Samstag, 16. Dezember 2017

Auswirkung der Inflation auf Affiliate-Provisionen

In einem Telefonat hat mich heute der Top-Affiliate Jens Erlewein auf die Auswirkungen der Inflation auf die Affiliate-Provisionen aufmerksam gemacht. Eine interessante Einschätzung.

Laut eines aktuellen Spiegel-Artikels war am Montag bekannt geworden, dass die Inflationsrate in der Eurozone im Juni erstmals die 4%-Marke erreicht hat. Damit wurde der bisherige Höchststand von 3,7% im Mai deutlich übertroffen.

Doch was hat das für Auswirkung auf die Affiliate-Provisionen?

Normalerweise preisen ja die Unternehmen die Inflation mit in ihre Preise ein. Auch die Löhne steigen normal in Inflationsniveau an, weil man sonst ja ständig fallende Reallöhne hätte.

Beim Affiliate-Marketing ist es allerdings so, dass manche Programmbetreiber eine CPL-Provision bezahlen und damit würde ja auch kein Inflationsausgleich stattfinden. Infolgedessen fallen also bei konstanten CPLs die „Reallöhne“ der Affiliates mit dem Inflationssatz und das wären dann die oben genannten 4% pro Jahr. Bei einem CPL von 100,- Euro wären dann also bei einer Inflation von 4% diese in einem Jahr 4% weniger wert.

Anders ist dies bei prozentualen Provisionen, da diese ja abhängig von den Umsätzen sind. D.h. wenn die Produkte teurer werden, steigen auch die Provisionen.

Ich denke, die Ansicht von Jens gibt Grund zur Diskussion. Gerne könnt ihr dazu Eure Kommentare abgeben.

Über Markus

Markus Kellermann ist bereits seit 1999 im Online-Marketing tätig und Geschäftsführender Gesellschafter der Digital-Marketing-Agentur xpose360 GmbH mit Sitz in Augsburg. Als Autor hat Markus Kellermann bereits eine Vielzahl von Artikeln in Fachmagazinen publiziert. Zudem organisiert er mit der Affiliate NetworkxX, der Affiliate Conference und dem Affiliate Innovation Day drei der bedeutendsten Affiliate-Veranstaltungen und betreibt neben dem Affiliate-Portal affiliateBLOG.de auch den Podcast Affiliate MusixX.

5 Kommentare

  1. Hallo Markus,

    danke fürs Aufgreifen in Deinem Blog. Das Ganze bezieht sich auf alle CPC/CPO/CPL-Programme, die nicht prozentual vergüten und auch auf alle prozentualen vergüteten Programme, welche die Inflation nicht einpreisen oder aufgrund einer harten Wettbewerbssituation nicht einpreisen können.

    Jedenfalls wird uns das Problem umso mehr beschäftigen, je höher die Inflation ist und je länger die Phase ungewohnt hoher Inflation anhält.

    Ich bin mal gespannt, wie die EZB reagieren wird und ob der geplante Zinsschritt noch höher als geplant ausfällt, um die Inflation ein wenig einzudämmen. Das würde dann aber wieder der Konjunktur nicht wirklich gut bekommen und dann kriegen wir ggf. sogar noch ne Stagflation im Euroraum:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Stagflation

    Ziemlich dämliche Situation. Ich bin jedenfalls froh, dass ich mich nicht mit solchen Entscheidungen rumärgern muss 🙂

    CU
    Jens

  2. Noch zwei Nachträge:

    Verhalten der EZB (wird sich auf den Verlauf der Inflation auswirken)
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,563242,00.html

    Inflation wirkt sich je nach Einkommen unterschiedlich stark aus
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,563212,00.html

    Leute mit wenig Geld spüren die Inflation stärker (was damit zu erklären ist, dass jemand der wenig Geld hat ausgeben MUSS z.B. für Miete und Essen, wohingegen jemand mit mehr Assets größere Investements, die ebenfalls bei der Berechnung der Inflation im Warenkorb sind, verschieben kann).

    Für unseren Markt bedeutet das, dass es kleinere Affiliates bzw. Newcomer noch schwieriger haben werden, als das ohnehin schon der Fall ist. Die Merchants könnten als geeignete Gegenmaßnahme z.B. darüber nachdenken, aussichtsreichen Newcomer ein angemeßenes Fixum als eine Art „Mindesteinkommen“ zu bezahlen, damit die schwierige Anfangsphase überstanden werden kann. Wenn man dann man im Markt drinnen ist, wird es erfahrungsgemäß dann immer leichter.

    Ich habe bei unserem Event lange mit einem jungen Nachwuchs-SEO (Yannick Eckl aka Kniescheiben-Yannick) gesprochen, der niemanden in seinem Alter kennt, der gerade am Durchstarten ist. Das ist ein klarer Indikator dafür, dass der Markt zwischen den etablierten größeren Affiliates aufgeteilt wird.

  3. >Das würde dann aber wieder der Konjunktur nicht wirklich gut bekommen

    Naja, wenn man sich anschaut, was die FED mit dem Dollar macht, scheint das noch das kleinere Übel zu sein.

    Aber zurück zum Thema: Bei Partnerprogrammen, die über viele Jahre laufen, ist das schon bei normaler Inflation ein Thema. Nehmen wir mal Tchibo. Die zahlen seit 2001 5 Euro pro Sale. Wenn wir eine durchschnittliche Inflation von 2,5 % annehmen, ist die Real-Provision in diesen 7 Jahren um knapp 20 gefallen.

  4. > Naja, wenn man sich anschaut, was die FED mit dem Dollar macht, scheint das noch das kleinere Übel zu sein.

    @Markus: Vollkommen richtig. Deswegen nennt man das Problem ja auch Stagflation – ne klassische Zwickmühle. Nimm Option A (Zinsen rauf = Inflation eingedämmt und Konjunktur abgewürgt) und Du wirst in einer Variable gefickt. Nimm Option B (Zinsen runter = Konjunktur stabilisiert und Inflation artet vollkommen aus) und Du wirst auch gefickt.

    Jede Option feuert früher oder später zurück und wirkt sich aus. Aber ich sehe es wie Du: Die EZB hat ZUM GLÜCK die Aufgabe für Geldwertstabilität zu sorgen. Bei der FED ist das ja anders:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,530582,00.html

    Und bei Tchibo ist es genau wie Du sagst: Ne SATTE Senkung der Provisionen von ganz alleine und das Ganze wird nochmal ordentlich zunehmen, wenn die Inflation bei 4% liegt.

    Die Merchants sollten das vielleicht mal zum Anlaß nehmen, um eine Provisionserhöhungsrunde anzudenken, sofern das nicht sowieso nicht schon geschehen ist.

  5. Puuuuh, heiße Diskussion hier, gerade erst entdeckt.

    Und nun vergesst nicht, dass die reale Inflation derzeit bei ca. 12 % liegt. Also nicht die veröffentliche, manipiuierte, geschönte Inflation, sondern die echte, die die Leute im Portemonnaie spüren.

    Faustformel für die wahre Inflation: Geldmengenwachstum minus Wirtschaftswachstum. Also derzeit so um die 10 – 12 %…