Der August 2026 stand im Affiliate-Marketing deutlich im Zeichen künstlicher Intelligenz und ihrer Auswirkungen auf Sichtbarkeit, Attribution und Vergütung. Mit dem EU AI Act kamen neue Transparenzpflichten hinzu, während gleichzeitig intensiv darüber diskutiert wurde, wie Publisher-Leistung in einer zunehmend von Zero-Click und Large Language Models geprägten Customer Journey künftig gemessen werden kann. Citations, LLM-Sichtbarkeit und neue Attributionsmodelle rücken dabei ebenso in den Fokus wie flexiblere Provisionsstrukturen und strategischere Partnerschaften. Gleichzeitig zeigen Entwicklungen rund um YouTube Shopping und Preisvergleich.de, dass sich auch etablierte Geschäftsmodelle und Plattformen weiter verändern. Der Monat macht damit deutlich, dass Affiliate-Marketing technologisch komplexer, aber zugleich strategisch relevanter wird.
EU AI Act: Neue Kennzeichnungspflichten für KI-Werbemittel
Seit dem 2. August 2026 gelten neue Transparenzpflichten des EU AI Act für KI-generierte und manipulierte Inhalte. Im Mittelpunkt stehen realistisch wirkende Bilder, Videos oder Audioinhalte, die vom Publikum fälschlicherweise für authentisch gehalten werden könnten. Solche Deepfakes müssen sichtbar gekennzeichnet werden, während offensichtlich künstliche oder cartoonartige Darstellungen in der Regel nicht betroffen sind. Unternehmen sollten KI-Bestandteile dokumentieren, vorhandene Metadaten erhalten und Verantwortlichkeiten zwischen Advertisern, Agenturen und Dienstleistern klar regeln. Gewöhnliche KI-unterstützte Werbetexte und Produktbeschreibungen sind dagegen grundsätzlich nicht automatisch kennzeichnungspflichtig.
Affiliate TalkxX Folge 75: KI-Sichtbarkeit wird zum neuen Erfolgsfaktor
In Folge 75 des Affiliate TalkxX diskutieren Vertreter von Awin, Tradedoubler und impact.com darüber, wie KI und neue Suchgewohnheiten das Affiliate-Marketing verändern. Besonders deutlich wird, dass Publisher längst nicht nur am Last Click wirken, sondern Nutzer entlang der gesamten Customer Journey bei Recherche, Vergleich und Kaufentscheidung begleiten. Durch Large Language Models gewinnt hochwertiger Publisher-Content zusätzlich an Bedeutung, da Produkttests, Reviews und Empfehlungen zunehmend als Quellen für KI-Antworten dienen. Damit rücken neue Kennzahlen wie Citations, LLM-Sichtbarkeit und Inkrementalität stärker in den Fokus und ergänzen klassische Performance-KPIs. Für Advertiser entsteht die Chance, Affiliate-Partner künftig stärker als strategischen Bestandteil von Markenwahrnehmung, Content und Performance zu betrachten.
#AskTheExpert: KI, Zero Click und neue Vergütungsmodelle im Affiliate-Marketing
Im aktuellen #AskTheExpert diskutieren Julian Weiß, André Kögler, Yann Duterte und Benjamin Gromann, wie KI-Systeme und Large Language Models die Rolle von Publishern im Affiliate-Marketing verändern. Neue Tools ermöglichen erste Analysen dazu, welche Marken und Publisher in KI-Antworten genannt oder zitiert werden, eine eindeutige Zuordnung zu späteren Conversions ist jedoch bislang nur eingeschränkt möglich. Gleichzeitig gewinnen authentischer Content, Produkttests, Bewertungen und Creator-Inhalte an Bedeutung, da sie Vertrauen schaffen und auch als Quellen für KI-Systeme dienen können. Klassische CPO- und Last-Click-Modelle reichen deshalb zunehmend nicht mehr aus, um den Einfluss von Publishern entlang der gesamten Customer Journey abzubilden. Diskutiert werden ergänzende Modelle wie Pay per Content, Pay per View, Werbekostenzuschüsse oder künftig sogar Vergütungen für Sichtbarkeit und Erwähnungen in LLMs.
Neustart für Preisvergleich.de: Synatix übernimmt traditionsreiches Vergleichsportal
Preisvergleich.de gehört seit August 2026 zur Synatix Unternehmensgruppe und ergänzt damit deren bestehendes Portfolio rund um digitale Vergleichsangebote. Synatix stärkt mit der Übernahme seine Position als unabhängiger Anbieter im deutschen Markt für Online-Vergleichsportale. Ziel ist es, Verbraucher bei wichtigen Kauf- und Finanzentscheidungen mit transparenten und unabhängigen Vergleichsmöglichkeiten zu unterstützen. Die etablierte Marke Preisvergleich.de soll dabei von den Strukturen und Erfahrungen der Unternehmensgruppe profitieren, zu der unter anderem auch KREDIT.DE gehört. Gleichzeitig setzt Synatix seinen Wachstumskurs fort und will seine Position im deutschen Vergleichsmarkt weiter ausbauen.
Marketing mit System: Thalia und MAI xpose360 setzen auf klare Wachstumsstrategien
In einem gemeinsamen Webinar zeigten MAI xpose360 und Thalia auf, wie sich zahlreiche Marketingmaßnahmen in ein strukturiertes und steuerbares Wachstumsmodell überführen lassen. Affiliate-Marketing übernimmt bei Thalia dabei längst nicht mehr nur eine reine Performance-Funktion, sondern ist eng mit Bereichen wie Category-Management, Retail Media sowie Brand & Content verzahnt. Klare Ziele, regelmäßige Quartalsmeetings und konkrete Roadmaps helfen dabei, Maßnahmen zu priorisieren und flexibel auf neue Entwicklungen zu reagieren. Auch Partnerschaften und Vergütungsmodelle werden stärker an gemeinsamen Wachstumszielen ausgerichtet. Der Thalia Case zeigtes damit praxisnah, wie Partnermarketing strategischer eingesetzt und nachhaltiges Wachstum systematisch unterstützt werden kann.
Awin-Analyse: Flexible Provisionen können den Umsatz deutlich steigern
Eine Awin-Analyse von rund 4.500 aktiven Partnerprogrammen zeigt, dass differenzierte Provisionsmodelle mit deutlich höheren Umsätzen einhergehen. Programme mit zwei bis drei Provisionsgruppen erzielten demnach 126 Prozent mehr Umsatz als Programme mit nur einem einheitlichen Provisionssatz, bei vier oder mehr Gruppen lag das Plus sogar bei 546 Prozent. Differenzieren lässt sich beispielsweise nach Publisher-Typ, Neu- und Bestandskunden, Produktkategorien, Margen oder Performance-Stufen. Dennoch arbeiten aktuell 63 Prozent der untersuchten Awin-Programme weiterhin nur mit einer einzigen Provisionsgruppe. Awin empfiehlt Advertisern deshalb, ihre Vergütungsstruktur stärker zu flexibilisieren, regelmäßig zu überprüfen und gezielt an strategischen Vertriebszielen auszurichten.
Zero-Click im Affiliate-Marketing: KI verändert die Customer Journey
Generative KI verändert die Produktsuche grundlegend, da Nutzer Empfehlungen und Vergleiche zunehmend direkt über Systeme wie ChatGPT oder Gemini erhalten, ohne dafür klassische Suchergebnisse anklicken zu müssen. Für Publisher entsteht dadurch eine neue Rolle, denn hochwertige Tests, Reviews und redaktionelle Inhalte können als Quellen in KI-Antworten auftauchen und damit bereits vor dem eigentlichen Klick Einfluss auf Kaufentscheidungen nehmen. Neben klassischen Kennzahlen wie Klicks und CPO gewinnen deshalb Citations, LLM-Sichtbarkeit und Content-Einfluss als zusätzliche Messgrößen an Bedeutung. Auch neue Vergütungsmodelle wie Pay-per-Citation, Pay-per-View oder Pay-per-Content könnten künftig helfen, diesen vorgelagerten Wert besser abzubilden. Zero-Click bedeutet damit nicht das Ende des Affiliate-Marketings, sondern eine Erweiterung des Kanals um Sichtbarkeit, Vertrauen und Einfluss entlang der gesamten Customer Journey.
YouTube Shopping kommt nach Europa: Creator werden zum neuen Affiliate-Touchpoint
Mit dem Start des YouTube Shopping Affiliate-Programms in Großbritannien hält Social Commerce nun auch in Europa stärker Einzug ins Affiliate-Marketing. Creator können Produkte direkt in Videos, Shorts oder Livestreams markieren und bei qualifizierten Käufen eine Provision erhalten, wodurch Content und Commerce enger zusammenrücken. Besonders interessant ist die niedrige Einstiegshürde von 500 Abonnenten, die auch kleinere, spezialisierte Creator für Advertiser attraktiv macht. Durch die Zusammenarbeit mit Awin und neue Creator-Tools wird Affiliate-Marketing stärker in den normalen Content-Workflow integriert und zugleich besser messbar. Sollte YouTube Shopping in weitere europäische Märkte expandieren, dürfte Creator Affiliate-Marketing für Advertiser und Affiliate-Manager deutlich an Bedeutung gewinnen.
IAB entwickelt neue Standards für KI-Sichtbarkeit und Attribution
Das Interactive Advertising Bureau (IAB) arbeitet an einem neuen Rahmenwerk, mit dem sich der Einfluss von KI-Systemen auf Marken, Publisher und spätere Conversions besser messen lassen soll. Bereits definiert wurden vier zentrale Bereiche der KI-Sichtbarkeit: unter anderen die Präsenz, Platzierung, Darstellung und Einfluss innerhalb von KI-Antworten. Für Affiliate-Publisher ist besonders relevant, wie häufig ihre Inhalte von KI-Systemen zitiert werden und welchen Beitrag sie zu Kaufentscheidungen leisten, auch wenn kein klassischer Affiliate-Klick entsteht. Parallel entwickelt das IAB deshalb ein eigenes Attribution Framework für durch KI initiierte oder beeinflusste Conversions. Konkrete Regeln für die Vergütung von Publishern oder die Aufteilung kommerzieller Credits gibt es bislang jedoch noch nicht.
#CloseUp: Antonio Matijevic zwischen Affiliate-Marketing und Neustart in Australien
Antonio Matijevic startete 2020 als Working Student im Partner Development bei Tradedoubler und entwickelte sich dort über mehrere Stationen bis zum Head of Partner Development APAC weiter. Heute lebt er in Sydney und verantwortet neun Märkte in der Region. Affiliate-Marketing bedeutet für ihn vor allem „Connections“, also die Beziehungen zwischen Advertisern, Publishern und den Menschen hinter den Partnerschaften. Im #CloseUp spricht er außerdem über seinen Studienabbruch, den Mut zu Veränderungen und seine Entscheidung, nach Australien auszuwandern. Persönlich beschreibt er sich als lebensfroh, verlässlich und nach dem Motto „Just do it“ handelnd.
Fazit:
Die Entwicklungen im August zeigen, dass der klassische Affiliate-Klick künftig nur noch ein Teil der Wertschöpfung sein dürfte. Publisher beeinflussen Kaufentscheidungen zunehmend bereits vorher, etwa durch Content, Empfehlungen, Reviews oder Sichtbarkeit innerhalb von KI-Systemen. Damit wächst der Druck, Leistung differenzierter zu messen und Vergütungsmodelle stärker an tatsächlichem Einfluss und Qualität auszurichten. Gleichzeitig gewinnen klare Regeln für KI-Inhalte, flexible Provisionsmodelle und strategische Partnerschaften an Bedeutung. Affiliate-Marketing entwickelt sich damit weiter vom reinen Performance-Kanal hin zu einem zentralen Bestandteil von Content, Commerce und Markenwahrnehmung.

