Freitag, 1. Juli 2016

Affiliate Marketing Trends 2013

Und wieder einmal geht ein wahnsinnig dynamisches Jahr vorbei. Speziell für mich endet dieses Jahr eine tolle Zeit bei explido, die in den letzten 7 Jahren geprägt war, von einem unglaublichen Wachstum hin zu einer der größten Affiliate-Agenturen in Europa. Daher möchte ich mich auch nochmals bei meinem tollen Affiliate-Team bedanken, die mir immer sehr loyal und freundschaflich verbunden waren und auch weiterhin bleiben werden.

Doch wie sagte einmal der deutsche Lyriker Ernst Fersti „Jedes erreichte Zeil ist ein hervorragender Startplatz für einen Aufbruch zu neuen Ufern…„. In diesem Sinne freue ich mich schon sehr auf meine zukünftige Aufgabe als Berater für Affiliate-Marketing mit meinem neuen Unternehmen MK:NETmedien.

Durch meinen regelmäßigen Austausch mit US-Kollegen und der Erfahrung von zahlreichen Programmen, die ich im Affiliate-Marketing betreue, habe ich auch für das kommende Jahr wieder einen Blick in die Zukunft geworfen, den ich Euch natürlich nicht vorenthalten möchte.

Vorab möchte ich zudem gerne noch auf einige SEO-Blogs verweisen, die hinsichtlich der Suchmaschinen-Entwicklungen im kommenden Jahr ebenfalls ihre Prognosen abgegeben haben:

Johannes Beus (Sistrix)
SEO.at
Julian Dziki – Seokratie
Searchmetrics

Doch werfen wir nun einen Blick auf das Affiliate-Marketing, denn es wird sich auch 2013 wieder viel bewegen und der Markt wird sich dynamisch weiterentwickeln.

Es könnte allerdings aufgrund der stagnierenden Umsätze zu einer Konsolidierung der Branche kommen. Dennoch haben die Affiliate-Netzwerke bereits reagiert und publisherfreundliche Konzepte entwickelt, die zusammen mit weiteren Umsatztreibern wie beispielsweise dem Mobile Marketing zu einem positiven Effekt führen könnten. 

Mit 19,7 Prozent Umsatzwachstum in den ersten neun Monaten des Jahres 2012 erreichte das Affiliate-Netzwerk affilinet im vergangenen Jahr einen neuen Spitzenwert, auch wenn die Zahlen des Online-Vermarkterkreises (OVK) um rund 10 Prozent in Deutschland relativ verhalten waren. Auch die Hochrechnungen für die Entwicklung des Affiliate Marketings in Westeuropa liegen ebenfalls bei 10 Prozent. Auch das Netzwerk Webgains präsentierte ein Umsatzwachstum in den ersten drei Quartalen 2012 um 10,6 Prozent. Und auch Axel Springer Chef Mathias Döpfner rechnet mit einem beschleunigtem Wachstum des Medienkonzerns vor allem im Digitalgeschäft, zudem ja auch das Affiliate-Netzwerk Zanox gehört.

Dennoch hat es mit Schlecker und Neckermann zwei bedeutende Bigplayer im Affiliate-Marketing in die Insolvenz getrieben, was zu einem Umsatzeinbruch im Bereich Retail gesorgt hat und auch das in 2011 prognostizierte Wachstum von 11 Prozent wurde nicht ganz erreicht. Der OVK hat diesbezüglich im September in der neuen Werbestatistik das Wachstum auf 10 Prozent korrigiert, was einen Umsatz von 411 Mio. Euro an Werbeausgaben entspricht.

Konsolidierung im Markt

Dennoch wird es laut Expertenschätzungen im kommenden Jahr weiter zu Konsolidierungen kommen. So plant der Branchenprimus Google im kommenden Jahr mit seinem Affiliate Network auch nach Deutschland zu kommen und wird dabei mit seinem Kostenmodell, welches geringer als der marktübliche Standard sein soll, sicherlich für einen Umbruch sorgen. Vor allem auch hinsichtlich verschiedener Brancheninnovationen wie beispielsweise Affiliate-for-Bloggers wird Google sicherlich schnell eine große Reichweite in Deutschland gewinnen.

Doch die Konsolidierung wird sicherlich nicht nur die Affiliate-Netzwerke betreffen, sondern auch zahlreiche Publishermodelle.

Konsolidierung im Couponing-Bereich

Gutschein-Publisher gehören immer noch zu den größten Wachstumstreibern im Affiliate-Marketing. 41,1 Prozent der Online-User nutzen bereits Coupons und Gutscheine und 73,3 Prozent haben laut einer Umfrage bereits beliebige Rabattcoupons, die einen Preisnachlass ermöglichen, genutzt. Laut einer aktuellen Auswertung von Google-Trends haben sich die „Gutschein“-Suchabfragen 2012 im Vergleich zu 2008 sogar verdoppelt.

Durch die Professionalisierung des Gutschein-Segments wird sich daher der Markt weiter konsolidieren. So drängen beispielsweise die größten Couponing-Publisher aus dem US-Markt wie savoo.com oder deals.com bereits auf den deutschen Affiliate-Markt, was zu einer Bereinigung im Gutschein-Segment führen könnte. Aber auch Kooperationen und Zusammenschlüsse dürften zu einer Professionalisierung des Gutscheinmarktes führen. So wurde gutscheine.de in diesem Jahr von RTL gekauft, MeinGutscheincode.de wanderte zu Axel Springer, myDealz investierte in gutscheinsammler.de und GutscheinPony übernahm seinen Mitbewerber Schnäppchenfuchs.

Aber auch neue Trends wie z.B. die Ausweitung von Gutscheinen über weitere Kanäle wie E-Mail-Marketing oder Social Media, sowie neue Mobil-Codes oder Local Deals werden zu einem Umsatzwachstum im Affiliate-Markt führen.

Kreative Ansätze der Affiliate-Netzwerke

Die Affiliate-Netzwerke haben in den letzten Monaten Produkte entwickelt, mit denen sie das Wachstum in den kommenden Jahren weiter vorantreiben möchten.

So präsentierte affilinet mit dem Match Master ein Tool, mit dem die Werbekunden gezielt nach neuen Publishern suchen können. Hierzu werden automatisch geeignete Partner identifiziert. Diese können dann direkt zu den Partnerprogrammen eingeladen werden, um dadurch die Anzahl der Partner zu erweitern.

Und auch zanox hat den Service für die Partner verbessert und bietet mit verschiedenen Kooperationspartnern den Affiliates seit Kurzem unique Content an, der den Partnern helfen soll, durch qualitative Beiträge die Umsätze zu erhöhen. Das Ziel ist es dabei durch den Content für mehr Suchmaschinenrelevanz zu sorgen und damit zu steigendem Traffic, der durch conversionstarke Partnerprogramme signifikant Mehrumsatz realisieren soll.

Wachstumstreiber Mobile Marketing

Auch die Entwicklung im Mobile Marketing dürfte zu einem Wachstum der Branche führen. So explodierte der Umsatz über mobile Endgeräte im europäischen Jahresvergleich um über 152 Prozent. Das Umsatzwachstum von 2011 bis 2012 liegt bereits bei über 204 Prozent .

Der neueste Mobile Performance Barometer des Affiliate-Netzwerkes Zanox hat zudem ergeben, dass bereits 53,9 Prozent aller mobilen Umsätze im Zanox Netzwerk über das iPad generiert. Auch Tradedoubler hat in seiner M-Commerce Studie ermittelt, dass über den mobile Traffic aus dem Netzwerk bereits heute schon über zwei Millionen Verkäufe pro Monat generiert werden.

Problematisch sehen die Netzwerke allerdings noch die Tatsache, dass viele Werbetreibenden noch keine mobile Seite haben. So hat Zanox ermittelt, dass im europäischen Vergleich Deutschland mit nur 34 Prozent der Markt mit dem geringsten Anteil an Unternehmen ohne mobile Site und ohne App ist. Bei prophezeiten Wachstumsraten mobiler Abverkäufe von jährlich 40 Prozent in den nächsten fünf Jahren, können es sich Unternehmen eigentlich nicht mehr leisten, die Möglichkeiten des mobilen Marketings zu ignorieren.

Google vs. Affiliate

Ein Problem der Branche bleibt weiterhin das Vorgehen von Google gegen Content-Affiliates. Durch die Updates Panda und Pinguin wurden bereits zahlreiche Affiliate-Websites aus dem Google-Index verdrängt. Google versucht seit einiger Zeit mit Algorithmusänderungen die Qualität der Suchergebnisse zu verbessern.

Am 02. Oktober hat Google hierzu auch seine Webmaster Guidelines aktualisiert und dabei nochmals bekräftigt, dass reine Thin-Affiliate-Websites höchstwahrscheinlich keine guten Leistungen in den Google-Suchergebnissen erzielen und sogar negativ bewerten werden können.

Allerdings sagt Google auch, dass nicht jede Website, die an einem Affiliate-Programm teilnimmt, automatisch auch eine Thin-Affiliate-Website ist und dass gute Affiliate-Websites auch einen Mehrwert schaffen können, indem sie beispielsweise Erfahrungsberichte, Bewertungen und Vergleiche zu Produkten anbieten.

Für Affiliates bedeutet dies allerdings, dass die Erstellung und Pflege von Content-Websites zukünftig einen größeren Aufwand und mehr Zeit in Anspruch nehmen werden und dass sich dadurch ggfls. manche Affiliates aus dem Business verabschieden.

Gefahr der EU-Privacy-Richtlinie

Weiterhin spannend bleibt die Entwicklung der sogenannten EU-Privacy-Richtlinie in Deutschland. Diesbezüglich hat die Europäische Union bereits im Mai 2010 die sog. Cookie-Richtlinie verabschiedet. Diese besagt, dass ein Cookie nur gesetzt werden darf, wenn der Nutzer sein Einverständnis erklärt hat. Diese Anforderung ist in Deutschland bisher aber noch nicht umgesetzt.

Laut dem Medien-Anwalt Christian Röhl bedeutet dies jedoch nicht, dass die Richtlinie im Verhältnis zwischen Unternehmen oder Privaten uneingeschränkt gilt, denn bei fehlender Umsetzung kann sich der Nutzer nur gegenüber dem Staat auf die Richtlinie berufen. Im horizontalen Verhältnis zwischen den Nutzern hat diese höchstens indirekte Wirkung. „Zu beachten ist, dass nationale Gerichte die Richtlinie im Rahmen der Auslegung beachten müssten. Dies kann dazu führen, dass Regelungen in AGB oder Datenschutzbestimmungen gegen die Richtlinie verstoßen und daher unwirksam sind“ so Rechtsanwalt Röhl.

Mit Initiativen wie dem DDOW versucht die Online-Branche nun allerdings, eine auch für das Affiliate-Marketing nachteilige gesetzliche Regelung abzuwenden. Hierzu wurde eine Selbstregulierungsinitiative des Zantralverbands der Deutschen Werbewirtschaft ins Leben gerufen. Der gemeinsam mit dem BVDW installierte Deutsche Datenschutzrat Online-Werbung (DDOW) hat hierzu ein Programm für „Online Behavioral Advertising“ (OBA) installiert, bei dem die Teilnehmer ein Piktogramm in ihre Werbung einbinden, mit dem die Online-User Targeting-Werbung zukünftig deaktivieren können. Sollte diese Selbstregulierung von der Bundesregierung bestätigt werden, würde dies nur die OBA-Mitglieder betreffen, so dass die Affiliate-Netzwerke keine Umsetzung zu befürchten hätten.

Offene Baustellen bei der Haftungsfrage

Immer noch ungeklärt ist die Haftungsfrage von Merchants im Affiliate-Marketing. So hat z.B. das Landgericht Hamburg vor Kurzem entschieden, dass ein Händler, der am Marketplace des Online-Versandhandels Amazon teilnimmt, unter anderem auch für die Wettbewerbsverstöße der Amazon-Werbepartner haftet.

Vorliegend hatte ein Amazon-Werbepartner auf seiner Seite ein Angebot des Händlers präsentiert und dabei zu niedrige Versandkosten angegeben. Die Richter des LG Hamburg entschieden, dass, obwohl zwischen dem Händler und dem Werbepartner kein direkt vertragliches Verhältnis besteht, den Händler eine Haftung für die Rechtsverletzung des Werbepartners trifft. Das Gericht ging davon aus, dass der Händler Kenntnis davon hat, dass Amazon selbst Werbepartner einsetzt, die die Angebote der Marketplace-Händler auf ihren eigenen Seiten bewerben. Nimmt ein Amazon-Marketplace-Händler diese Dienste also in Anspruch, trifft ihn im Falle der Rechtsverletzung des Dritten gleichsam eine Haftung. Rechtsanwalt und Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz Christian M. Röhl von der Kanzlei Röhl • Dehm & Partner sieht diese Entscheidung eher skeptisch, da so die Haftung für Händler bei Amazon auf Handlungen von Personen ausgedehnt wird, auf den Sie keinen Einfluss haben und die sie noch nicht einmal kennen. Ob diese Urteil bestand haben wird ist daher zweifelhaft.

Ebenfalls interessant ist eine strafrechtliche Entscheidung des AG Straubing. Das AG Straubing geht nämlich davon aus, dass Affiliates, die Kredit Angebote bewerben eine Genehmigung gem. § 34 c der Gewerbeordnung benötigen, da diese eben solche Angebote vermitteln. Das Gericht befand, dass auch indirekte Vorbereitungshandlungen bereits zur Vermittlung zählen und nicht nur solche, die den Vertragsschluss selbst herbeiführen. Entscheidend war demnach, dass der Affiliate dem Auftraggeber durch die Schaltung entsprechender Links auf seinen Internetseiten ermöglicht hat, bei entsprechender Aktivierung der  Links von bisher unbekannten Interessenten Kenntnis zu nehmen, um so als Auftraggeber von sich aus Vertragsverhandlungen aufnehmen zu können. Rechtsanwalt Röhl rät dabei zur Vorsicht und empfiehlt ohne Genehmigung keine Produkte dieser Art zu vermitteln, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass weitere Gerichte diesem Beispiel folgen.

Online-Trends 2013

Unabhängig vom Affiliate Marketing dürfte auch Lead Motion eine innovative Entwicklung in 2013 werden. Doch seht selbst:

In diesem Sinne wünsche ich Euch nun einen guten Rutsch ins neue Jahr, mit viel Gesundheit, Glück und beruflichem Erfolg.

Wir sehen uns 2013 🙂

 

Bildquelle: © Gerd Altmann / Pixelio.de


Über Markus

Markus Kellermann ist bereits seit 1999 im Online-Marketing tätig und Geschäftsführender Gesellschafter der Digital-Marketing-Agentur xpose360 GmbH mit Sitz in Augsburg. Als Autor hat Markus Kellermann bereits eine Vielzahl von Artikeln in Fachmagazinen publiziert. Zudem organisiert er mit der Affiliate NetworkxX, der Affiliate Conference und dem Affiliate Innovation Day drei der bedeutendsten Affiliate-Veranstaltungen und betreibt neben dem Affiliate-Portal affiliateBLOG.de auch den Podcast Affiliate MusixX.

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen sehr ausführlichen Artikel. Man kann sich wirklich über diese Dinge heftig streiten.

    Bei Webseiten, die nur Banner auf ihren Webseiten anzeigen, kann ich das durchaus verstehen. Oder wenn man nicht direkt zum Angebot kommen kann, das man sucht. Wenn aber ein Artikel zu einer Dienstleistung oder zu einem Produkt geschrieben wird und auf einen Affiliate-Link verweist, finde ich, ist das vollkommen in Ordnung.

    Und zu den anderen Informationen, die hier geschrieben stehen, kann ich nur sagen. Ich denke die Behörden sind total überfordert und wissen selbst nicht, wo sie ansetzen sollen.
    MfG; Jens