliate Conference 2017 – Recap

Affiliate Conference 2017 – Recap

Am Donnerstag, den 09.11.2017 fand zum siebten Mal die Affiliate Conference im municon Tagungszentrum am Münchner Flughafen statt. Schon sechs Wochen im Voraus war die Veranstaltung komplett ausverkauft, was wohl mit an den spannenden Vorträgen lag, die angeboten wurden. Hier konnten sich Affiliates, Advertiser, Netzwerke und Agenturen unter anderem über das perfekte Partnerprogramm, Trends und neue Publisher-Modelle sowie über News und Entwicklungen in der Affiliate Branche weiterbilden. Zum ersten Mal war dieses Jahr ein Ausstellerbereich mit Sponsoren vertreten. Hier wurde auch die Affiliate ToolboxX erstmalig und exklusiv der Öffentlichkeit präsentiert.

Ganz klar im Fokus der Veranstaltung dieses Jahr standen die rechtlichen Auswirkungen der geplanten ePrivacy-Verordnung auf das Affiliate Marketing. Durch Vorträge wie z. B. von Michael Neuber des BVDW e.V.  konnte jedoch Licht ins Dunkel gebracht werden. Erstmals wurde in diesem Jahr vor der offiziellen Veranstaltung auch ein Einsteiger Affiliate Workshop für Newbies von Verena Weiß und Malte Hannig (beide xpose360 GmbH) gehalten.

 Zielführende Kommunikation zwischen Affiliates und Merchants

Den Anfang der Vortragsreihe läutete Dan Berlin ein. Sein Vortrag sollte zeigen, wie wichtig der erste Eindruck ist, sowohl im täglichen Leben, als auch in der Geschäftswelt. Dies veranschaulichte er mit Hilfe seiner eigenen Lebensgeschichte.Im Anschluss daran gab er vier einfache Regeln an das Publikum weiter, die ihm stets geholfen haben einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen und seinem Gegenüber nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben.

Sei nicht normal!

Damit wollte er dem Publikum zeigen, dass zum Beispiel eine ausgefallene Begrüßung bereits die halbe Miete sei. Hierzu stellte er eine App vor, diese soll die Übergabe von Visitenkarten zu einem Highlight machen, da sie den Anschein erweckt, dass diese frisch vom Smartphone gedruckt wird. Ein weiterer Hingucker war seine brennende Geldbörse, welche schon fast als sein Markenzeichen agiert.

Lächle!

Als nächstes sprach er das Thema Körpersprache an. So solle man stets mit einem Lächeln auftreten und aufgeschlossen sein um seinem Gegenüber einen positiven Eindruck zu vermitteln. Die nachfolgende Konversation sei darauf hin eine Leichtigkeit.

Hör zu!

Hierzu sagte er, dass man stets der Initiator einer Unterhaltung sein kann, jedoch seinem Gegenüber auch die Möglichkeit geben solle zu Worte zu kommen. Es soll sich um eine ausgewogene Unterhaltung handeln und keinen Monolog.

Just Do It!

Abschließend legte er dem Publikum nahe keine Angst vor Fehlern zu haben. Diese würden dazu führen, dass man sich selbst weiterentwickle und man damit im Wettbewerb einen Vorteil erlangen könnte. Dieser Vortrag verging wie im Flug und war zum einen unterhaltsam aber auch lehrreich, da man mit nur wenig Aufwand seinen Eindruck auf sein Gegenüber verbessern kann.

Affiliate Marketing – Was sind die Trends 2017?

Hakan Özal (financeAds) präsentierte direkt nach einer ‚zauberhaften‘ Keynote von Dan Berlin die Trends des Affiliate Marketings 2017. Er ging besonders auf die ePrivacy-Verordnung ein, welche am 25. Mai 2018 in Kraft treten soll. Doch wie sieht nun die Zukunft der Affiliate Branche aus? Hakan Özal nannte 3 Möglichkeiten, die nun entstehen könnten:

1)            Es passiert gar nichts
2)            Die Verordnung tritt abgeschwächt in Kraft
3)            Online Marketing wird sich gravierend verändern

Selbst wenn sich jedoch das Online Marketing gravierend verändern sollte, so stellt Hakan Özal klar, dass es hier in Zukunft mit Sicherheit Technologien geben werde, mit denen sich das Problem umgehen lasse.  Hier nannte er unter anderem das Cross-Device-Tracking mittels User-ID oder die Möglichkeit Content zu verschleiern, sobald ein Adblocker aktiviert ist.

Seiner Einschätzung nach wird das Influencer Marketing weiterhin gut laufen. Bei der Wahl des richtigen Social-Media-Kanals sollte man jedoch die unterschiedlichen Kanäle getrennt voneinander betrachten, da die Kanäle verschieden gut laufen für verschiedene Branchen. Außerdem gab Hakan Özal eine im Anschluss diskutierte Einschätzung ab, dass Snapchat, Pinterest und Twitter bald der Vergangenheit angehören werden, da deren USPs von anderen Anbietern „besser“ kopiert wurden.

Zum Schluss gab Özal noch drei Tipps für erfolgreiches Affiliate Marketing in 2018:

  • Lege Wert auf Qualität und Transparenz
  • Think Different (in Bezug auf die Umgehung der ePrivacy Verordnung)
  • Sei kreativ in jeglicher Hinsicht

Das perfekte Partnerprogramm – Erwartungen eines Affiliates an den Merchant

Was sind die Bestandteile eines perfekten Partnerprogramms nach der Meinung eines Affiliates? Diese Frage dürften sich wohl schon die ein oder anderen Merchants gestellt haben. Maximilian Schirmer Geschäftsführer von tarife.at gab während seines Vortrags einige hilfreiche Tipps für ein Partnerprogramm, das sich sehen lassen kann.

Folgende Tipps gab er dem Publikum mit auf den Weg:

  • Direkte Kommunikation muss möglich sein (Kontaktdaten angeben!)
  • Vertrauen durch seriöses Partnerprogramm aufbauen
  • Tracking-Transparenz
  • Klare Provisionsstrukturen
  • Klarheit und schnelle Kommunikation von Änderungen
  • Wertschätzung durch persönliche Treffen, Pressekonferenzen, Testprodukte und Provisionsstaffeln
  • Anschauliche Werbemittel gemäß Corporate-Design des Merchants
  • Sales Daten kommunizieren (Topseller, demographische Daten etc.)
  • Klare Vorgangsweise bei Problemen
  • Unbedingt: Deeplink Generator und SubID Tracking anbieten
  • Stornogründe bekanntgeben
  • Selbst Test-Sales machen – Tipp: www.browserstack.com

Customer-Journey-Tracking – Affiliate Marketing in der Multi-Touch Attribution bei Flixbus

Die Online Marketing Attribution ist in aller Munde – so wurde auch in diesem Jahr ein spannender Vortrag von Dimitrios Haratsis (adClear) und eine Case Study von Tim Hiebenthal (Flixbus) zum aktuellen Buzz-Word der Branche vorgestellt.

Datengetriebene Attribution erfolgt – wie der Name schon sagt – durch die Auswertung und Analyse von unterschiedlichsten Daten entlang der Customer Journeys. Hier werden nicht nur die Online-Daten von abgeschlossenen sowie nicht abgeschlossenen Customer Journeys miteinander verglichen, sondern es werden idealerweise auch alle relevanten Offline-Daten und CRM-Daten für Analysen zur Hand genommen.

Es existieren außerdem zwei Arten der Marketing Intelligenz: die synchrone und die asynchrone. Zuerst erfolgt im Normalfall das Tracking bzw. die Datenaggregation. Danach werden die gesammelten Daten statistisch ausgewertet, interpretiert und aufbereitet. Im Anschluss folgt dann entweder die Online Marketing Automation (eine synchrone Realtime-Adaption der userspezifischen Ansprache auf angeschlossenen Drittsystemen) und / oder die Online Marketing Optimierung (eine asynchrone Datenaggregation zu Analysen für bestmögliche Management-Entscheidungen).

Tim Hiebenthal von FlixMobility GmbH gab daraufhin spannende Insights in die Multi-Touch Attribution bei FlixBus. Da FlixBus seit 2013 enorm gewachsen ist, wurde auch die richtige Bewertung der verschiedenen Online Marketing Channels elementar für das Unternehmen.

FlixBus stellte unter anderem fest, dass die Mehrheit ihrer Verkäufe während aktiven Sitzungen entstand, sodass nicht mehr auf Last Click Basis, sondern mittlerweile auf Last Session Basis vergütet wird.

Außerdem kann eine Genauigkeit der Attribution durch Segmentierung und Analyse erlangt werden.

Die rechtlichen Auswirkungen der geplanten ePrivacy auf das Affiliate Marketing

Das Thema ePrivacy wird seit Wochen in der Branche heiß diskutiert. Rechtsanwalt Michael Neubauer vom BVDW verschaffte in seinem Vortrag einen Überblick über den aktuellen Stand der geplanten Verordnung der Europäischen Kommission. Besonders die Artikel 8 – 10 hätten gravierende Auswirkungen auf das Affiliate-Marketing.

So sehen die Artikel unter anderem folgende neue Richtlinien vor: Cookies dürfen nur bei einer strikten Notwendigkeit für die Datenübertragung verwendet werden oder, wenn eine technische Notwendigkeit für das angeforderte Online-Angebot besteht. Es ist eine spezifische Einwilligung des Nutzers notwendig. Daten die zur Reichweitenmessung erhoben werden dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden, der Nutzer muss eine Widerspruchsmöglichkeit haben und die Messung darf die Grundrechte des Nutzers nicht beeinträchtigen. Nutzern darf der Zugriff auf eine Webseite nicht verweigert werden, wenn sie der Cookie-Nutzung nicht zustimmen.

Die Erhebung von Daten, die von mobilen Endgeräten gesendet werden, ist verboten außer der Nutzer willigt ein, es dient zur Herstellung einer angeforderten Verbindung oder wenn Maßnahmen zur Risikominimierung getroffen werden. Browser müssen den Ausschluss von Drittparteien per default anbieten.

Die ePrivacy Verordnung der EU macht deutlich, dass es in der Politik noch viel Aufklärungsbedarf über die digitale Wirtschaft bedarf. Das Thema Datenschutz ist sehr wichtig und wird immer mehr an Bedeutung gewinnen, jedoch treiben die Richtlinien der ePrivacy Verordnung das Thema schon fast an den Rand des Unmöglichen.

Hier informiert der BVDW umfassend über das Thema.

Ist das reine CPO-Modell noch zeitgemäß?

Gunnar Militz von Tradetracker beschäftigte sich in seinem Vortrag mit alternativen Provisionsmodellen und mit der Frage, ob eine reine CPO Vergütung noch zeitgemäß ist.

Seither ist der CPO die gängigste Methode einen Publisher für seine Werbeleistung zu vergüten, allerdings ist sie nicht unbedingt die fairste. Schließlich wird z. B. durch das „Last Cookie Wins“ Prinzip nur der letzte Kontakt in der Customer Journey vergütet. Das „Real Attribution“ Modell von Tradetracker bietet eine interessante Alternative. Hier können Advertiser selbst bestimmen welche Touch Points sie in der Customer Journey vergüten möchten. So besteht unter anderem die Möglichkeiten allen Partnern die an einem Sale beteiligt waren, gemäß ihrer Leistung eine Provision auszubezahlen.

Dieses Vergütungsmodell sorgt nicht nur für eine fairere Vergütung und höhere Motivation unter den Publishern sondern auch für eine bessere Conversion Rate. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Content Publisher dreimal so oft Teil der Conversion sind. Zudem erzeugen „Cooperation transactions“ mit mehreren Affiliates eine doppelt so hohe Conversion Rate. Des Weiteren kann diese Form der Vergütung dabei helfen, neue Partner für das Affiliate-Programm zu gewinnen.

Hier gibt es weiter Information zu diesem Thema.

Affiliate Akquise von leistungsstarken Partnern

Den Abschluss der Vortragsreihe machte Luis Arteaga von Lotto24. In seinem Vortrag erläuterte er seine Erfahrungen bezüglich der Gewinnung neuer und auch leistungsstarker Partner im Affiliate Marketing. So wolle Lotto24 seine Marktführer Position langfristig und nachhaltig manifestieren. Dabei behandelte er die Problematik, dass jedes Geschäftsmodell eine andere Art von Partnern benötige um nachhaltig und erfolgreich zu werden. Im Falle von Lotto24 brachte die Zusammenarbeit mit Gutscheinpublishern zwar Sales, jedoch sprangen die User danach wieder ab und besaßen nicht die gewünschte Loyalität. Selbiges galt für Cashbackpartner und Postview.

Deshalb fokussierten sie sich in diesem Falle auf Contentpublisher. Zunächst wurde ein gemeinsames Ziel definiert auf das dann hingearbeitet werden konnte. Hierzu sollten zunächst Midtail Publisher dienen. So werde immer mehr Mediabudget in Social Media Ads investiert worauf der eTKP sinke. Darin sah Luis Arteaga und sein Team eine Chance. Diese Contentpublisher wurden mit dem Tool SimilarWeb vorselektiert um ein besseres vorankommen zu gewährleisten.

Daraufhin wurde ein gemeinsames System entwickelt um den Markt schnellstmöglich zu durchdringen. Hierbei stellte er das 5-5-1 System vor. Dieses beschreibt, dass aus jeweils fünf Kategorien jeweils fünf Webseiten einmal kontaktiert werden um möglichst schnell ein breites Bild des Marktes zu erlangen. Hierbei kristallisierte sich der Bereich Newsportale heraus. Nach der Erstellung einer gesammelten Liste wurde dann die sogenannte „Goldene Regel“ eingeführt.

So sollten nun jeden Tag zehn der gescouteten Kontakte telefonisch kontaktiert werden um eine langfristige und vor allem nachhaltige Verbindung mit den jeweiligen Partnern zu erlangen.

Das Erfolgsgeheimnis einer erfolgreichen Akquise sei jedoch Beständigkeit. Den zunächst großen Berg an Arbeit in kleinere Episoden unterteilen und diese abarbeiten und analysieren.

Panel-Diskussion „Trends im Affiliate-Marketing“

Zum Schluss fand dann noch die große Panel-Diskussion statt.

Dabei diskutierten Vertreter von Public- und Private-Networks, Affiliate, Advertiser, Technologie und Agentur über die aktuellen Entwicklungen und Trends in der Affiliate-Branche, wie z.B.

  • Fusion affilinet/Awin
  • Auswirkungen für Private Networks
  • Customer-Journey-Tracking
  • Cross-Device-Tracking
  • Meta-Netzwerke
  • Betrug im Affiliate-Marketing durch KI

Die komplette Diskussion können Sie sich auch nochmal im Podcast Affiliate Musixx anhören.

Affiliate Networkxx

Im Anschluss an die Konferenz fand dann noch die Affiliate NetworxX im Airbräu-Tenne statt. In gemütlichem Rahmen trafen sich über 450 Affiliates, Advertiser, Agentur-Mitarbeiter und Vertreter der Affiliate-Netzwerke zum gemeinsamen Networken und Erfahrungsaustausch.

Über Kevin Aust

Kevin Aust studierte in Augsburg Interaktive Medien und ist seit Februar 2017 als Affiliate Manager bei der Digital-Marketing-Agentur xpose360 mit Sitz in Augsburg tätig.

Ein Kommentar

  1. Schöner Artikel, leider war ich dieses Jahr nicht dabei, aber letztes.
    Ich war damals mit einem Bekannten dort und wir fanden es beide ziemlich interessant.
    Ich bin besonders gespannt wie sich das ganze mit der ePrivacy zukünftig entwickeln wird. Das wird auf jeden Fall wieder ein wenig für unruhe bei so manchen Affiliates sorgen.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*

*