Auswirkungen der Corona-Krise auf das Affiliate-Marketing

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Der Corona-Virus/CONVID-19 hat die Welt fest im Griff. Das AffiliateBLOG-Redaktionsteam arbeitet derzeit sicher im Homeoffice und informiert Euch daher auch weiterhin über die aktuellen Trends und Entwicklungen im Affiliate-Marketing. Einblicke aus unserem Homeoffice findet Ihr hier.

Vorabinfo

Wir möchten an dieser Stelle vorab noch klarstellen, dass wir den Opfern und Betroffenen des Virus Würde und Respekt zollen. Wir fühlen mit den betroffenen Familien und wünschen diesen viel Kraft und hoffentlich baldige Gesundheit.

Wir möchten unseren ausdrücklichen Dank an alle ehrenamtliche Helfer, Krankenpfleger/innen, Ärzte, das THW, die Feuerwehr, Polizei, das Militär, und alle anderen fleißigen Helfer richten, welche unser gesellschaftliches Leben an dieser Stelle mit ermöglichen und bereichern.

Aktuelle Situation

Die Corona-Pandemie hat aktuell nicht nur die Welt, sondern auch die Marketing-Branche fest im Griff. Für einen Großteil des Werbemarktes ist Corona derzeit ein Desaster. Nicht nur, dass das Geschäft von Event-Veranstaltern, Reiseunternehmen und Fluggesellschaften massiv eingebrochen ist, so drohen auch den globalen Lieferketten Unterbrechungen. Daher kürzen derzeit Unternehmen die Ausgaben v.a. dort, wo es am schnellsten geht und das sind oftmals die Marketing- und Werbekosten.

Aus einer Agenturumfrage des Agenturverbands GWA geht hervor, dass über die Hälfte der Agenturen für das laufende Jahr Umsatzeinbrüche erwarten. Ob das auch für die Affiliate-Branche gilt, ist derzeit nur in Einzelfällen bereits absehbar.

Allerdings gibt es auch Marketinggattungen wie z.B. die Out-of-Home-Branche, die enorme Stornierungen verzeichnen, da alle Zielgruppen nun zu Hause bleiben müssen.

Aber auch erste Advertiser wie z.B. Zooplus drosseln ihre Werbebudgets. So wurden die Affiliate-Partner bereits informiert, dass Gutschein und Shop-Aktionen bereits pausiert wurden. Zudem wurden die Provisionen für Bestandskunden und für Neukunden reduziert. Auch Lufthansa hat seine Marketing- und Werbeausgaben bis auf weiteres auf das absolute Minimum reduziert.

88% der Unternehmen von den Auswirkungen betroffen

Der bevh (Bundesverband E-Commerce und Versandhandel) hat in einer Umfrage unter seinen Mitgliedsunternehmen herausgefunden, dass 88,3% der Unternehmen aktuell bereits direkt von den Auswirkungen der Corona-Pandemi betroffen sind.

50% der Unternehmen rechnen sogar mit einer temporären Schließung, zumindest von einzelnen Bereichen im Jahresverlauf.

41% der befragten Unternehmen verzeichnen bereits jetzt Nachfragerückgänge und mehr als sechs von zehn erwarten diese im Jahresverlauf. Zudem gehen fast 50% der E-Commerce-Unternehmen von Umsatz- und Ergebnisminderungen durch Lieferengpässe aus. V.a. der stationäre Handel ist derzeit davon stark betroffen.

Auswirkungen auf die Affiliate-Branche

Um ein objektives Stimmungsbild der Affiliate-Branche zu erhalten, haben wir in der vergangen Woche eine Umfrage unter Advertisern, Affiliates, Agenturen und Netzwerken durchgeführt.

Über 70 Teilnehmer haben dabei an der Umfrage teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Akteure die Auswirkungen noch nicht wirklich abschätzen können.

Die Mehrheit der Advertiser sieht allerdings aktuell eher negative Auswirkungen auf das Business. 49% der Advertiser rechnen mit negativen Auswirkungen durch weniger Bestellungen und 23% durch Lieferengpässe. Dennoch sehen auch 43% der Advertiser positive Auswirkungen der Corona-Krise auf die Geschäftsentwicklung.

Diese Entwicklung hat zum Teil auch Konsequenzen auf die Affiliate-Programme. Zwar bleibt bei 33% der Advertiser erst einmal alles wie gehabt. Dennoch denken aktuell bereits 18% der Advertiser über eine Pausierung/Beendigung ihres Affiliate-Programms nach und 27% planen ihr Budget zu reduzieren. Immerhin 18% investieren in der aktuellen Situation auch mehr Budget in das Affiliate-Marketing, um dadurch Online von den Einschnitten im stationären Handel zu profiteren.

Auch bei den Affiliates ist die Stimmungslage noch zweigeteilt. 33% der Affiliates können bereits positive Auswirkungen auf den Umsatz erkennen. Aber auch 40% sehen negative Auswirkungen durch weniger Bestellungen und 27% können es derzeit noch nicht abschätzen.

Ähnlich ist es auch bei den Agenturen und Affiliate-Netzwerken. 40% der Befragten sagen, dass die Entwicklung sehr von der jeweiligen Branche abhängig ist. 40% merken zudem aktuell bereits negative Entwicklungen durch Umsatzrückgänge bzw. Zahlungsprobleme und 18% prognostizieren positive Auswirkungen auf das Affiliate-Marketing. 15% können es noch nicht einschätzen.

Wie bei jeder Krise wird es auch bei der Corona-Pandemie Gewinner- und Verlierer-Branchen geben.

Lt. der Umfrage sehen die Teilnehmer aktuell v.a. folgende Top-5-Branchen als mögliche Profiteure der Krise:

  1. Lieferdienste (79%)
  2. Online-Apotheken (71%)
  3. Lebensmittel/Food (71%)
  4. Streaming-Dienste (70%)
  5. Bildung/E-Learning (49%)

Zu den Top-5-Verlierer-Branchen gehören:

  1. Reisen (88%)
  2. Fashion (42%)
  3. Möbel (40%)
  4. Sport/Fitness (33%)
  5. Partnervermittlung/Dating (27%)

Daher ist v.a. bei den „Verlierern“ ist die Hoffnung groß, dass durch ein Abflachen der Krise die Nachfrage wieder steigt. Denn die vergangen Krisen haben auch gezeigt, dass mögliche Verlierer danach auch wieder zu den Gewinnern gehören können. Denn nach einer anstrengenden Krisen-Zeit könnte die Reiselust und das Fernweh wieder enorm steigen und die Reisebranche könnte dann einen Boom erfahren. Ähnlich könnte es auch bei den anderen Branchen ausschauen. Leider kann aktuell allerdings noch niemand einschätzen, wie lange dieser Zeitraum dauert.

Anmerkung: Hierzu muss man natürlich erwähnen, dass die Umfrageergebnisse eine Momentaufnahme darstellt und aktuell noch keiner seriös sagen kann, wie sich die Krise sowohl Gesundheitstechnisch und auch Wirtschaftlich weiter auswirken wird.

Teilnehmerstimmen zur Umfrage

Bei der Umfrage haben wir auch verschiedene Statements von Umfrageteilnehmern erhalten.

„Es wird weiterhin konsumiert und somit online-bestellt, aber man muss sich der Krise stellen und evtl. Ausfälle mit alternativen Einnahmem/Kooperationen kompensieren – Spätestens jetzt ist für Passivität nun kein Platz mehr.“
Ricardo Bohn, salesbutlers.com

„Die Auswirkungen der Corona-Krise waren für uns als News-Publisher von Anfang an zu spüren. Durch den erhöhten Informationsbedarf haben wir deutlich mehr Traffic, und die Themenschwerpunkte verlagern sich. Darauf haben wir auch unseren Affiliate-Bereich umgestellt und unsere Schwerpunkte verlagert. Streaming-Dienste z.B. stehen bei uns nun besonders im Fokus.“
Martin Jäger, Leiter E-Commerce, DuMont Next GmbH & Co. KG

„Es sind verrückte Zeiten und wir stehen grad erst am Anfang der Corona-Pandemie, die uns mit Sicherheit für viele Monate beschäftigen wird. Die Affiliate Branche spürt die Veränderungen deutlich. Travel und lokale (Fitness-)Angebote sind komplett eingebrochen und werden sich so schnell auch nicht erholen können. Home Office Elektronik, Streaming und auch Kinderspielzeug wiederum erleben ein Hoch. Durch die vermehrte Nutzung von Laptops und Desktop PCs zu Hause steigt der Desktop Traffic. Davon profitieren unterschiedlichste Affiliates, u.A. Browser Extensions, wie CHIP Sparalarm. Ich finde es bemerkenswert wie gut die Erreichbarkeit bei vielen Partnern, Merchants und Agenturen ist. Das Arbeiten von zu Hause aus wurde offensichtlich in der Vergangenheit gut erprobt oder wird sogar regelmäßig praktiziert. Dennoch wird die Produktivität deutlich leiden, da z.B. Eltern mit kleinen Kindern zwischen Arbeit und Familie hin und her jonglieren müssen. Gesellschaftlich könnte der Corona Virus unsere Solidargemeinschaft wieder etwas zusammenrücken (so paradox das vor dem Hintergrund der sozialen Isolation klingen mag). Auch für die Klimabelastung bedeutet Corona ein kurz- bis mittelfristiges Aufatmen – ob hier jedoch langfristig positive Effekte zu verzeichnen sind, bleibt fraglich. Es sind verrückte Zeiten und dennoch dürfen wir uns nicht verrückt machen (lassen). Vielleicht ergeben sich sogar Chancen und aus der Situation erwachen ganz neue Ideen, Produkte und Services – „Alles wird gut“ (Nina Ruge). „
Lukas Jakobs, MyOffrz

„Die Corona Krise trifft uns mit voller Wucht und führt zu einem Rückgang der Bestellungen. Wie weit das Ausmaß ist, können wir noch nicht abschätzen. Wir hoffen auf eine schnelle Erholung.“
Andreas Iritz

Veränderung des Einkaufsverhaltens

Der Corona-Virus verändert aktuell auch das Einkaufsverhalten der Kunden. Durch die Einschränkungen im öffentlichen Leben wächst der Online-Handel und belebt dadurch die Wirtschaft. Online-Käufe bieten eine sichere Möglichkeit, sich ohne soziale Kontakte mit Gebrauchsgütern des täglichen Bedarfs einzudecken, aber auch online Produkte zu kaufen, die man sonst im stationären Handel gekauft hätte.

So gibt es bereits bestimmte Bereiche, die enorm vom Corona-Virus profitieren. So haben beispielsweise in den USA die Online-Verkäufe von Toilettenpapier um 186% zugenommen. Zudem wurden 69% mehr Lebensmittel über das Internet bestellt. In China stiegen die Online-Bestellungen von Obst und Gemüse sprunghaft um 600%.

Investitionen in Affiliate-Marketing

Daher sehen viele Experten jetzt als den richtigen Zeitpunkt, um neue Zielgruppen über Online- und Affiliate-Marketing anzusprechen. Gerade Affiliate-Marketing bietet durch seine Vielfalt eine große Reichweite der Affiliate-Seiten an, um damit ein zielgruppenorientiertes Umfeld für eCommerce-Anbieter zu liefern. Empfehlungen für Advertiser

Empfehlungen für Advertiser

Durch die vermehrte Nutzung von Desktop-PCs und Laptops in den Homeoffice-Arbeitsplätzen steigt derzeit auch wieder der Anteil an Desktop-Traffic.

Daraus ergeben sich Chancen für unterschiedliche Affiliate-Modelle, wie z.B. Browser-  Extensions, wie CHIP Sparalarm u.ä.

Auch andere Affiliates wie GSG starten derzeit mit der Kampagne Stay@Home in Kooperation mit FOCUS Online eine News-Ticker-Deal-Aktion, um darüber den Menschen zu ermöglichen von Zuhause aus online Produkte und Waren günstig zu bestellen. Auch andere Partner wie Sparwelt.de starten Aktionen wie Stay at home.

Daher besteht auch eine Chance für viele Partnerprogramme durch strategische Aktionen und Maßnahmen eine gesteigerte Reichweite zu erreichen, um damit einem Umsatzeinbruch entgegenzuwirken und sogar die Anzahl von Neukunden und Umsatz zu steigern.

Des Weiteren ist jetzt auch Kreativität gefragt. Jeder Advertiser sollte sich überlegen, ob es bestimmte Produkte oder Dienstleistungen gibt, die man jetzt in den Fokus stellen sollte. Unternehmen wie Trigema, die bisher als Textilunternehmen bekannt geworden sind, produzieren nun Mundschutz-Masken, um damit dem steigenden Bedarf gerecht zu werden. Daher sollte sich auch jeder Advertiser fragen, wie er sein Unternehmen jetzt dynamisch weiterentwickeln kann, um die entsprechenden Zielgruppen zu erreichen. Unterstützen können hierzu sicherlich auch Berater und Agenturen mit Fachexpertise.

Markus Kellermann, Geschäftsführer der xpose360 GmbH, bewertet die derzeitige Entwicklung der Affiliate-Branche wie folgt: „So schlimm die aktuelle Situation auch für viele Menschen und Unternehmen ist, so müssen die Advertiser natürlich auch weiterhin wirtschaftlich agieren. Man kann davon ausgehen, dass v.a. der Onlinehandel mit Umsatzsteigerungen rechnen kann. Allerdings wird es für den E-Commerce entscheidend sein, neben der schnellen Auslieferung auf der letzten Meile auch die gesamte Lieferkette in Krisenzeiten sicherzustellen. Speziell im Bereich Affiliate-Marketing beraten wir aktuell unsere Kunden entsprechen der individuellen Situation und den jeweiligen Herausforderungen was die beste Strategie ist und welche Potentiale sie sich aktuell erschließen können.“

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf andere Unternehmen

Negativ werden die Auswirkungen sicherlich bei Unternehmen sein, die auch einen großen Umsatz über den stationären Handel generieren. So bekommt z.B. H&M immer stärker die Folgen der Corona-Krise zu spüren, da alle Länden von H&M mittlerweile in vielen Ländern wie Italien, Polen, Spanien, Tschechische Republik, Bulgarien, Belgien, Österreich, Luxemburg, Bosnien-Herzegowina, Slowenien, Kasachstan und Frankreich komplett geschlossen sind. Dadurch ist die Nachfrage natürlich signifikant eingebrochen.

Der Shopsoftware-Anbieter Gambio sagt, dass der Ausbruch des Corona-Virus die Nachfrage in vielen Bereichen des eCommerce deutlich steigert und dass dieser Trend auch in den kommenden Wochen eher zunehmen wird. Die Bedrohnung liegt allerdings in den Lieferketten.

Auch AboutYou sieht v.a. einen möglichen Lagerausfall als das größte Corona-Risiko, auch wenn die Nachfrage aktuell weiter steigt.

Zu den großen Profiteuren der Krise gehört auch Bofrost. Dem Tiefkühlprodukte-Lieferdienst rennen die Kunden derzeit die Bude ein. Neben höheren Bestellumsätzen bei Bestandskunden verzeichnet Bofrost auch einen hohen Anstieg von Neukunden. So konnte das Bestellvolumen im Onlinehandel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits verdoppeln.

Auch Startups wie Happypo profitieren aktuell von der Situation. Der Produzent von Poduschen konnte durch die große Nachfrage nach Toilettenpapier seinen Umsatz versiebenfachen.

Die Shop-Apotheke plant bedingt durch den Corona-Virus für 2020 erstmals den Break-Even. Zudem peilt der Online-Arzneimittelhändler dieses Jahr ein deutliches Umsatzwachstum von rund 20% im Vergleich zum Vorjahr an.

Der schweizer Online-Händler Brack.ch verzeichnet eigenen Aussagen zufolge derzeit ein Aufkommen an Bestellungen, dass spürbar höher ist als im Weihnachtsgeschäft. Deswegen wurde jetzt auch die Logistik verstärkt.

Empfehlungen für Online-Händler

Um von der Krise zu profitieren sollten sich Online-Händler entsprechend vorbereiten und die nötigen Vorkehrungen für die weitere Entwicklung treffen. Auf shopanbieter.de gibt es hierzu einen ausführlichen Artikel den wir Euch kurz zusammenfassen möchten.

1. Das Lager schützen

Um der steigenden Online-Nachfrage gerecht zu werden, sollten die Händler ihre Lieferwege und Lagerhaltungen überprüfen. Hierzu gibt es folgende Empfehlungen:

– Einkäufe erhöhen und Lager mit zusätzlichen Waren befüllen
– Mitarbeiterrotationen erwägen, um die Mitarbeiter zu schützen
– Kurzarbeit beantragen
– Lagerlogistik/Produktion auf mehrere Standorte aufteilen
– Lagerkapazitäten bei externen Fulfillmentdienstleistern aufstocken
– Weitere Versanddienstleister dazunehmen

2. Finanzen schützen

Die finanzielle Beweglichkeit der Unternehmen muss geschützt werden. Hierzu gibt es folgende Empfehlungen:

– Zahlungsziele für Kredite, Lieferanten, Gläubiger
– Steuervorauszahlungen möglichst verschieben oder verringern
– Finanziellen Spielraum mit der Bank klären
– Vorsicht vor selbstschuldnerischen Haftungen
– Finanzielles Umschichten, um Bank- und Kreditausfällen vorzubeugen