Sonntag, 20. August 2017
Alle Gutschein-Affiliates aus Netzwerk verbannt

Alle Gutschein-Affiliates aus Netzwerk verbannt

MoreNiche ist ein Affiliate Netzwerk mit Sitz in UK und den USA, welches sich den Themen Adult, Beauty, Bodybuilding, Health und Weight Loss verschrieben hat.

Ende 2016 verbannte MoreNiche alle Webseiten aus dem Netzwerk, die mit Gutscheincodes oder Coupons arbeiten. Außerdem wurden auf anderen Seiten solche Inhalte verboten, die sich wenig mit der Marke oder dem Produkt beschäftigen, sondern hauptsächlich ein Angebot oder einen Rabatt anbieten (Details siehe hier).

Was ist der Grund für den Ausschluss?

Eine ausführlichere Begründung gab jetzt Andrew Slack (Managing Director bei MoreNiche) bei performancein.com: MoreNiche sieht sich als Content Affiliate Netzwerk; Affiliates, die mit Gutscheincodes arbeiten und im letzten Moment vor dem Kauf diesen dann zugeschrieben bekommen, würden die Arbeit des Netzwerks abwerten. Die Affiliates des Netzwerks sollen nur noch Onsite Deals der Advertiser vermarkten, aber keine Gutscheincodes mehr.

Weiterhin erlaubt ist allerdings die Vermarktung von Angeboten und Promotions über E-Mail Listen und Pop Up Ads.

Der Ausschluss soll das Ziel haben, dass keine Affiliates mehr vergütet werden, die beim Last-Cookie-Wins Modell die Provision zugeschrieben bekommen, weil der Kunde kurz vor Kaufabschluss noch nach einem Gutschein gesucht hat. Typisches „Abgreifen“ soll also verhindert werden.

Dieses Ziel ist durchaus sinnvoll und sollte grundsätzlich verfolgt werden.

Ist dies das beste Vorgehen?

Alle Affiliates grundsätzlich auszuschließen, die hauptsächlich mit Gutscheinen und Angeboten arbeiten, ist unserer Meinung nach definitiv nicht der optimale Weg. Die Top-Partner in diesem Bereich haben große Communities aufgebaut und bereiten Gutscheine und Angebote redaktionell hochwertig auf.

Diese Affiliates können großen Mehrwert bieten und inkrementelle Sales liefern.

Diesen Ansatz sieht MoreNiche wohl auch, denn sie erlauben ja weiterhin E-Mail Partner, die ein Angebot aktiv an potenzielle Käufer bringen – dass aber auch einige Gutscheinpartner zum Beispiel mehrere zehntausend interessierte Newsletter-Abonnenten haben, wird nicht berücksichtigt.

MoreNiche hat festgestellt, dass in über 82% der Sales, die Gutscheinpartnern zugeschrieben werden, mindestens ein weiterer Affiliate vorher einen Besuch des Kunden verzeichnen konnte.

Bestimmt hätten einige Kunden davon auch ohne Gutscheincode gekauft und haben nur während des Bestellprozesses noch nach einem Rabatt gesucht. Das ist natürlich unfair gegenüber der Affiliates, die die Provision bekommen hätten, wenn der Kunde dies nicht getan hätte.

MoreNiche hat aber auch festgestellt, dass in diesen 82% der Fälle meist nicht nur einer, sondern viele Affiliates schon vorher Touch Points geliefert haben. Man müsste dann also auch sagen, dass es unfair wäre, wenn dieser letzte Affiliate ganz alleine die Provision bekommt – unabhängig vom Publisher-Modell.

Denn natürlich passiert es nicht nur bei Gutscheinpartnern, dass schon mehrere Affiliates auf dem Weg zu einem Kauf beteiligt waren (oder auch weitere Touch Points außerhalb des Affiliate Kanals).

Das Ziel im Vorgehen von MoreNiche wird auch nur dann erreicht, wenn der Advertiser nicht auch noch bei einem weiteren Netzwerk ein Partnerprogramm betreibt, bei dem Gutscheinpartner mitwirken, die dann eben dort einen eventuellen letzten Klick vergütet bekommen (beim Last-Cookie-Wins Modell und korrekter Cookie-Weiche bzw. Sales-Abgleich).

Welche Optionen sind fair und gewinnbringend für alle?

Aufgrund der aufgezeigten Problematik gehören ein alle Kanäle betrachtendes Customer Journey Tracking bzw. entsprechende Abrechnungsmodelle zu den Trend-Themen für 2017.
Außerdem gibt es ja auch die Möglichkeit des Basket Freeze, die verhindert, dass sich ein Kunde, der sich schon im Bestellprozess des Advertisers befindet, ein neues Cookie abholt.

Diejenigen Advertiser, die aus bestimmten Gründen sowieso nur mit Content-Affiliates arbeiten wollen, sind bei MoreNiche bestimmt gut aufgehoben, und es ist gut, dass sich ein Netzwerk, welches sich Content ganz groß auf die Fahne geschrieben hat, für eine faire Vergütung dieser Affiliates einsetzt.

Jedoch sollten Gutscheinpartner nicht pauschal in die Ecke gestellt werden, nur das letzte Cookie abgreifen zu wollen. Es gibt gute Möglichkeiten, in Zusammenarbeit mit Gutscheinpartnern erfolgreiche und für beide Seiten gewinnbringende Kampagnen umzusetzen, sei es zur Neukundengewinnung, zur Umsatzsteigerung oder zum Abverkauf.

Einige Affiliates stehen eher am Anfang der Customer Journey. Verständlich, dass sich diese nicht gerne auf CPO-Deals im Last-Cookie-Wins Modell einlassen. Um die Zusammenarbeit mit diesen Affiliates auszubauen und sie auch nicht zu benachteiligen, können Advertiser andere Vergütungsmodelle wie CPC Deals oder WKZ Zahlungen anbieten, solange sie noch kein Customer Journey Tracking / keine Customer Journey Vergütung umsetzen können.

 

Bildquelle: lichtkunst.73 / pixelio.de

Über Verena Weiß

Verena Weiß studierte in Würzburg Medienkommunikation und ist seit März 2016 als Senior Affiliate Managerin bei der Digital-Marketing-Agentur xpose360 mit Sitz in Augsburg tätig. Die zertifizierte Affiliate Managerin betreute seit 2014 bereits unterschiedliche Kunden, vor allem im Bereich Retail.

2 Kommentare

  1. Ist aber manchmal auf wirklich nervig! Auf vielen Seiten ploppen ja 10 Gutschein Pop-Ups auf einmal auf. Customer Journey Tracking find ich aber ein sehr interessantes Thema, bin mal gespannt wo es da 2017 hingeht!

    LG Peter

  2. Das Last-Cookie-Wins Modell ist halt wirklich nicht fair. Wenn ein Affiliate den Erstkontakt zum Unternehmen herstellt und den Kauf initiiert sollte er auch dafür entlohnt werden. Es ist nicht fair, wenn die Gutscheinaffiliates alles abgreifen, nur weil der Kunde, der sich eh schon zum Kauf entschlossen hatte, kurz zuvor noch nach einem passenden Gutschein sucht. Dementsprechend muss etwas in diese Richtung unternommen werden. Eine SEO Agentur mit der ich kooperiere hat mir daher auch empfohlen Programme zu meiden, die mit dem Last-Cookie-Wins Modell arbeiten.