Google hat seine Site-Reputation-Policy angepasst. Die Änderung betrifft insbesondere den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und ist damit auch für deutsche Publisher und Affiliate-Websites relevant. Die Policy richtet sich gegen sogenannten Site Reputation Abuse. Gemeint ist die Veröffentlichung von Inhalten Dritter auf einer etablierten Website, wenn dabei vor allem deren bestehende Ranking-Signale ausgenutzt werden sollen.
Was ist Site Reputation Abuse überhaupt?
Google hat die sogenannte Site-Reputation-Policy 2024 eingeführt. Sie richtet sich gegen eine bestimmte Form der Suchmaschinenmanipulation. Dritte veröffentlichen Inhalte auf einer bereits etablierten Website, um deren vorhandene Ranking-Signale auszunutzen und dadurch bessere Positionen in der Google-Suche zu erreichen.
Ein einfaches Beispiel: Eine bekannte Nachrichten- oder Ratgeberseite besitzt über Jahre eine starke Domain-Autorität. Plötzlich erscheint dort ein umfangreicher Bereich mit Inhalten zu einem völlig anderen Thema – beispielsweise Kreditvergleichen, Casino-Angeboten, Versicherungen oder Produkttests –, der von einem externen Unternehmen produziert wird.
Wenn diese Inhalte hauptsächlich deshalb auf der starken Domain veröffentlicht werden, um von deren Ranking-Signalen zu profitieren, kann das für Google ein Fall von Site Reputation Abuse sein.
Was ändert sich?
Seit dem 30. August 2026 behandelt Google entsprechende manuelle Maßnahmen im EWR anders als außerhalb Europas.
Außerhalb des EWR bleibt die bisherige Regelung bestehen. Im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) wird die manuelle Maßnahme nicht mehr auf die Google-Suchergebnisse angewendet. Stattdessen kann Google den betroffenen Bereich von der restlichen Website trennen, sodass er künftig unabhängig von der etablierten Domain bewertet wird.
Für Publisher bedeutet das: Die starke Domain kann nicht selbstverständlich als SEO-Abkürzung für einen problematischen Unterbereich genutzt werden.
Was bedeutet das für Affiliate-Websites?
Für Affiliate-Publisher ist die Änderung vor allem deshalb interessant, weil Affiliate-Content in der Diskussion um Site Reputation Abuse immer wieder falsch eingeordnet wird. Google hat bereits bei der früheren Klarstellung seiner Policy ausdrücklich erklärt:
Affiliate-Content ist nicht grundsätzlich Site Reputation Abuse.
Auch korrekt gekennzeichnete Affiliate-Links sind nicht automatisch ein Problem. Entscheidend ist vielmehr, wie der Content in die Website eingebunden ist und ob eine Domain gezielt dazu genutzt wird, Inhalte aufgrund ihrer bestehenden Ranking-Signale besser in der Suche zu platzieren.
Affiliate-Publisher sollten deshalb vor allem prüfen:
- Bietet der Content einen echten Mehrwert?
- Passt das Thema zur Website?
- Werden Inhalte selbst verantwortet und redaktionell geprüft?
- Sind Affiliate-Beziehungen transparent?
- Werden eigene Erfahrungen, Tests oder relevante Informationen eingebracht?
Besonders aufmerksam dürfte die Affiliate- und Publisher-Branche deshalb auf die weitere Entwicklung bei Gutschein- und Coupon-Bereichen schauen. Gerade dort wurden in der Vergangenheit zahlreiche White-Label-Modelle auf etablierten Publisher-Domains eingesetzt.
Was diese neue Regelung konkret für Gutschein-White-Label-Seiten bedeutet, beleuchten wir in Teil 2 mit bekannten Stimmen aus der Branche.
Fazit
Für Affiliate-Websites lässt sich daraus eine wichtige Erkenntnis ableiten:
Nicht der Affiliate-Link ist das Problem – sondern die Qualität und Herkunft des Contents sowie die Absicht hinter seiner Veröffentlichung.
Ein hochwertiger Produkttest kann Affiliate-Links enthalten und trotzdem einen klaren Mehrwert für Nutzer bieten. Ein oberflächlicher Artikel, der lediglich Produktdaten von Händlern zusammenfasst, austauschbare Texte produziert und vor allem darauf ausgelegt ist, möglichst viele Suchbegriffe abzudecken, bietet dagegen deutlich weniger zusätzlichen Nutzen. Google betont grundsätzlich, dass seine Ranking-Systeme hilfreiche, zuverlässige und auf Menschen ausgerichtete Inhalte bevorzugen sollen – und nicht Inhalte, die primär zur Manipulation von Rankings erstellt werden.

