Nachdem Teil 7 der 9-teiligen Artikel-Serie des Affiliate-Experten Markus Kellermann gezeigt hat, wie sich Tracking im Affiliate-Marketing von einer technischen Schwachstelle zu einem strategischen Steuerungsinstrument entwickelt, richtet dieser Teil den Blick auf die vielleicht sichtbarste Veränderung im Ökosystem. Die Publisher-Landschaft befindet sich 2026 in einem tiefgreifenden strukturellen Wandel. Klassische Modelle bleiben relevant, verlieren aber an Dominanz, während neue, technologiegetriebene Publisher-Formate entlang der Customer-Journey an Bedeutung gewinnen. Die Affiliate Trend-Umfrage 2026 macht deutlich, wie sich Kräfteverhältnisse verschieben, welche Modelle wachsen und wo sich Abhängigkeiten und Risiken neu konzentrieren.
Struktureller Wandel in der Publisher-Landschaft
Die Publisher-Landschaft im Affiliate-Marketing befindet sich 2026 in einem spürbaren strukturellen Wandel. Gutschein- und Content-Publisher bleiben weiterhin wichtige und etablierte Bestandteile des Ökosystems, doch ihr relativer Anteil verschiebt sich. Parallel dazu wachsen neue Modelle, die stärker technologiegetrieben sind und unmittelbarer in der Customer-Journey wirken. Onsite-Tools, Exit-Intent Lösungen, Recommendation Engines, CSS-Modelle und KI-basierte Publisher gewinnen zunehmend an Bedeutung, während SEO- getriebene Modelle insbesondere durch generative Suche und sinkende organische Sichtbarkeit stärker unter Druck geraten. Für viele Advertiser bedeutet dies eine breitere, komplexere Publisher-Struktur, in der klassische Modelle weiterhin relevant bleiben, aber zunehmend mit innovativen, datengetriebenen Formaten koexistieren.
Besonders sichtbar wird dieser Wandel beim Blick auf die wichtigsten Publisher-Modelle der Advertiser im Zeitraum 2024 bis 2026. Cashback bleibt mit 55 Prozent ein relevanter Hebel, auch wenn der Wert leicht unter dem Niveau von 2025 liegt. Content-Seiten erleben nach Jahren des Rückgangs eine Renaissance und steigen von 41 Prozent auf 53 Prozent. Gleichzeitig bleibt Couponing stabil bei 40 Prozent, nachdem der Bereich 2025 spürbar schwächer war. Deal-Seiten liegen stabil bei 40 Prozent und Preisvergleiche erreichen mit 38 Prozent wieder ein höheres Niveau als im Vorjahr. Social-Media Publisher, die 2025 nur 21 Prozent erreichten, springen 2026 auf 35 Prozent. Ähnliches gilt für Influencer-Publisher, die sich von 28 Prozent auf 43 Prozent steigern und damit erstmals zu den stärksten Modellen gehören. Deutlich wird jedoch auch, dass SEO-Publisher trotz eines leichten Anstiegs auf 25 Prozent weiterhin unter Druck stehen. Dieser Auftrieb reicht nicht aus, um den Verlust organischer Reichweite auszugleichen. Aufgrund der generativen Suche verschiebt sich die Sichtbarkeit vieler klassischer Content- und SEO-Modelle zunehmend in Richtung AI-Overviews und conversationaler Interfaces. Dass erstmals 15 Prozent der Advertiser Publisher-Modelle relevant finden, die in generativen Suchmaschinen wie Google AI-Overviews ausgespielt werden, bestätigt diese Entwicklung.

Technologische Modelle und neue Publisher-Trends
Parallel dazu gewinnen technologische Player massiv an Bedeutung. 23 Prozent der Advertiser sehen Onsite-Publisher wie Exit-Intent-Overlays als relevante Modelle. KI- und Machine Learning-Technologien steigen ebenfalls deutlich auf 23 Prozent und gehören damit zu den am stärksten wachsenden Kategorien. Content Commerce erreicht ebenfalls 23 Prozent und zeigt, dass redaktionell integrierte Produktplatzierungen, die nah an der Kaufentscheidung funktionieren, eine zentrale Rolle im modernen Affiliate-Kanal einnehmen. E-Mail Publisher stabilisieren sich ebenfalls bei 23 Prozent und bestätigen damit ihre Rolle als konstante und verlässliche Performance Quelle, die unabhängig von Suchmaschinen oder Social-Feeds funktioniert. Meta-Netzwerke, Empfehlungsmarketing-Anbieter wie Aklamio oder Tellja sowie Mobile-Publisher runden das Bild einer diversifizierten, technologisch getriebenen Landschaft ab. Gleichzeitig verlieren klassische Technologie-Partner, die 2025 noch bei 21 Prozent lagen, an Bedeutung und erreichen 2026 nur noch 13 Prozent. SEA-Publisher stabilisieren sich bei 13 Prozent, während Nachhaltigkeits-Publisher mit 8 Prozent eine kleine, aber konstante Nische bedienen.
Ein Sonderfall ist die Entwicklung der CSS-Publisher. Viele Marktteilnehmer erwarteten nach dem Rückzug von Amazon aus Google-Shopping einen deutlichen Anstieg der Relevanz. Die Daten zeigen jedoch ein anderes Bild. Nur 3 Prozent der Advertiser beobachten eine deutliche Steigerung, 5 Prozent eine leichte. Für 41 Prozent gibt es keine Veränderung und 43 Prozent haben keine ausreichenden Erfahrungen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass CSS-Modelle zwar weiterhin eine Rolle spielen, aber nicht annähernd so stark wachsen wie erwartet. Die Fragmentierung des Google Shopping Ökosystems, steigende CPCs und die veränderte Aussteuerung durch generative KI sind mögliche Gründe für diese Stagnation.
Parallel dazu beobachten viele Advertiser eine zunehmende Abhängigkeit von wenigen großen Playern. 33 Prozent berichten von einer stark steigenden Konzentration auf die Top 5-Publisher und 39 Prozent von einer leichten Zunahme. Nur 10 Prozent sehen weiterhin eine stabile Diversität im Publisher Mix und weitere 10 Prozent sogar eine wachsende Vielfalt. Diese Polarisierung zeigt sich insbesondere in Märkten, in denen Cashback, Influencer, Social-Commerce Player und große Technologie Anbieter wie Onsite-Tools oder Recommendation-Engines einen immer größeren Anteil des Umsatzes auf sich vereinen. Kleinere Publisher und klassische Content-Modelle verlieren dagegen erheblich an Sichtbarkeit.

Künstliche Intelligenz als Transformationsfaktor
Diese strukturellen Verschiebungen werden zusätzlich durch den Einsatz von KI beschleunigt. 41 Prozent der Advertiser und 31 Prozent der Affiliates erwarten, dass sich die Customer-Journey vollständig in KI-Umgebungen verlagert. Während 21 Prozent der Advertiser von einer kürzeren Journey durch KI ausgehen, erwarten 33 Prozent der Publisher, dass noch unklar ist, wie sich die Journey verändern wird. Nur 5 Prozent der Advertiser und 13 Prozent der Affiliates rechnen mit einer längeren Journey. Die dominierende Einschätzung ist jedoch klar. KI wird zu einem aktiv steuernden Element und ersetzt oder verkürzt bestehende Touchpoints. Dies hat unmittelbare Folgen für Publisher-Modelle, die an frühen oder mittleren Funnel Positionen angesiedelt sind. Wenn KI-Systeme Empfehlungen, Preisvergleiche, Inspiration und Beratung übernehmen, dann verlieren klassische Content, SEO oder Vergleichsmodelle an Relevanz, während KI-kompatible Publisher-Modelle gewinnen.


Die Auswirkung wird noch deutlicher bei der Betrachtung der Touchpoints, die durch KI am stärksten beeinflusst werden. 42 Prozent der Advertiser und 35 Prozent der Affiliates sehen die stärkste Veränderung in der Consideration Phase, also der Informations- und Bewertungsphase. Genau hier waren früher Content- und SEO-Publisher dominant. 37 Prozent beider Gruppen sehen zudem starke Auswirkungen auf Awareness, was Social-Media Publisher, Influencer und videoorientierte Formate stärkt. Für Conversion-Effekte sehen 16 Prozent der Advertiser und 20 Prozent der Affiliates klare Veränderungen. Post Purchase Effekte werden dagegen nur von 8 Prozent der Advertiser und 6 Prozent der Affiliates als relevant betrachtet. Dass jeweils 37 Prozent von einer Veränderung aller Touchpoints ausgehen, zeigt, wie umfassend KI die Rolle der Publisher und deren Platz in der Journey verschiebt.


In Summe entsteht ein eindeutiges Bild. Die Publisher-Landschaft im Affiliate-Marketing befindet sich 2026 in einem strukturellen Umbruch. Klassische SEO- und Content-Modelle verlieren Reichweite und Relevanz durch die generative Suche. Social-Commerce, Influencer, Onsite-Tools, Content-Commerce und KI-getriebene Technologien gewinnen massiv an Bedeutung. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von wenigen großen Playern, während auch neue Nischen entstehen, die eng an KI, Recommendation-Engines und conversational Commerce gekoppelt sind. Die Gewinner dieses Wandels sind jene Publisher Modelle, die entweder sehr nah am Kaufakt arbeiten oder sich frühzeitig technologisch transformieren. Die Verlierer sind all jene, die weiterhin stark von organischem Traffic, nicht differenzierten Inhalten oder manuellen Prozessen abhängig sind.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen klar, dass sich die Publisher-Landschaft im Affiliate-Marketing 2026 nicht linear weiterentwickelt, sondern neu sortiert. Content-, Gutschein- und Cashback-Modelle bleiben tragende Säulen, doch ihre Rolle verändert sich spürbar. Social-Commerce, Influencer, Onsite-Tools, Content-Commerce und KI-getriebene Modelle gewinnen an Relevanz, weil sie näher an Kaufentscheidungen operieren oder sich besser in neue, KI-geprägte Customer-Journeys integrieren lassen. Gleichzeitig geraten klassische SEO- und vergleichsbasierte Modelle zunehmend unter Druck, da generative Suche und KI-gestützte Empfehlungen Sichtbarkeit und Traffic neu verteilen. Die zunehmende Konzentration auf wenige große Publisher verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Für Affiliates und Advertiser bedeutet das eine klare strategische Aufgabe. Wer 2026 wettbewerbsfähig bleiben will, muss sein Publisher-Portfolio diversifizieren, neue Formate testen und sich technologisch weiterentwickeln. Die Zukunft gehört jenen Modellen, die entweder unmittelbaren Kaufmehrwert liefern oder als vertrauenswürdige, KI-kompatible Informationsquelle funktionieren.
Weitere Informationen gibt es zudem im großen Affiliate Trend-Report 2026.

