Nachdem Teil 4 der 9-teiligen Artikel-Serie des Affiliate-Experten Markus Kellermann gezeigt hat, wie stark künstliche Intelligenz und KI-Commerce bereits heute Prozesse, Wertschöpfung und Kaufentscheidungen im Affiliate-Marketing verändern, rückt Teil 5 einen weiteren, eng damit verknüpften Umbruch in den Fokus. Die generative Suche markiert 2026 einen tiefgreifenden Einschnitt in die bisherige Logik digitaler Sichtbarkeit. Google AI Overviews, Zero-Click-Ergebnisse und KI-gestützte Antworten verändern Traffic-Ströme fundamental und stellen das bislang vergleichsweise stabile SEO-Modell infrage. Wie stark diese Entwicklung Affiliates, Advertiser und Netzwerke bereits betrifft, wo Chancen entstehen und warum sich die Spielregeln für Reichweite und Monetarisierung nachhaltig verschieben, zeigen die Ergebnisse der Affiliate Trend-Umfrage 2026 ebenso deutlich wie aktuelle Marktanalysen.
Neben der zunehmenden Nutzung von KI im Affiliate-Marketing ist vor allem die generative Suche einer der prägendsten Trends für 2026. Google verändert mit AI-Overviews, KI-Modus, generativen Shopping-Modulen und immer mehr Zero Click Antworten die Art, wie Informationen gefunden und Kaufentscheidungen getroffen werden. In der Trend-Umfrage gewinnt das Thema quer durch alle Gruppen deutlich an Bedeutung.
55 Prozent der ANT bewerten sie als einen der wichtigsten Trends des Jahres, bei den Affiliates sind es 52 Prozent und bei den Advertisern stufen 50 Prozent generative Suche als besonders relevante Entwicklung ein.
Parallel dazu geben 50 Prozent der Affiliates an, dass es zunehmend schwerer wird, gute Google Rankings aufzubauen und zu halten. Die Beobachtung deckt sich mit aktuellen Analysen aus dem Markt. Eine Auswertung von Kevin Indig im Growth Memo zeigt zum Beispiel, dass Seiten im Schnitt deutlich weniger Klicks erhalten, sobald AI-Overviews eingeblendet werden, selbst wenn sie darin verlinkt sind.
Zusätzlich verschärft eine strukturelle Entwicklung die Lage. Zero Click Suchen erreichen laut einer Studie von Sparktoro und Similarweb inzwischen knapp 60 Prozent in der EU, das heißt: Ein Großteil der Suchanfragen endet ohne Klick auf eine externe Website. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die eigenen Erfahrungen der Affiliates immer deutlicher in dieselbe Richtung zeigen. In der Umfrage zu den konkreten Auswirkungen KI-gestützter Suchergebnisse wie Google AI-Overviews auf die eigene Sichtbarkeit berichten 5 Prozent der Affiliates von einem starken Reichweiteneinbruch von mehr als 50 Prozent, 23 Prozent sprechen von einem mittleren Rückgang zwischen 20 und 50 Prozent, weitere 24 Prozent von einem leichten Rückgang unter 20 Prozent. Nur 19 Prozent sehen keine spürbaren Veränderungen, lediglich 4 Prozent melden sogar positive Effekte. Ein Viertel der Affiliates gibt an, dass die Auswirkungen noch unklar sind, was vor allem daran liegt, dass AI-Overviews in Europa bislang nur gedrosselt sichtbar sind.

Wie die Branche die Chancen und Risiken von Generative Search beurteilt, zeigt sich besonders deutlich in der Frage nach den Perspektiven für Publisher. Unter den Affiliates sehen nur 12 Prozent neue Reichweite und Sichtbarkeit als zentrale Chance, 13 Prozent erwarten zusätzliche Einnahmequellen durch KI- Integrationen. Dem gegenüber stehen 43 Prozent, die generative Suche vor allem als Risiko durch die Verdrängung klassischer Rankings wahrnehmen, während 32 Prozent die Lage noch nicht abschließend einschätzen können.

Bei den Advertisern fällt das Bild etwas positiver aus. 43 Prozent sehen in Generative Search neue Reichweite und Sichtbarkeit, 30 Prozent zusätzliche Einnahmequellen durch KI-gestützte Integrationen. Nur 25 Prozent bewerten die Entwicklung vor allem als Risiko, 30 Prozent sind noch unsicher. Das macht deutlich, dass Advertiser stärker auf Effizienz und neue Kanäle blicken, während Affiliates die unmittelbaren Effekte auf ihre organischen Traffic-Ströme spüren.

Diese Wahrnehmung spiegelt sich direkt in der Einschätzung der Umsätze wider. Auf die Frage, wie sich KI auf die Umsätze im Affiliate-Marketing auswirkt, prognostizieren 6 Prozent der Affiliates einen starken Rückgang, 28 Prozent einen leichten Rückgang, 25 Prozent erwarten keine Veränderung, 11 Prozent einen leichten und 4 Prozent einen starken Anstieg. 26 Prozent geben an, dass die Auswirkungen noch unklar sind. Anders formuliert: fast ein Drittel sieht eher rückläufige Umsätze, nur rund 15 Prozent erwarten klar positive Effekte.
Zugleich ordnen die Publisher die strategische Bedeutung von KI sehr hoch ein. 27 Prozent der Affiliates gehen davon aus, dass KI ihre Geschäftsstrategie in den nächsten zwei bis drei Jahren sehr stark beeinflussen wird, 42 Prozent rechnen mit einem eher starken Einfluss, 21 Prozent mit einem mittleren. Nur 6 Prozent erwarten einen geringen und 4 Prozent keinen Einfluss. Damit steht fest, dass sich die Branche bewusst ist, dass KI das eigene Modell verändern wird, auch wenn die Richtung der Umsatzentwicklung noch unklar ist.

Die wahrgenommenen Risiken sind entsprechend klar benennbar. 63 Prozent der Affiliates sehen den Verlust der Sichtbarkeit in Suchmaschinen als eines der größten Risiken beim Einsatz von KI, 61 Prozent fürchten eine wachsende Abhängigkeit von großen Plattformen wie Google, OpenAI oder Microsoft. 65 Prozent sehen die Gefahr von Qualitätsproblemen bei KI-Inhalten, 35 Prozent befürchten geringere Margen durch Verdrängung und weitere 35 Prozent betonen rechtliche Unsicherheiten, etwa in Bezug auf Urheberrecht oder die Nutzung von Inhalten durch KI-Systeme. Vor allem dieser letzte Punkt wird durch die aktuelle regulatorische Debatte in Europa verstärkt.
Eine Allianz aus Medienhäusern, Verbänden und Verwertungsgesellschaften hat in Deutschland formell Beschwerde nach dem Digital Services Act gegen Googles AI-Overviews eingereicht und argumentiert, dass KI-Zusammenfassungen die Reichweite und Werbeeinnahmen der Publisher deutlich reduzieren und damit die Refinanzierung journalistischer Angebote. Parallel dazu dokumentieren Berichte von Medienverbänden und Untersuchungen etwa von Growth Memo und SEO Experten wie Barry Adams, wie stark AI-Overviews Klickströme von Publishern abziehen können.
Ein besonderer Brennpunkt ist dabei das Geschäftsfeld der Gutschein-Affiliates. Seit Jahren besteht die Sorge, dass Google selbst Coupons und Rabatte direkt in den Suchergebnissen anzeigt und damit klassische Gutscheinportale umgeht. Die Trenddaten zeigen, wie stark dieses Thema emotional aufgeladen ist. 2025 sahen noch 78 Prozent der Affiliates eine konkrete Gefahr für Gutschein-Modelle durch eigene Coupon-Integrationen von Google. 2026 liegt der Wert zwar bei 54 Prozent, doch gleichzeitig ist der Anteil derjenigen gestiegen, die die Lage nicht einschätzen können. 31 Prozent geben an, die Auswirkungen nicht klar beurteilen zu können, während nur 15 Prozent keine Gefahr sehen. In Kombination mit den AI-Overviews und generativen Antworten entsteht so ein Bild, in dem Google immer stärker selbst zum ersten Coupon- und Angebots-Touchpoint wird, während klassische Gutschein-Affiliates um ihre Rolle in der Customer-Journey kämpfen müssen.

Inhaltlich führt die generative Suche zu einem Paradigmenwechsel von klassischer SEO hin zu Answer Engine Optimization. Zwei Jahrzehnte lang war Suchmaschinenoptimierung das Fundament digitaler Sichtbarkeit. Wer Keywords sauber platzierte, Inhalte pflegte und technische Standards einhielt, konnte sich nach oben arbeiten. Mit AI-Overviews und KI-Modus rückt eine andere Logik in den Vordergrund. Sichtbar wird zunehmend, wem KI-Systeme vertrauen, nicht wer die beste Keyword-Dichte hat. Konzepte wie Answer Engine Optimization beschreiben diesen Wechsel ausführlich. AEO zielt darauf ab, in KI-Antworten stattzufinden, nicht nur in den blauen Links. Es geht darum, Inhalte so zu strukturieren, dass KI-Systeme sie einfach extrahieren, zitieren und in Antworten einbinden können, und zwar auf Basis klarer Signale rund um Expertise, Erfahrung, Autorität und Vertrauenswürdigkeit.
Für Affiliates bedeutet das: Dünne Vergleichsseiten, automatisiert zusammengeschobene Ratgeber ohne echte Expertise und austauschbare Deal Listen stoßen an Grenzen. Wer in generativen Antworten und KI-Overviews überhaupt vorkommen will, muss zur vertrauenswürdigen Marke werden. Dazu gehören tief recherchierte Inhalte, nachvollziehbare Tests, echte Autorenprofile, klare Quellen, strukturierte Daten und eine konsistente Präsenz in Bewertungen, Fachmedien und sozialen Kanälen. Online-Reputation wird damit zum entscheidenden Bindeglied zwischen menschlichem Vertrauen und den Signalen, die KI-Systeme auslesen.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass Affiliates nicht tatenlos zusehen, sondern an ihren Strategien arbeiten. Viele diversifizieren bereits ihre Traffic Quellen, investieren stärker in Social-Commerce, Videoplattformen, Newsletter-Modelle und eigene Communities, um die Abhängigkeit von rein organischem Suchtraffic zu reduzieren. Der Druck, eigene Ökosysteme aufzubauen, steigt. Direktbeziehungen über E-Mail, Apps, exklusive Inhalte oder Tools werden zur Versicherung gegen Algorithmusänderungen. Wer sein Geschäftsmodell konsequent auf diese neue Realität vorbereitet, kann auch in einer generativen Suchwelt relevant bleiben. Wer hingegen weiter allein auf klassische SEO Stabilität setzt, trägt das größte Risiko, irgendwann nur noch als Datenlieferant für KI-Antworten zu dienen – ohne dass der Klick beim eigenen Angebot ankommt.
Fazit
Die Ergebnisse machen klar, dass generative Suche 2026 kein abstraktes Zukunftsthema mehr ist, sondern bereits spürbare Auswirkungen auf Reichweite, Sichtbarkeit und Geschäftsmodelle im Affiliate-Marketing hat. Während Advertiser die Entwicklung stärker aus Effizienz- und Innovationsperspektive betrachten, spüren Affiliates die unmittelbaren Effekte auf organischen Traffic besonders deutlich. Gleichzeitig zeigt sich, dass generative Suche nicht zwangsläufig das Ende von Affiliate-Modellen bedeutet, sondern vielmehr eine strukturelle Neuordnung erzwingt. Sichtbarkeit entsteht künftig weniger über klassische Rankings, sondern über Vertrauen, Markenstärke, Datenqualität und die Fähigkeit, in KI-Antwortsystemen stattzufinden. Für Affiliates bedeutet das einen Paradigmenwechsel: weg von reinem SEO-Fokus, hin zu diversifizierten Traffic-Strategien, eigenen Communities und klarer inhaltlicher Positionierung. Wer diese Entwicklung frühzeitig annimmt und sein Geschäftsmodell konsequent anpasst, kann auch in einer generativen Suchwelt relevant bleiben. Wer hingegen auf die Rückkehr alter SEO-Stabilität hofft, riskiert, langfristig an Sichtbarkeit und Einfluss zu verlieren.
Weitere Informationen gibt es zudem im großen Affiliate Trend-Report 2026

