Awin steigert den Gewinn in 2019 um 39%

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Am 11.03.2020 wurde von Axel Springer die neue Bilanz von 2019 veröffentlicht.

Interessant ist natürlich, wie sich dabei das Affiliate-Netzwerk Awin im letzten Jahr entwickelt hat. Das Performance Marketing ist dabei in der Awin-Gruppe gebündelt.

Wir haben uns daher die Mühe gemacht, uns den 191-seitigen Geschäftsbericht einmal intensiv anzuschauen und dabei die Entwicklung, sowie die weitere Strategie von Awin zu analyiseren.

Bereits im Oktober 2017 haben dabei Axel Springer und United Internet ihre Unternehmen Awin und affilinet zusammengeführt, um ein gemeinsames Affiliate-Netzwerk aufzubauen. Axel Springer stärkt hierduch seine Wettbewerbsposition im Affiliate-Marketing-Bereich. Nach Einbringung von 100 % der affilinet-Anteile durch United Internet hält United Internet 20 % an der Awin-Gruppe. Zuvor hatte Axel Springer im Rahmen einer Optionsvereinbarung die noch von der Swisscom Schweiz AG gehaltenen Anteile (47,5 %) für einen Kaufpreis von 62,4 Mio. Euro übernommen. Die Zusammenführung der Expertise, Kompetenzen und Reichweiten von Awin und affilinet ermöglicht den Ausbau innovativer Erlösmodelle, um weitere Wachstumspotenziale zu heben. Die vorläufigen Anschaffungskosten des Erwerbs der affilinet-Gruppe betrugen 100,6 Mio. Euro und umfassten den im Geschäftsjahr 2017 gezahlten Kaufpreis von 1,4 Mio. Euro sowie den Zeitwert der im Tausch hingegebenen 20 % der Anteile an der Awin-Gruppe von 99,2 Mio. Euro.

Bereits im Januar 2017 hat die mehrheitlich zu Axel Springer gehörende Awin-Gruppe (zuvor Zanox-Gruppe) 100 % der Anteile an ShareASale, einem führenden Affiliate-Netzwerk in den USA, erworben. Die vorläufigen Anschaffungskosten betrugen 44,4 Mio. Euro und enthielten neben dem gezahlten Kaufpreis eine von der Ergebnisentwicklung abhängige bedingte Kaufpreisverbindlichkeit in Höhe von 9,3 Mio. Euro.

Gewinnwachstum von 39,4%

Erfreulich für Awin ist sicherlich das Wachstum des bereinigten EBITDA (Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) von 39,4%. So konnte der Gewinn von 31,2 Mio. Euro in 2018 auf 43,5 Mio. Euro in 2019 erhöht werden. Organisch belief sich der Anstieg auf 36,3%. Der Grund für diesen starken Zuwachs sind vor allem die im Vorjahr angefallenen höheren Integrationskosten für die Zusammenführung von Awin und affilinet, die im letzten Jahr noch das bereinigte EBITDA belastet hatten.

Umsatzwachstum von 5,8%

Auch die Umsätze konnten 2019 um 5,8% auf 193,7 Mio. gesteigert werden (2018 lagen diese noch bei 183,1 Mio. Euro).

Von 2017 zu 2018 lag das Wachstum allerdings noch bei 14,7%, was allerdings v.a. von der Erstkonsolidierung von affilinet positiv beeinflusst wurde.


(Quelle: Axel Springer Geschäftsbericht 2019)

Die weiteren Ziele und Strategien von Awin für 2020

Lt. des Geschäftsberichtes wird Awin nachhaltig in die Entwicklung einer SaaS-Selfservice-Lösung für kleine und mittelständische Unternehmenskunden investieren, welche diesen eine eigenständige Kampagnenkoordination und -ausspielung ermöglicht. Dieses Angebot soll Awin als Technologieführer am Markt etablieren und mittelfristig die Kosten der Kampagnenkoordination senken.

Mögliche Risiken für Awin (lt. Geschäftsbericht)

Das Affiliate-Marketing ist durch die Digitalisierung weiterhin einer hohen Markt- und Wettbewerbsdynamik ausgesetzt, die zu Marktanteilsverlusten und somit zu Umsatz- und Ergebnisrückgängen führen könnten. Insbesondere der Wettbewerb durch die weltweit agierenden Internet-Großkonzerne Google, Apple, Facebook und Amazon, kurz GAFA genannt, nimmt weiterhin kontinuierlich zu. Diese Unternehmen bündeln nicht nur spezialisiertes Wissen in ihren Konzernen, sondern geben im Zuge der digitalisierten Globalisierung weltweit die Richtung vor, treten in neue Marktsegmente ein und konkurrieren teilweise auch mit den Aktivitäten von Awin.

Neue innovative oder disruptive Geschäftsmodelle, das Verpassen von (Markt-)Trends und neue Technologien sowie allgemein die mangelnde Weiterentwicklung könnten ebenso zu einer potenziellen Gefährdung der bestehenden Marktposition beitragen und Umsatz- und Ergebnisrückgänge zur Folge haben. Zur Begrenzung der genannten Markt- und Wett-bewerbsrisiken erfolgt eine systematische und kontinuierliche Beobachtung des relevanten Markt- und Wettbewerbsumfelds und sich abzeichnender Trends. Auf Grundlage dieser Informationen werden Steuerungsmaßnahmen für die operative Unternehmensführung abgeleitet. Die Attraktivität der Geschäftsmodelle möchte Awin durch Investitionen in innovative Produktentwicklungen und -anpassungen, neue hochwertige Services, den Einsatz neuer Technologien, zielgruppenorientiertes Marketing und die Erhöhung der Markenbekanntheit verbessern. Mit diesen Maßnahmen möchte Awin sich den verändernden Kundenbedürfnissen gerecht werden und zugleich den Abstand zum Wettbewerb halten bzw. ausbauen oder verringern. Auch die Einstellung und Weiterentwicklung von hoch qualifiziertem Fachpersonal und der Ausbau langfristiger Kundenbeziehungen wirken risikoreduzierend.

Erwartetes wirtschaftliches Umfeld für 2020

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet in seinem Ausblick vom Januar 2020 eine Erholung der Weltwirtschaft und prognostiziert für das Jahr 2020 ein globales Wirtschaftswachstum von real 3,3%. Darin kommt vor allem eine stärkere Wachstumsdynamik in den Industrieländern zum Ausdruck, die der IWF auf eine gelockerte Geldpolitik und eine anziehende Binnennach-frage zurückführt. Diese Vorhersagen reflektieren noch nicht die möglichen, derzeit noch nicht genau zu beziffernden negativen Auswirkungen, die sich in der Folge des um den Jahreswechsel 2019/2020 aufgetretenen Coronavirus für die Weltwirtschaft ergeben.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht die deutsche Konjunktur zwar noch in einer Schwächephase. Im Jahr 2020 dürfte Deutschland aber wieder kräftiger wachsen. Die Wachstumsrate dürfte dann bei preisbereinigt 1,2% liegen. Steigende Löhne und Renten dürften zu einer Erhöhung des privaten Konsums um real 1,7% führen. Das DIW rechnet angesichts verbesserter Geschäftserwartungen wieder mit einer höheren Auslastung der Kapazitäten und demzufolge mit einer Steigerung der preisbereinigten Ausrüs-tungsinvestitionen um 2,9% im Jahr 2020. Nach einem schwächeren Zuwachs der Auslandsnachfrage prognostizieren die Wirtschaftsforscher im Jahr 2020 wieder einen Exportzuwachs von real 3,0%. Dem stehen voraussichtlich noch stärker steigende Importe um real 3,9% gegenüber. Das DIW rechnet für das Jahr 2020 mit einer leichten Steigerung der Verbraucherpreise um 1,5%. Die Unternehmen dürften angesichts des anhaltend kräftigen privaten Verbrauchs die Lohnsteigerungen zumindest teilweise an die Konsumenten weitergeben. Die Zahl der Erwerbstätigen wird laut DIW voraussichtlich um rund 160.000 auf jahresdurchschnittlich 45,4 Mio. Personen steigen. Die Arbeitslosenquote dürfte angesichts gebremster Dynamik auf dem Arbeitsmarkt bei 5,0% verharren.

Werbewachstum 2020

Nach der aktuellen Werbemarktprognose von Zenith-Optimedia wird für das Jahr 2020 weltweit ein Plus von 4,2% (nominal) erwartet. Die Verlagerung der Werbebudgets ins Internet setzt sich mit unverminderter Geschwindigkeit fort.

Laut der aktuellen Prognose von ZenithOptimedia wird bis zum Ende des Jahres 2020 fast die Hälfte (49,5%) der weltweiten Werbeausgaben in Online-Werbung fließen. Die bisher vorliegenden Prognosen für Deutschland zeigen für die einzelnen Mediengattungen ein weitge-hend ähnliches Bild. ZenithOptimedia erwartet für den Nettowerbemarkt (Werbeumsätze nach Abzug von Rabatten und Mittlerprovisionen) 2020 in Deutschland einen leichten Anstieg um 0,5% (nominal). Unternehmen agieren derzeit vorsichtig, da wirtschaftliche Unsicherheiten wie Handelskonflikte und der Brexit sich negativ auf die Kostenstruktur von Unternehmen auswirken können. Die Entwicklung des Werbemarktes insgesamt liegt damit unterhalb des Wachstums der Gesamtwirtschaft, das laut ifo Institut bei einem nominalen Plus von 3,2% (+1,1% real) liegen soll. Für Zeitungen (–6,8%) und Zeitschriften (–7,6%) sowie für lineares TV (–1,5%) wird von ZenithOptimedia ein Rückgang der Nettowerbeumsätze prognostiziert. Zuwächse im Werbemarkt werden von Digital (+7,7%), Outdoor (+1,8%) und Radio (+1,0%) erwartet.

In den Prognosedaten spiegelt sich weiterhin die strukturelle Umverteilung der Werbeausgaben zugunsten digitaler Angebote wider. 2020 soll der Anteil von Online und Mobi-le in Deutschland auf 40,5% steigen. Damit liegt Deutschland unter dem globalen Durchschnitt (49,5%). Laut ZenithOptimedia werden die Verlage von den zusätzlichen Online-Werbeumsätzen kaum profitieren. Grund ist die Dominanz der großen Tech-Konzerne aus den USA.

Die globalen Trends geben auch für Deutschland die Richtung vor. Das Wachstum des Werbemarktes ist technologiegetrieben, insbesondere in den Wachstumsfeldern Mobile, Online-Bewegtbild (Video), Social Media, digitale Audiowerbung und Programmatic. Dank der weiterhin zunehmenden Verbreitung mobiler Geräte, technischer Verbesserungen der Werbeformen und Erhöhung der Werbeformenvielfalt sowie der technischen Innovationen bei der Aussteuerung von geräteübergreifenden Kampagnen wird weiterhin mit einem deutlichen Zuwachs bei den digitalen Werbeinvestitionen gerechnet.

Weitere Strategie von Awin für 2020

Die Mittelfristplanung der Awin-Gruppe ist im Wesentlichen durch die Umsetzung strategischer Projekte gekennzeichnet. Diese umfassen die Schaffung einer Self-Service-Plattform für kleine und mittlere Unternehmen, maßgeschneiderte Software-as-a-Service-Lösungen für
Großkunden und die Etablierung flexibler Bezahlmodelle. Hierdurch sollen Bestandskunden stärker gebunden und Neukunden gewonnen werden, sodass eine deutliche Steigerung des Erlöswachstums über die nächsten Jahre realisiert werden kann.

Lt. Konzernchef Mathias Döpfner sei es derzeit noch offen, ob man den langfristig nicht zum Kerngeschäft gehörenden Online-Werbevermarkter Awin an die Börse bringe, ganz oder in Teilen verkaufe. Es gebe keinen Zeitdruck und Awin entwickle sich gut. Folgen des Coronavirus auf das eigene Geschäft kann Springer lt. Finanzchef Julian Deutz noch nicht abschätzen.

Den kompletten Geschäftsbericht finden Sie hier zum Download.