Affiliate-Marketing in der Energiebranche: Zwischen KI-Empfehlungen, Vergleichsportalen und steigenden Akquisitionskosten

Die Energiebranche befindet sich erneut in einem Wandel. Nachdem die vergangenen Jahre von Preisschwankungen, regulatorischen Veränderungen und einem deutlich gestiegenen Wechselverhalten der Verbraucher geprägt waren, stehen Energieanbieter nun vor einer weiteren Herausforderung: Die digitale Customer Journey verändert sich grundlegend.

Für das Affiliate-Marketing bedeutet das neue Chancen, aber auch neue Fragen. Welche Rolle spielen Vergleichsportale künftig noch? Funktioniert das klassische Cost-per-Order-Modell weiterhin? Und wie schaffen es Energieanbieter sichtbar zu bleiben, wenn Verbraucher ihre Fragen zunehmend an ChatGPT oder andere KI-Systeme richten, anstatt bei Google nach einem neuen Strom- oder Gasanbieter zu suchen?

Die größten Herausforderungen für Energie-Advertiser

Neben den Veränderungen der Customer Journey stehen Energieanbieter aktuell vor weiteren Herausforderungen. Die Kosten für digitale Neukundengewinnung steigen seit Jahren kontinuierlich an. Gleichzeitig wird die Konkurrenz um relevante Sichtbarkeit intensiver.

Hinzu kommt, dass Verbraucher sensibler auf Preisänderungen reagieren als noch vor einigen Jahren. Das Vertrauen in Anbieter und Marken spielt daher eine immer größere Rolle. Wer ausschließlich auf kurzfristige Abschlüsse setzt, verschenkt Potenzial beim Aufbau langfristiger Kundenbeziehungen. Auch die Messbarkeit von Marketingmaßnahmen wird komplexer. Durch die Vielzahl an Touchpoints wird es zunehmend schwieriger, den tatsächlichen Beitrag einzelner Kanäle korrekt zu bewerten. Die Diskussion um Attribution und kanalübergreifende Erfolgsmessung gewinnt deshalb auch im Affiliate-Marketing der Energiebranche an Relevanz.

Wenn ChatGPT die Empfehlung ausspricht

Lange Zeit war die Customer Journey im Energiesektor relativ klar. Wer seinen Stromanbieter wechseln wollte, startete seine Recherche meist über eine Suchmaschine und landete anschließend auf einem Vergleichsportal. Dort wurden Tarife verglichen, Preise gegenübergestellt und schließlich ein neuer Vertrag abgeschlossen. Heute beginnt dieser Prozess zunehmend an anderer Stelle. Immer mehr Nutzer lassen sich von KI-Assistenten beraten und stellen konkrete Fragen wie: „Welcher Stromanbieter bietet aktuell ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis?“ oder „Welche nachhaltigen Energieanbieter sind empfehlenswert?“

Für Energieanbieter verändert sich dadurch die Art und Weise, wie Sichtbarkeit entsteht. Während früher vor allem Rankings und Werbeanzeigen entscheidend waren, gewinnen heute Faktoren wie digitale Reputation, Experteninhalte und Markenbekanntheit an Bedeutung. KI-Systeme greifen auf eine Vielzahl öffentlich verfügbarer Informationen zurück und bevorzugen Quellen, die als vertrauenswürdig und relevant gelten.

Genau hier kann Affiliate-Marketing einen wichtigen Beitrag leisten. Publisher, Fachportale und redaktionelle Vergleichsseiten liefern nicht nur Reichweite, sondern schaffen durch hochwertige Inhalte auch die digitale Sichtbarkeit, die künftig für Empfehlungen durch KI-Systeme relevant werden könnte. Wer ausschließlich auf Performance-Kanäle setzt, läuft Gefahr, in dieser neuen Informationslandschaft an Sichtbarkeit zu verlieren.

Ist das klassische CPO-Modell noch zeitgemäß?

Affiliate-Marketing im Energiesektor war lange von einem klaren Prinzip geprägt: Vergütet wird nur der tatsächliche Vertragsabschluss. Das Cost-per-Order-Modell bot Advertisern maximale Planungssicherheit und minimierte das Risiko. Doch die Realität sieht mittlerweile komplexer aus. Verbraucher informieren sich heute über zahlreiche Kanäle, bevor sie eine Entscheidung treffen. Sie lesen Testberichte, nutzen Vergleichsportale, informieren sich auf Publisher-Seiten, schauen sich Bewertungen an und holen sich teilweise sogar Empfehlungen von KI-Systemen ein.

Die Folge ist eine deutlich längere und fragmentiertere Customer Journey. Der letzte Klick vor dem Vertragsabschluss bildet häufig nur noch einen kleinen Teil des tatsächlichen Entscheidungsprozesses ab. Gleichzeitig investieren viele Publisher erhebliche Ressourcen in die Erstellung hochwertiger Inhalte, die Nutzer überhaupt erst für einen Anbieter sensibilisieren.

Vor diesem Hintergrund geraten klassische Vergütungsmodelle zunehmend unter Druck. Zwar bleibt CPO auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Affiliate-Marketings, doch viele Advertiser beschäftigen sich mittlerweile mit hybriden Ansätzen. Kombinationen aus Performance-Vergütung, Content-Kooperationen oder zusätzlichen Incentivierungen für hochwertige Leads gewinnen an Bedeutung.

Der klassische CPO ist deshalb keineswegs tot. Er wird jedoch zunehmend durch Modelle ergänzt, die den tatsächlichen Beitrag eines Partners zur Customer Journey besser berücksichtigen.

Vergleichsportale: Unverzichtbarer Vertriebskanal oder Preisdruckmaschine?

Kaum ein anderer Kanal hat den Energiemarkt so stark geprägt wie Vergleichsportale. Für Verbraucher bieten sie Transparenz und einen schnellen Überblick über verfügbare Tarife. Für Energieanbieter sind sie seit Jahren eine der wichtigsten Quellen für Neukunden.

Dennoch wird ihre Rolle innerhalb der Branche immer wieder kontrovers diskutiert. Denn Vergleichsportale fördern zwangsläufig den Preisvergleich. In vielen Fällen entscheidet nicht die Markenstärke oder Servicequalität über den Vertragsabschluss, sondern der günstigste Tarif auf der ersten Ergebnisseite. Für Energieanbieter entsteht dadurch ein Spannungsfeld. Einerseits liefern Vergleichsportale nach wie vor hohe Volumina und starke Conversion-Raten. Andererseits steigt der Druck auf die Margen, da Anbieter immer stärker über den Preis konkurrieren müssen.

Affiliate-Marketing bietet hier die Möglichkeit, die eigene Vermarktung breiter aufzustellen. Redaktionelle Publisher, Finanz- und Verbraucherportale oder spezialisierte Nachhaltigkeitsplattformen ermöglichen eine differenziertere Kommunikation. Themen wie Servicequalität, digitale Kundenservices, Nachhaltigkeit oder Preisstabilität können dort wesentlich ausführlicher dargestellt werden als in einem klassischen Tarifvergleich. Gerade in einem Markt, in dem Produkte immer ähnlicher werden, gewinnt diese Form der Differenzierung zunehmend an Bedeutung.

Fazit

Affiliate-Marketing bleibt für Energieanbieter ein wichtiger Baustein der digitalen Neukundengewinnung. Die Rahmenbedingungen verändern sich jedoch spürbar. KI-gestützte Informationssuche, steigende Akquisitionskosten und eine immer komplexere Customer Journey sorgen dafür, dass klassische Erfolgsmodelle neu bewertet werden müssen.

Gleichzeitig entstehen neue Chancen. Publisher entwickeln sich zunehmend von reinen Traffic-Lieferanten zu relevanten Informationsquellen entlang des gesamten Entscheidungsprozesses. Wer diese Entwicklung frühzeitig berücksichtigt und seine Affiliate-Strategie entsprechend weiterentwickelt, kann auch in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt nachhaltig wachsen.

Katharina Hörmann
Katharina Hörmann
Katharina Hörmann startete im April 2022 als Trainee im Affiliate Marketing bei der MAI xpose360 GmbH. Inzwischen ist sie als Affiliate Marketing Managerin tätig und betreut sowohl B2C- als auch B2B-Kunden in den Bereichen Retail und Vertragswesen. Zudem ist sie verantwortlich für das Format #AskTheExpert hier auf dem Blog.

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