Mittwoch, 29. Juni 2016

Affiliate Marketing in der Schweiz

Am 29. Mai findet in Zürich die 1. Affiliate Marketing Konferenz statt. Unser Gast-Blogger Reto Stuber hat hierzu ein Interview mit Kurt Schwedener, dem Veranstalter der Konferenz geführt, das wir Euch gerne präsentieren möchten. Neben der Konferenz geht es in dem Interview auch um den Affiliate-Markt in der Schweiz und den Unterschieden zum deutschen Affiliate-Markt.

kurt-schwedenerKurt Schwendener ist 28 Jahre alt, Ehemann und Vater von zwei Kindern (2 Jahre, 3 Monate) und seit 10 Jahren leidenschaftlicher Online-Marketeer. In den letzten Jahren hat er unter anderem bei Tradedoubler gearbeitet, war aber auch auf Seiten von Publishern und Advertisern tätig.

Seit September 2012 ist er Inhaber und Geschäftsführer der ersten Schweizer AffiliateMarketinggentur adresult, die als Fullservice Affiliate- und Performance-Marketing-Agentur Kunden wie beispielsweise die Schweizerische Post, OfficeWorld, Tchibo oder Qualipet betreut. Aktuell arbeiten bei adresult vier Mitarbeiter/innen mit großer Leidenschaft, viel Engagement und Kompetenz.

Reto Stuber: Wo liegen die größten Vorteile von Affiliate Marketing – für Publisher und Merchants?

Kurt Schwedener: Für den Merchant liegt der größte Vorteil sicherlich im Abrechnungsmodell. Es bietet ihm die Möglichkeit, nur auf der Basis von effektiv generierter Performance zu bezahlen. Kosten fallen also nur im Erfolgsfall an, wenn etwa Leads oder Sales zustande kommen. Darüber hinaus bekommt er die Chance, auch den Longtail, also die vielen kleinen und mittleren Webseiten mit Werbung zu belegen, ohne dafür einen Riesenaufwand zu betreiben.

Publisher erhalten eine gute Möglichkeit, den vorhandenen Webseiten-Traffic zu monetarisieren, ohne die jeweiligen Brands dafür direkt ansprechen und mit einer Absage rechnen zu müssen. Nebst Google Adsense ist Affiliate Marketing sicherlich eine der erfolgreichsten und lukrativsten Einnahmequellen für Webseiten. Ausnahmen sind hier Premium-Webseiten, die auf CPM-Basis abrechnen.

Reto Stuber: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Schweizer Affiliate Konferenz zu veranstalten?

Kurt Schwedener: So etwas wie eine Affiliate Konferenz existierte ja bisher in der Schweiz nicht. Und ich war einfach der Ansicht, dass solch eine Konferenz dem Werbemarkt des Landes wichtige Impulse geben kann, auch wenn der Markt für Affiliate Marketing hier im Vergleich zu anderen Ländern noch eher klein ist. Aktuell betreiben rund 250 bis 300 Schweizer Unternehmen Affiliate-Marketing über ein Netzwerk. Der Anteil des Digitalmarketings am gesamten Werbebudget liegt in der Schweiz bei rund acht Prozent und nur zwei Prozent dieses Anteils entfallen aktuell auf Affiliate-Marketing. In Deutschland besitzt Digitalmarketing dagegen bereits einen Anteil von 21.8 Prozent am gesamten Werbebudget. Davon entfallen 6.3 Prozent auf Affiliate-Marketing.

Dieser Vergleich zeigt: Der Schweizer Markt für Digitalmarketing steckt zwar nicht mehr in den Kinderschuhen, ist aber auch noch nicht übers Teenageralter hinausgekommen. In Deutschland sind Affiliate-Marketing Konferenzen längst etabliert. Die Schweiz hat hier noch Nachholbedarf, wobei man es mit den Vergleichen zwischen Deutschland und der Schweiz auch nicht übertreiben sollte. Der Schweizer Markt funktioniert grundlegend anders als der in vielen anderen Ländern. Er ist völlig anders aufgebaut, viel persönlicher, klein, aber wachsend.

Reto Stuber: Welche Zielgruppen wollt ihr mit der Affiliate-Marketing Konferenz erreichen?

Kurt Schwedener: Wir wollen sowohl Anfänger als auch Profis im Affiliate-Marketing erreichen. Einerseits versuchen wir deshalb, Anfänger abzuholen und ihnen die Vorzüge und Möglichkeiten des Affiliate-Marketings nahe zu bringen. Andererseits sollen sich aber auch Teilnehmer, die bereits aktiv Affiliate-Marketing betreiben, angesprochen fühlen. Das gilt sowohl für Akteure auf Advertiser- wie auf Publisher-Seite. Anfänger wie Profis mit der Konferenz anzusprechen, ist auch für uns eine große Herausforderung. Ich denke jedoch, dass uns mit dem Rahmenprogramm der Konferenz eine gute Mischung aus Inhalten für beide Gruppen gelungen ist. Wir vermitteln einerseits Anfängerwissen, andererseits Informationen zu Insights und aktuellen Trends. Auch weil wir diese Bandbreite an Themen bieten, sind wir sehr glücklich darüber, dass wir sehr verschiedene Akteure aus dem Affiliate-Marketing für eine Teilnahme gewinnen konnten: Dazu gehören die großen Netzwerke Zanox, Tradedoubler und Affilinet ebenso wie eine Agentur, ein Publisher und ein Advertiser sowie jemand aus dem Bereich „Markt- und Werbeforschung“.

Reto Stuber: Wie würden Sie einem Laien erklären, was Affiliate Marketing ist?

Kurt Schwedener: Affiliate-Marketing ist nichts anderes als eine Online-Werbestrategie oder ein Online-Vertriebskanal, der rein auf Provisionsbasis funktioniert. Es verbindet den Werbekunden, der etwas zu verkaufen hat, mit der Webseite, die ihren Traffic monetarisieren möchte. Ihre Rolle ist in gewisser Weise vergleichbar mit einem Mitarbeiter in der Offline-Welt, der auf Provisionsbasis für einen Kunden arbeitet beziehungsweise etwas verkauft. Beim Affiliate Marketing tritt an die Stelle des Mitarbeiters einfach der Publisher mit seiner Website.

Zwischen den Werbekunden und Websites vermittelt das Netzwerk, das beide Seiten zusammenbringt, die nötige Technologie bereitstellt und für die Pay-Outs an die Webseiteninhaber zuständig ist. Die Nummer 4 im Gefüge ist schließlich der User. Er surft im Internet, sieht beispielsweise ein Werbebanner, klickt darauf und kauft etwas. Insgesamt gibt es im Affiliate-Marketing also vier Parteien und ohne sie funktioniert Affiliate-Marketing nicht.

Reto Stuber: Was ist anders im Schweizer Markt, verglichen mit Deutschland?

Kurt Schwedener: Einerseits ist der deutsche weiter entwickelt als der Schweizer Markt. Aber das ist keineswegs der einzige Unterschied. Der Schweizer Markt funktioniert auch grundlegend anders. Er ist multilingual, weil in der Schweiz – je nach Region – hauptsächlich Deutsch, Italienisch oder Französisch gesprochen wird. Für den Merchant bedeutet das einen nicht unerheblichen Mehraufwand. Darüber hinaus ist der Schweizer Markt kleiner, übersichtlicher und persönlicher. Gerade die PublisherBasis ist in der Schweiz sehr übersichtlich und schlank. Das macht Affiliate Marketing nicht immer ganz einfach, weil es die Auswahl an Websites beschränkt, die für Werbung zur Verfügung stehen.

Reto Stuber: Gibt es in der Schweiz bestimmte Märkte/Opportunitäten?

Kurt Schwedener: Die größte Chance wie Herausforderung aus Sicht des Merchants ist sicherlich der multilinguale Markt der Schweiz. Die Vielsprachigkeit sollte auf keinen Fall ignoriert werden, wenn man das Potenzial des Marktes wirklich ausschöpfen möchte. Viele Kunden setzen beim Affiliate-Marketing nur auf den deutsch-schweizerischen Markt und vergeben damit Chancen. Eine Herausforderung fürs Affiliate Marketing ist daneben sicherlich die bereits erwähnte beschränkte Anzahl an Publishern auf dem heutigen Schweizer-Markt. Aus Sicht der Publisher ähneln die Chancen und Herausforderungen denen in allen anderen Ländern. Sie müssen einmalige und trafficstarke Projekte entwickeln, weil sich dann mit der Website am besten und am meisten Geld verdienen lässt.

Reto Stuber: Was sind Ihre persönlichen Trends im Affiliate Marketing, worauf sollten Affiliates, Netzwerke und Merchants ganz besonders achten?

Kurt Schwedener: Den Merchants würde ich empfehlen, die ganze Breite an Publisher-Segmenten zu bespielen und damit auf breiter Ebene zu arbeiten, wobei die jeweilige Firmenstrategie die Gewichtung der einzelnen Segmente bestimmt. Die Bandbreite reicht hier ja von Retargeting über Preisvergleiche und Cashback-Communities bis zum Longtail. Was vielleicht noch wichtiger ist: Wenn man sich für Affiliate-Marketing entscheidet, dann sollte man es auch mit ausreichend Zeit, Interesse und einem guten Qualitätsmanagement betreiben. Gutes Affiliate-Marketing braucht seine Zeit und ist intensiv. Es bedarf einer stetigen Kommunikation mit Publishern. Man muss ein gutes Banner-Management etablieren, eine Strategie sowie eine Qualitätskontrolle, ein Fraud&AdHijacking-Management und weitere Instrumente. Lange Rede, kurzer Sinn: Affiliate-Marketing birgt ein gewaltiges Erfolgspotenzial. Aber nur, wenn man es richtig macht. Aus Sicht der Netzwerke wird die Tracking-Technologie sicherlich die größte Challenge sein. Mit dem Firefox 22 wird neben Safari ein weiterer Browser erscheinen, der 3rd-Party Cookies per Voreinstellung blockieren wird. Was dies fürs AffiliateMarketing bedeutet, liegt auf der Hand. Da es nach wie vor Netzwerke gibt, die keine ausgereifte Fingerprint- oder eine Server-to-Server-Trackingtechnologie besitzen, können zukünftig noch mehr Sales nicht getrackt werden.

Eine Herausforderung für Publisher wird es sicherlich sein, immer neuere und innovativere Projekte mit qualitativ hohem Traffic auf die Beine zu stellen. Persönlich würde ich hier aber eher auf Qualität statt Quantität setzen. Aus Sicht des Publishers ist die Aufgabe, erfolgreich zu agieren, derzeit in der Schweiz sicherlich noch ein wenig einfacher als anderswo: Viele erfolgreiche Projekte können aus Märkten wie DE und UK adaptiert werden. Ein Blick auf andere Märkte, die weiter als die Schweiz sind, lohnt sich für Schweizer Publisher eigentlich immer.

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Über Markus

Markus Kellermann ist bereits seit 1999 im Online-Marketing tätig und Geschäftsführender Gesellschafter der Digital-Marketing-Agentur xpose360 GmbH mit Sitz in Augsburg. Als Autor hat Markus Kellermann bereits eine Vielzahl von Artikeln in Fachmagazinen publiziert. Zudem organisiert er mit der Affiliate NetworkxX, der Affiliate Conference und dem Affiliate Innovation Day drei der bedeutendsten Affiliate-Veranstaltungen und betreibt neben dem Affiliate-Portal affiliateBLOG.de auch den Podcast Affiliate MusixX.