Montag, 23. Oktober 2017
2. Tag auf der Affiliate Summit New York 2017

2. Tag auf der Affiliate Summit New York 2017

Nachdem wir gestern bereits über den 1. Konferenztag berichtet haben, geben wir Euch heute Einblick in den 2. Konferenztag.

Technology will Save us from all our Affiliate Ills

Der 2. Tag begann mit einer Diskussionsrunde der führenden Affiliate-Netzwerke in den USA. Brian Littleton (ShareASale), Todd Crawford (Impact Radius), Michael Jones (Pepperjam), Jamie Birch (JEB Commerce), Ernie Gelais (LinkConnector) und Chad Waite (AvantLink) diskutierten dabei über die Zukunft des Affiliate Marketings.

Dabei waren sich alle einig, dass die Branche weiterhin ein großes Wachstum zu verzeichnen hat und dass die Netzwerke hierzu mit der technischen Weiterentwicklung ihrer Technologien einen großen Anteil dazu beitragen können.

Auf die Frage eines Teilnehmers, wie die Netzwerke den hohen Anteil der Werbespendings von 89% an Google und Facebook sehen, meinte Todd Crawford, dass diese Statistik nicht wirklich aussagekräftig ist, da ein erheblicher Anteil der Affiliate-Spendings auch in Google und Facebook investiert werden.

Eines der wichtigsten Diskussionsthemen war allerdings Commission Splitting, oder Customer-Journey-Tracking wie wir es in Deutschland nennen. Wie man es auch von deutschen Konferenzen kennt, wurde auch hierzu über Sinn und Unsinn einer Provisions-Attribution gesprochen.

Todd Crawford plädierte dazu, die komplette User-Journey zu analysieren, um besser bewerten zu können welche Affiliates an der Kaufentscheidung beteiligt sind.

Zudem waren sich alle Teilnehmer einig, dass Content-Publisher zukünftig wieder fairer vergütet werden sollten und Advertiser hierzu auf Basis der Customer-Journey solche Daten besser bewerten sollten.

Brian Littleton sieht v.a. eine Attribution innerhalb des Affiliate-Kanals. Eine kanalübergreifende Multi-Channel-Attribution sieht er schwierig, da für viele Advertiser aufgrund der Vielzahl von Marketing-Channels hierzu eine Provisionszuweisung schwierig ist. Er empfahl daher eine Priorisierung der Cookies auf Basis der Publisher-Modelle (Couponing, Influencer, Content…).

Michael Jones von Pepperjam war zudem der Meinung, dass viele Advertiser noch gar nicht verstehen, wie sie mit den ganzen Daten konkret umgehen sollen. Die Netzwerke können hierzu auf Basis der Daten die Flexibilität und Transparenz liefern. Ernie Galesi plädierte dazu, dass es deswegen die Aufgabe der Branche ist, die Advertiser hierzu besser zu unterstützen und aufzuklären.

Affiliate Marketing´s Past, Present, and High-Stakes Future

Oliver Roup (VigLink) und Leigh Montville (The Daily Beast) sprachen über die Vermarktungsmöglichkeiten von Publishing-Portalen.

The Daily Beast hat monatlich über 20 Mio. Besucher. Das Portal hat die Monetarisierung mittlerweile auf Affiliate Commerce umgestellt.

Für Leigh Montville ist v.a. eine enge Partnerschaft mit dem Advertiser wichtig und die gemeinsame Motivation weiter wachsen zu wollen.

Zudem ist es für ihn auch wichtig zu wissen, wie die langfristige Strategie des Advertisers ausschaut. Hierzu ist es für den Affiliate für eine enge Kooperation wichtig zu wissen, welche langfristige Strategie der Advertiser verfolgt.

Auf eine Teilnehmerfrage wie der Affiliate eine Split Commission sieht, war dieser auf jeden Fall sehr aufgeschlossen dafür. Es wäre für ihn auf jeden Fall ein interessanter Anreiz den Advertiser zu bewerben.

How negative Brand Images can Affect Affiliate Revenue

Tony Wright von wrightimc.com widmete sich der Frage, welche Auswirkungen ein negativer Brand auf ein Affiliate-Programm hat.

Generell hat eine negative Reputation natürlich auch Auswirkungen auf die Conversion. Deswegen ist es wichtig, die Reputation des Advertisers auch zu verbessern.

Hierzu gab er u.a. folgende Tipps:

  • Proaktives Reputations-Management (PR-Arbeit)
  • Antworten auf Kundenbewertungen geben
  • Geld investieren in Kundenservice
  • Feedback annehmen und optimieren
  • Brand Reputation regelmäßig monitoren
  • seine Kunden kennen und bewerten
  • Brand pushen durch positives Reputations-Management

How to define your (international) Network Strategy

Valentina Pol von metapeople präsentierte die Herangehensweise für eine internationale Affiliate-Kampagnenstrategie.

Hierzu sollte man zuerst einmal das Programm nach folgenden Gesichtspunkten bewerten.

Interne Faktoren

  • Marge
  • Warenkorbwert
  • Anzahl Besucher
  • Internationale Strategie
  • Budgethöhe

Externe Faktoren

  • Wettbewerbsanalyse
  • Zielgruppe
  • Nische oder Massenmarkt
  • Branchentarget

Auf Basis dieser Analyse erfolgt dann die Auswahl des richtigen Netzwerkes. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Globales Netzwerk (Internationale Erfahrung, Fokus auf spezielle Regionen, Überschneidung der Publisher-Base)
  2. Lokales Netzwerk (Nationale Erfahrung, Fokus auf spezielle Märkte, Vorwiegend lokale Affiliates)
  3. Nischen Netzwerke (Fokus auf spezielle Nischenthemen, branchenrelevante Affiliates, International und lokal aktiv)
  4. Private Networks (Kein regionaler Fokus, Internationale Erfahrung möglich, vorwiegend als Tracking-Plattform)

Anschließend sollte man sich entscheiden, ob man eine Single-Network- oder Multi-Netzwork-Strategie fährt.

Single Network Strategie:

  • Kostenreduzierung der Setup- und Fix-Kosten
  • Kostenreduzierung durch Netzwerk-Exklusivität
  • Geringerer Administrationsaufwand
  • Attribution: einfacher zu implementieren

Multi Network Strategie:

  • Höhere Affiliate-Abdeckung
  • Exklusivität nur für bestimmte Märkte möglich
  • Attribution: nicht möglich über mehrere Netzwerke hinweg

Nachdem man dann diese Entscheidungen gefällt hat, folgt dann die Strategie-Umsetzung.

Hierzu gab Valentina folgende Empfehlung:

  • USA: globales Netzwerk mit lokalem Büro
  • BRICS & Arabien: lokales Netzwerk bzgl. der Sprache und Kultur
  • EU: internationales Netzwerk um Kosten zu reduzieren und mehrere Märkte abzudecken
  • Weltweit bekannte Brands: Private Network, um darüber Top-Affiliates zu managen

In einer Case-Study präsentierte Valentina zudem noch die Strategie von Lufthansa, welche in 39 Märkten ein Affiliate-Programm betreiben.

Die Strategie war dabei in Europa mit einem internationalen Netzwerk zu starten (Tradedoubler) und weltweit, bzw. dem Rest der Welt mit einem globalen Netzwerk wie CJ.

Durch die Exklusivität konnte die Netzwerk-Fee reduziert und die Performance kontinuierlich gesteigert werden.

In einem zweiten Case entschied man sich bei Deichmann in den Ländern Tschechien und Slowakei für ein lokales Netzwerk (VivNetworks), um darüber auch lokale Insights zu erhalten.

Mobile Ad Fraud Wikileaks Exposing the Threats

Im letzten Vortrag für heute ging es um die Entwicklung von Mobile Advertising und verschiedenen Betrugsmöglichkeiten.

Dale Carr von LeadBolt präsentierte hierzu das aktuelle Wachstum der Branche. Mobile Advertising gehört dabei derzeit zu den am schnellsten wachsenden Online-Marketing-Kanälen. Bis 2020 rechnet man weltweit mit ca. 247,36 Mrd. US-Dollar Werbeausgaben.

Allerdings werden derzeit über AdFraud jährlich auch Schäden von 16,4 Mrd. US-Dollar verursacht.

Die Länder mit dem höchsten AdFraud-Anteil weltweit sind dabei v.a. Deutschland, Australien und Kanada. Die Gründe dafür sind v.a. die finanziellen Gegebenheiten („Fraud follows the Dollars“).

Anfällig für Fraud sind v.a.

  • App Stores
  • Operating Systems (Android)
  • Publishers/Developers
  • Ad Networks / SSPs / Exchanges
  • Solution Providers / Attribution Companies
  • Advertiser / DSPs

Die unterschiedlichen Fraud-Möglichkeiten sind z.B.

  • Impressions / CPM
  • Click / CPC
  • Install / CPI
  • Lead / CPL
  • Injection / Adware
  • Domain Spoofing
  • CMS / Fake Publisher
  • Blending / Audience Extensions

Konkrete Fraud-Möglichkeiten sind z.B.

  • Non-Human Traffic / Bots
  • Human Traffic – Invisible Ads
  • Domain Spoofing
  • Click Spam
  • Click Injection
  • Click Farm

In dem Votrag wurden hierzu auch zahlreiche konkrete Beispiele gezeigt, auf die wir aber in diesem Artikel nicht detailliert eingehen wollen, um die Möglichkeiten nicht in der Öffentlichkeit zu präsentieren 🙂

Möglichkeiten um Fraud zu erkennen bietet z.B. der Dienstleister Kaspersky Lab.

Weitere Möglichkeiten um AdFraud zu analysieren sind z.B.

  • Auffälligkeiten analysieren und Abweichungen von bekannten Mustern bewerten
  • Hierzu sollten vorab eindeutige Muster definiert werden
  • Flag/Report bei Auffälligkeiten und Diskrepanzen
  • Monitoren und Messen
  • Benachrichtigungen bei verdächtigen Quellen

Zudem sollte man präventiv gegen Betrug vorgehen:

  • Wenn möglich direkte Partnerschaften mit den Publishern eingehen, um die Qualität zu sichern und transparent zu agieren
  • Premium-Inventar buchen
  • AdFrau Security-Services nutzen
  • Analyse von auffälligen Publishern / Reputationsmanagement
  • Teilnahmebedingungen definieren, was z.B. nicht akzeptiert wird

 

Über Markus

Markus Kellermann ist bereits seit 1999 im Online-Marketing tätig und Geschäftsführender Gesellschafter der Digital-Marketing-Agentur xpose360 GmbH mit Sitz in Augsburg. Als Autor hat Markus Kellermann bereits eine Vielzahl von Artikeln in Fachmagazinen publiziert. Zudem organisiert er mit der Affiliate NetworkxX, der Affiliate Conference und dem Affiliate Innovation Day drei der bedeutendsten Affiliate-Veranstaltungen und betreibt neben dem Affiliate-Portal affiliateBLOG.de auch den Podcast Affiliate MusixX.