Teil 3: Werbeausgaben im Affiliate-Marketing – Wachstumskanal mit stabilem Fundament und steigender Priorität im Media Mix

Nachdem Teil 1 die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Teil 2 die Entwicklung der globalen und nationalen Werbemärkte beleuchtet haben, richtet der Affiliate-Experte Markus Kellermann in Teil 3 seiner 9-teiligen Artikel-Serie den Fokus auf den Affiliate-Kanal selbst. Wie groß ist der Markt wirklich. Wie entwickelt sich Affiliate-Marketing im Vergleich zu anderen Performance-Kanälen. Und welche Rolle nimmt der Kanal 2026 im Marketing-Mix der Unternehmen ein. Die aktuellen Marktdaten und Ergebnisse der Affiliate Trend-Umfrage 2026 liefern darauf eine klare Antwort.

Der Blick auf die aktuellen Marktdaten zeigt, dass Affiliate-Marketing 2026 erneut ein fester Bestandteil eines insgesamt stark wachsenden Digitalmarktes ist. In Deutschland fließen laut German Digital Advertising Latecast der Omnicom Media Group rund 20,8 Milliarden Euro in digitale Werbung. Das entspricht inzwischen etwa zwei Dritteln des gesamten Werbemarktes. Innerhalb dieses Kuchens hält Affiliate-Marketing ein stabiles Volumen von 1,6 Milliarden Euro. Das Segment wächst damit zwar nicht spektakulär, profitiert aber von der Ausweitung des Gesamtmarktes und behauptet seine Rolle als verlässlicher Performance Kanal in einem Umfeld, das immer stärker von Retail Media, Paid Search und Social dominiert wird.

Global betrachtet setzt sich das Wachstum des Affiliate-Marktes ungebrochen fort. Die weltweite Branche wird inzwischen auf mehr als 21 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll laut Markteinschätzungen bis 2027 auf rund 27,78 Milliarden US-Dollar und bis 2030 sogar auf 38,3 Mrd. US-Dollar anwachsen. In den USA zeigt die aktuelle Industry Study der Performance Marketing Association, wie dynamisch der Kanal geworden ist. Zwischen 2021 und 2024 stiegen die Affiliate-Umsätze dort von 9,1 auf 13,62 Milliarden US-Dollar, ein Plus von nahezu 50 Prozent bei einer jährlichen Wachstumsrate von über 14 Prozent. Affiliate-Marketing generierte 2024 rund 113 Milliarden US-Dollar an E-Commerce Umsätzen und beeinflusst etwa 16 Prozent aller Online-Bestellungen in den USA. Für Unternehmen, die aktiv mit Affiliate-Programmen arbeiten, liegt der Umsatzanteil häufig zwischen 15 und 20 Prozent. Zugleich nutzen laut Branchenumfragen bereits mehr als 80 Prozent der Marketingverantwortlichen weltweit Affiliate-Programme, um Reichweiten auszubauen und Zielgruppen präziser anzusprechen.

Auch auf Netzwerkseite spiegeln die Geschäftszahlen die robuste Entwicklung wider. Tradedoubler erzielte von Januar bis September 2025 einen Umsatz von 1,589 Milliarden schwedischen Kronen, was einem Wachstum von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht, währungsbereinigt sogar 8 Prozent. Der Bruttogewinn stieg um 9 Prozent auf 351 Millionen Kronen und die Bruttomarge verbesserte sich auf gut 22 Prozent. Das bereinigte EBITDA legte von 56 auf 70 Millionen Kronen zu, die EBITDA Marge erreichte 18,8 Prozent. Besonders bemerkenswert ist der operative Cashflow, der von 26 auf 82 Millionen Kronen anstieg und damit die verbesserte Profitabilität untermauert. Nach einem leichten Verlust im Vorjahr weist Tradedoubler nach 9 Monaten 2025 ein Nettoergebnis von 18,6 Millionen Kronen aus.

Webgains als Teil der ad pepper media Gruppe zeigt ein anderes, aber ebenfalls solides Bild. Im ersten Halbjahr 2025 lag der Umsatz bei 5,76 Millionen Euro und damit minimal über dem Vorjahr. Im zweiten Quartal konnte das Netzwerk den Umsatz gegenüber Q2 2024 um 1,6 Prozent steigern.

Gemeinsam illustrieren diese Beispiele, dass die Branche zwar nicht überall zweistellige Wachstumsraten erreicht, aber als Umsatzträger im digitalen Marketing verlässlich performt und gleichzeitig massiv in technologische Transformation und KI-Integration investiert.

Die Affiliate Trend-Umfrage 2026 bestätigt diese Einschätzung aus Marktperspektive. Aus Sicht der Advertiser ist Affiliate-Marketing fest im Online-Marketing-Mix verankert. 49 Prozent bewerten den Kanal als wichtig, weitere 29 Prozent als sehr wichtig, lediglich 22 Prozent sagen, er laufe eher nebenbei mit. Kein einziger Advertiser stuft Affiliate-Marketing als unwichtig ein.

In der Prognose für die nächsten fünf Jahre erwarten 53 Prozent, dass der Kanal in ihrem Unternehmen an Priorität gewinnen wird, nur 17 Prozent gehen von einer sinkenden Bedeutung aus, 30 Prozent sind noch unentschlossen.

Besonders deutlich wird die wachsende Relevanz beim Blick auf die umsatzstärksten Kanäle. Paid-Search bleibt auch 2026 mit 88 Prozent der wichtigste Umsatztreiber und legt damit gegenüber 2025 (81 Prozent) weiter zu. Direkt dahinter folgt Affiliate-Marketing, das von 55 Prozent im Jahr 2025 auf 71 Prozent steigt und damit den deutlichsten Sprung aller Kanäle verzeichnet. Paid-Social wächst moderat von 36 auf 41 Prozent, während E-Mail-Marketing leicht von 45 auf 38 Prozent zurückgeht. SEO verliert spürbar an Relevanz und fällt von 65 Prozent auf 33 Prozent. Influencer-Marketing steigt von 13 auf 24 Prozent und gewinnt damit stark an Bedeutung. Display-Marketing sinkt von 16 auf 14 Prozent, während Retail-Media erstmals separat abgefragt wird und 2026 auf einen Relevanzwert von 10 Prozent kommt. Insgesamt zeigt sich, dass Affiliate-Marketing klar aus der Nische in die Spitzengruppe der wichtigsten Performance-Treiber im Marketing-Mix vorrückt.

Diese Einstufung schlägt sich zunehmend auch in der Budgetallokation nieder. Beim Anteil der investierten Online-Werbeausgaben im Affiliate-Kanal zeigt sich eine Verschiebung nach oben. Der Anteil der Advertiser, die nur 1 bis 10 Prozent ihres Online-Budgets in Affiliate investieren, sinkt von 52 auf 44 Prozent. Gleichzeitig wächst das Segment, in dem 30 bis 40 Prozent des Online-Budgets in Affiliate fließen, auf 13 Prozent. Höhere Budgetanteile zwischen 40 und 70 Prozent bleiben zwar eine Minderheit, sind aber erstmals im einstelligen Bereich sichtbar.

Ähnlich entwickelt sich der Anteil von Affiliate-Marketing am Gesamt Online-Umsatz. 2025 lag dieser bei 48 Prozent der Advertiser im Bereich von 1 bis 10 Prozent. 2026 sind es nur noch 32 Prozent. Die Gruppe mit 10 bis 20 Prozent Umsatzanteil bleibt mit 27 Prozent stabil, ebenso die Klasse mit 20 bis 30 Prozent, die bei 15 Prozent liegt. Insgesamt verschiebt sich der Affiliate-Umsatzanteil damit tendenziell in höhere Segmente, auch wenn der Kanal weiterhin in vielen Unternehmen zwischen 10 und 20 Prozent der Online-Umsätze verantwortet.

Die Umsatzprognosen der Marktteilnehmenden unterstreichen die positive Grundstimmung. 62 Prozent der Advertiser rechnen 2026 mit steigenden Umsätzen im Affiliate-Kanal, 19 Prozent erwarten stabile Werte und 19 Prozent gehen von Rückgängen aus. Für 2025 erwarten 54 Prozent Wachstum und 9 Prozent Rückgänge. Damit steigen die Wachstumserwartungen trotz gesamtwirtschaftlicher Unsicherheiten.

Auf Seiten der Affiliates fällt der Blick etwas vorsichtiger aus, bleibt aber positiv. 42 Prozent berichten, dass ihre Umsätze 2025 gestiegen sind, 32 Prozent hatten Rückgänge, 26 Prozent stabile Verläufe. Für 2026 erwarten 46 Prozent steigende Umsätze, 30 Prozent rechnen mit gleichbleibendem Niveau und 24 Prozent mit Rückgängen.

Auch die Agenturen, Netzwerke und Technologien (ANT) sehen einen moderat optimistischen Markt. Für 2025 berichteten 41 Prozent von steigenden Umsätzen ihrer Advertiser, 43 Prozent sahen stabile Verläufe, 16 Prozent Rückgänge. Für 2026 gehen 52 Prozent der ANT von weiter steigenden Umsätzen aus, 36 Prozent von stabilen und 12 Prozent von rückläufigen Entwicklungen. Damit zeigt sich über alle Marktseiten hinweg eine klare Tendenz. Die Branche rechnet mehrheitlich mit Wachstum, wenngleich die Intensität je nach Rolle unterschiedlich eingeschätzt wird.

Warum Advertiser Affiliate-Marketing im Vergleich zu anderen Kanälen als so relevant bewerten, lässt sich ebenfalls aus der Trend-Umfrage ablesen. 83 Prozent nennen die performancebasierte Abrechnung mit CPO oder CPA als zentralen Vorteil, weil sie das finanzielle Risiko reduziert. 48 Prozent sehen eine bessere Kosten-Effizienz im Vergleich zu SEA oder Display. 41 Prozent heben die hohe Transparenz und Messbarkeit hervor sowie in gleicher Höhe die langfristige Partnerschaft mit Publishern. 38 Prozent schätzen den Zugang zu Nischenzielgruppen und die Flexibilität der Provisionsgestaltung, etwa für bestimmte Produkte oder Neukunden. 36 Prozent sehen einen Vorteil in der relativen Unabhängigkeit von großen Plattformen wie Google, Meta oder Amazon. Nur 19 Prozent geben an, dass Affiliate-Marketing für sie nicht relevanter sei als andere Kanäle.

Im internationalen Kontext bestätigen die US-Zahlen diese Einschätzung. Mit durchschnittlichen Return-on-AdSpend Werten von 11 zu 1 im Retail und bis zu 19 zu 1 oder mehr in Branchen wie Travel, Department Stores oder Bürobedarf gehört Affiliate-Marketing zu den effizientesten Performance-Kanälen überhaupt. Gleichzeitig verschieben sich die Budgetströme. Der Retail-Bereich bleibt zwar Volumenführer, verliert aber prozentual Anteile, während Finanzdienstleistungen, Reise und Telekommunikation zulegen. Für europäische und deutsche Programme bedeutet dies: Wachstum entsteht nicht nur über mehr Budget in bestehenden Setups, sondern auch über neue Branchen, differenzierte Publisher-Modelle und die stärkere Integration von Content Creators, Influencern, Loyalty und KI-gestützten Partnerschaften.

In der Summe zeichnet sich ein klares Bild. Affiliate-Marketing ist 2026 kein Randthema mehr, sondern einer der zentralen Wachstumskanäle im digitalen Marketing. Die absoluten Budgets steigen im Zuge des wachsenden Digitalmarktes, der relative Stellenwert im Media-Mix nimmt zu und die Umsatzanteile verschieben sich Schritt für Schritt in höhere Segmente. Gleichzeitig entsteht ein differenziertes, technologisch geprägtes Ökosystem, in dem Advertiser, Netzwerke und Affiliates ihre Rolle neu definieren müssen, um von diesem Wachstum nachhaltig zu profitieren.

Warum Affiliate-Marketing in der Rezession zum Stabilitätsanker wird

In wirtschaftlich angespannten Zeiten zeigt sich erneut, warum Affiliate-Marketing als performancebasierter Kanal besonders resilient ist. Die Trend-Umfrage verdeutlicht, dass viele Advertiser trotz oder gerade wegen der Rezession optimistisch in den Kanal blicken. Während im Vorjahr erst 41 Prozent damit rechneten, dass sich die Auswirkungen der Rezession positiv auf ihre Umsätze auswirken würden, sind es 2026 bereits 54 Prozent. Gleichzeitig sinkt der Anteil derjenigen, die keine besonderen Auswirkungen erwarten (23 Prozent nach 35 Prozent) und die Quote der Advertiser, die negative Effekte befürchten, bleibt stabil bei 23 Prozent.

Noch klarer wird der Trend bei der Frage, ob Affiliate-Marketing in einer Rezession zu den Gewinnern zählen kann: Der Anteil derer, die dies bejahen, steigt von 42 auf 54 Prozent, während der Wert der Skeptiker von 32 auf 19 Prozent fällt. Entsprechend planen mehr Unternehmen, Budgets zugunsten des Affiliate-Kanals zu verschieben oder zu erhöhen. 24 Prozent wollen Budget aus anderen Kanälen in Affiliate umschichten (Vorjahr 17 Prozent), weitere 27 Prozent investieren zusätzlich – exakt der gleiche Wert wie im Vorjahr, aber nun mit deutlich veränderten Vorzeichen.

Dass Affiliate-Marketing zudem als Alternative oder Ergänzung zu den GAFA-Plattformen wahrgenommen wird, zeigt der Anstieg von 33 auf 39 Prozent – während gleichzeitig nur noch 10 Prozent den Kanal als keine Alternative betrachten. Parallel dazu sehen die Netzwerke eine leichte Entspannung: Zwar hatten 2024 noch 54 Prozent und 2025 sogar 58 Prozent negative Auswirkungen der Rezession wahrgenommen, doch für 2026 erwarten nur noch 31 Prozent weitere Rückgänge. 36 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, auch wenn dieser Wert unter dem Vorjahr liegt (46 Prozent), während ein Drittel von stabilen Verhältnissen ausgeht.

Insgesamt zeigt sich: In einem Markt, in dem Werbebudgets kritisch geprüft werden und Effizienz an Bedeutung gewinnt, punktet Affiliate-Marketing mit kalkulierbarem Risiko, hoher Transparenz und klar messbarer Performance – und wird dadurch für viele Unternehmen zum stabilisierenden Faktor in der Rezession.

Fazit: Vom ergänzenden Kanal zum zentralen Wachstumstreiber

Teil 3 macht deutlich, dass Affiliate-Marketing 2026 kein Randthema mehr ist. Der Kanal profitiert vom Wachstum des digitalen Werbemarktes, gewinnt im Media-Mix deutlich an Relevanz und übernimmt in immer mehr Unternehmen eine zentrale Rolle bei Umsatz und Budgetallokation. Gleichzeitig entsteht ein differenziertes, technologisch geprägtes Ökosystem, in dem sich Advertiser, Netzwerke und Publisher strategisch neu positionieren müssen.

In den kommenden Teilen der Serie wird deutlich, wie sich diese strukturelle Aufwertung auf Themen wie KI, Tracking, generative Suche, Social Commerce und neue Publisher-Modelle auswirkt und warum Affiliate-Marketing vor einem der spannendsten Umbrüche seiner Geschichte steht.

Weitere Informationen gibt es zudem im großen Affiliate Trend-Report 2026.

Markus Kellermann
Markus Kellermannhttps://www.affiliateblog.de
Markus Kellermann ist bereits seit 1999 im Online-Marketing tätig und Geschäftsführender Gesellschafter der Digital-Marketing-Agentur xpose360 GmbH mit Sitz in Augsburg. Als Autor hat Markus Kellermann bereits eine Vielzahl von Artikeln in Fachmagazinen publiziert. Zudem organisiert er mit der Affiliate Conference, dem Affiliate Innovation Day und der Influencer Conference drei der bedeutendsten Online-Marketing-Veranstaltungen und betreibt neben dem Affiliate-Portal affiliateBLOG.de auch den Podcast Affiliate MusixX.

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