Montag, 25. Juli 2016
profiliate stellt Betrieb ein – Affiliate Marketing in der Krise?

profiliate stellt Betrieb ein – Affiliate Marketing in der Krise?

Erst vor Kurzem ist das neue B2B-Affiliate-Netzwerk Profiliate an den Start gegangen. Mit einem eigenen Messestand auf der dmexco wollte die Deutsche Messe Interactive GmbH das Thema B2B-Affiliate-Marketing in Deutschland weiter etablieren und vorantreiben.

Nun wurde das neue Projekt nach nur wenigen Monaten wieder beendet. Gemäß eines Gesellschafterbeschlusses hat die Deutsche Messe Interactive GmbH den Betrieb des B2B-Affiliate-Netzwerkes kurzfristig wieder eingestellt.

Die offizielle Begründung dafür lautet:

Wir gehen nach wie vor davon aus, dass sich auch der B2B-Online-Werbemarkt in Richtung „performance“-Marketing entwickeln wird – auch in der Ausprägung des Affiliate-Marketings. Die gesammelten Erfahrungen lassen daran keinen Zweifel. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass sich der Markt noch in einer frühen Phase befindet. Insbesondere Affiliate-Marketing-KnowHow muss sich noch wesentlich stärker im Markt verbreiten – sowohl auf Seiten der Werbetreibenden, als auch der Vertriebspartner. Es ist davon auszugehen, dass dieser Prozess noch gut 12-24 Monate in Anspruch nehmen wird. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde die Entscheidung getroffen, das B2B-Affiliate-Netzwerk „profiliate“ zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter fortzuführen.

Erst vor Kurzem haben mit Netrada, TRG und One…Internet drei weitere Performance-Agenturen bereits Insolvenz angemeldet. Im März hat Google sein weltweites Affiliate-Netzwerk eingestellt.

Das Affiliate-Portal affiliatemarketing.de hat im August darüber berichtet, dass die Gewinne einzelner Affiliate-Netzwerke derzeit rückläufig sind.

Aus Insider-Kreisen ist zudem zu hören, dass es derzeit auch einigen anderen Agenturen wirtschaftlich nicht gerade gut geht.

iBusiness hat im März dieses Jahres das Thema „Affiliate in Deutschland: Abgeschlagener Markt mit sanktionierten Fraud“ anaylsiert und dabei die Frage in den Raum geworfen „Wie viel Wachstum gibt es im Affiliate Marketing noch oder steuern wird in Deutschland bereits auf eine Stagnation des Marktes hin?“.

Wie geht es weiter im Performance- und Affiliate-Marketing? Diskutiert mit über die Kommentare.

Bildquelle: © Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) / Pixelio.de

Über Markus

Markus Kellermann ist bereits seit 1999 im Online-Marketing tätig und Geschäftsführender Gesellschafter der Digital-Marketing-Agentur xpose360 GmbH mit Sitz in Augsburg. Als Autor hat Markus Kellermann bereits eine Vielzahl von Artikeln in Fachmagazinen publiziert. Zudem organisiert er mit der Affiliate NetworkxX, der Affiliate Conference und dem Affiliate Innovation Day drei der bedeutendsten Affiliate-Veranstaltungen und betreibt neben dem Affiliate-Portal affiliateBLOG.de auch den Podcast Affiliate MusixX.

4 Kommentare

  1. Das Aussterben des Affiliate Marketings sehe ich jetzt nicht unmittelbar. Allerdings haben es Agenturen u. Netzwerke sicher schwerer also noch vor ein paar Jahren. Mittlerweile gibt es schon viele Unternehmen, die Affiliate Marketing inhouse betreiben oder Private Networks nutzen.

    Ich denke das geht einher mit dem Fortschritt der Technik. Ein eigenes Private Network, das einzig und allein auf ein Unternehmen ausgerichtet ist, ist speziell für Affiliate-starke Unternehmen zunehmend interessant. Diese Umsätze fehlen den Netzwerken.

    Aber auch Know-How einzelner Personen steigert sich, Merchants wollen rasch handeln und nicht einer von vielen sein. Da stoßen dann Agenturen wieder an die Grenzen. Was bleibt ist verstärktes Inhousing.

    Hinzu „leider“, dass sich die Hauptumsätze im Affiliate Marketing auf 2-3 Segmente beschränken bzw. Google mit seinen Erweiterungen (Productlisting Ads, etc.) vielen kleineren Publishern das Wasser abgräbt.

    Es ist sicher keine Ende in Sicht, aber die Zeiten wo Agenturen u. Netzwerke einfach Geld verdient haben ist vorbei. Auch die Publisher sind mehr gefordert als bisher.

  2. Performance-Marketing war/ist ein großer Trend, auf den viele aufgesprungen sind und der vielen Agenturen (und Netzwerken) große Umsätze gebracht haben. Es gibt genug Unternehmen die die „klassischen“ Kanäle reduziert und Performance aufgedreht haben – mit zu weilen unbefriedigenden Ergebnissen. Zuerst wurde mit Performance sehr effizient gearbeitet – weil beispielsweise die Markenbekanntheit durch das stetige Marketing in der „vor Performance-Zeit“ gut aufgeladen war. Je länger man zu sehr auf das Performance-Pferd setzt, desto langsamer wird es. Nun stellt sich die Erkenntnis ein, dass ein Marketingmix nur einen bestimmten Grad an Performance verkraftet – und entsprechend wird wieder umgeschichtet, diesmal zu Lasten der Performance.

    Affiliate als einzelner Performance-Kanal hat dabei jedoch noch größere Herausforderungen. Viele Merchants haben schlechte Erfahrungen gemacht und viel Geld ausgegeben – ohne großen Erfolg. Ein Großteil der Arbeit beim Managen eines Affiliate-Programm ist die Fraud-Verhinderung. Affiliate lässt sich zudem schlecht skalieren, da nicht einfach „mehr Inventar“ gebucht werden kann. Affiliate macht dann die Werbekette oft einfach nur um ein Glied länger – beispielsweise weil der Publisher Traffic zukauft, um skalieren zu können. Das könnte aber der Merchant natürlich auch selbst (günstiger) machen und dann auch den Branding-Faktor besser nutzen.

    Die Art, wie Gutscheine, Postview etc. genutzt wird, schreckt auch immer mehr Merchants ab – einfach, weil man schnell das Gefühl hat, nur zu bezahlen aber wenig Nutzen zu bekommen.

    Im B2B-Umfeld ist Affiliate noch ganz anderen Problemen gegenübergestellt. Das Trafficvolumen ist viel geringer, was viele Probleme ergibt. Klassische Affiliate-Ansätzen funktionieren auch deshalb schlecht, weil viele Sales nicht direkt online durchgeführt werden – sondern nach Freigabe schriftlich beauftragt werden, ein anderer Mitarbeiter bestellt etc. Auch ist die Conversion-Latenz idR. viel größer.

    Alles in allem meine ich:
    – Performance wird es weiter geben, aber auf kleinerem Niveau und nur in Kombination mit Nicht-Performance. (Oder mit „weicheren“ Performance-Zielen wie CPC.)
    – Affiliate muss sich neu erfinden und viel Vertrauen gewinnen, um Geschwindigkeit aufbauen zu können.
    – B2B ist ein schwieriges Feld, was so erstmal nicht funktionieren wird.

  3. Naja.. ich denke, das ist relativ schnell erklärt: wozu Affiliatenetzwerken 30% vom Payout in den Rachen schmeissen, wenn man direkt zusammenarbeiten kann. Insofern ist das Netzwerk mMn nur für die Summe der kleinen Publisher da.

    Zweitens: wenn man Cashback und Gutscheinpublisher abzieht/rauswirft/nicht mehr zulässt.. dann schrumpft der Kanal enorm. Das merken Netzwerke & Agenturen gleichermaßen, denn immer mehr Advertiser kommen auf den Trichter, welchen „Mehrwert“ diese Geschäftsmodelle wirklich bieten.

    Drittens: wer Agenturen beauftragt, besagte Publisher zu „betreuen“ (sprich: 1x annehmen und danach bei Advertiser Lobbyarbeit zu betreiben, die Provisionen hochzudrehen, da man ja selbst prozentual mit dranhängt), dem ist eh nicht zu helfen. Die ganze „Performance“ die Aagenturen bringen ist in der Regel das Annehmen der Publisher durch einen Werkstudenten.

    ich bin mir sicher, dass es noch mehr Agenturen / Netzwerke erwischt, wenn die Advertiser „erwachsen“ werden.

  4. Die Zeit ist für Affiliate-Plattformen, welche im wesentlichen Zahlungsdienstleistungen erbringen und dafür 30% Provision vom Affiliate- Umsatz kassieren, einfach vorbei.

    Das rechnet sich einfach für niemanden außer die Plattform und die Agentur! Wer 30% für sich abzweigen möchte, wird in Zukunft seinen Nutzen nachweisen müssen.

    Wir haben unsere Partnerprogramme bewußt Inhouse gestartet. Wir erreichen damit zwar nicht jeden kleinen Publisher, aber die leistungsfähigen Affiliates sind dabei, und müssen keine 30% abgeben.