Teil 1 – Affiliate-Marketing im Spannungsfeld der Wirtschaft – Konjunktur, Konsum und die neue Rolle von Performance-Kanälen

Diese 9-teilige Artikelserie von Affiliate-Experte Markus Kellermann analysiert die Entwicklung des Affiliate-Marketings in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Auf Basis der aktuellen Ergebnisse des Affiliate Trend Reports 2026 werfen wir einen fundierten Blick auf Marktveränderungen, strategische Chancen und strukturelle Risiken für Advertiser, Affiliates und Netzwerke. Im ersten Teil der Serie steht die gesamtwirtschaftliche Ausgangslage im Fokus. Wir zeigen, wie sich Konjunktur, Konsumverhalten und Onlinehandel in den Jahren 2025 und 2026 entwickeln und warum gerade diese Rahmenbedingungen das Affiliate-Marketing in eine besondere Position bringen.

Die deutschen und europäischen Märkte befinden sich auch 2025 und 2026 in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit. Zwar hat sich die konjunkturelle Lage gegenüber den Krisenjahren 2022 und 2023 etwas stabilisiert, von einem echten Aufschwung kann jedoch keine Rede sein. Die Industrie klagt über hohe Standortkosten, der Mittelstand über ausufernde Bürokratie und viele Konsumentinnen und Konsumenten bleiben im Alltag zurückhaltend.

Konjunktur, Investitionen und strukturelle Belastungen

Ein Blick auf die deutsche Wirtschaft zeigt exemplarisch, wie fragil die Lage ist. Denn laut der Konjunkturprognose des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bleibt Deutschland in einer tiefen Schwächephase gefangen und findet erst einmal noch nicht aus der Stagnation heraus. Hohe Energie- und Arbeitskosten, zunehmende Regulierung, geopolitische Spannungen und protektionistische Tendenzen bremsen Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit spürbar. Die Exporte werden trotz neuem Zoll-Deal mit den USA voraussichtlich um 0,5 Prozent sinken und sich frühestens 2026 leicht erholen. Gleichzeitig werden die Bruttoanlageinvestitionen im Gesamtjahr 2025 nach aktuellen IW-Prognosen um rund 2,5 Prozent zurückgehen und liegen damit weiterhin etwa 11 Prozent unter dem Niveau von 2019. Zusätzlich weisen die neuesten Quartalsdaten darauf hin, dass die Bruttoanlageinvestitionen im 2. Quartal 2025 auf 173,50 Mrd. Euro gefallen sind, nachdem sie im Quartal zuvor höher lagen.

Besonders kritisch sind weiterhin die Ausrüstungsinvestitionen, die mit einem Rückgang von rund 2,5 Prozent im Jahr 2025 prognostiziert werden und damit das zukünftige Wachstumspotenzial belasten. Auch die Baubranche bleibt im Rückwärtsgang: Bauinvestitionen sinken erneut um 1,7 Prozent, im Wohnungsbau noch stärker, erst 2026 könnte staatliche Förderung eine leichte Entspannung bringen. Der private Konsum wächst nur um etwa ein Prozent, da viele Haushalte angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit vorsichtig bleiben, während der Arbeitsmarkt stagniert: die Erwerbstätigkeit verharrt bei rund 46 Millionen Menschen, die Arbeitslosenquote bleibt erhöht und Reformen wie beim Bürgergeld greifen frühestens 2026. Insgesamt zeigt sich ein fragiles wirtschaftliches Umfeld, in dem Unternehmen stärker auf Effizienz, Performance und kalkulierbare Kanäle setzen müssen. Genau hier profitiert das Affiliate-Marketing, das in konjunkturell angespannten Zeiten durch seine risikoarme, performancebasierte Struktur besonders relevant bleibt

Inflation: Entspannung mit Einschränkungen

Parallel dazu hat sich die Inflation deutlich normalisiert, ohne die Haushalte vollständig zu entlasten. Nach den extremen Teuerungsraten der Jahre 2022 mit knapp 7 Prozent und 2023 mit fast 6 Prozent, ist die Inflationsrate in Deutschland 2025 weiter auf niedrigem Niveau geblieben. Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Teuerung im September 2025 bei 2,4 Prozent lag und im Oktober auf 2,3 Prozent gefallen ist. Vor allem Energie ist im Jahresvergleich günstiger geworden, während Dienstleistungen und Lebensmittel weiterhin als Preistreiber gelten.

Trotz der leichten Entspannung bei Energie- und Verbraucherpreisen bleibt der wirtschaftliche Druck auf viele Unternehmen hoch. Die Zahl der Firmeninsolvenzen steigt inzwischen seit Monaten deutlich an. Bereits 2024 war mit 21.812 Unternehmenspleiten der höchste Wert seit 2015 erreicht. Für 2025 rechnen Marktbeobachter und Wirtschaftsorganisationen nun mit noch mehr Insolvenzen im Gesamtjahr. Auch die DIHK geht davon aus, dass die Marke von 22.000 Fällen klar überschritten wird. Für 2026 erwartet der Kreditversicherer Allianz Trade rund 24.500 Insolvenzen, was einem leichten Anstieg um ein Prozent entspricht. Vor allem die Folgen internationaler Handelskonflikte könnten die Widerstandsfähigkeit vieler Betriebe zusätzlich belasten. Erst 2027 könnte sich die Lage etwas aufhellen. Dann prognostiziert Allianz Trade einen Rückgang auf etwa 23.500 Fälle, unterstützt durch konjunkturelle Gegenmaßnahmen der Bundesregierung.

Kaufkraft steigt – Konsum bleibt verhalten

Auf der Konsumentenseite zeichnet sich ein differenziertes Bild ab. Die aktuelle Kaufkraftanalyse des Customer Intelligence Anbieters Acxiom zeigt, dass die durchschnittliche Kaufkraft pro Einwohner 2025 bei 27.925 Euro liegt, ein Plus von 1.055 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Die Gesamtkaufkraft in Deutschland steigt damit auf 2.376 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 4,3 Prozent entspricht. Gleichzeitig betonen die Studienautoren, dass die Konsumfreude trotz dieser nominal positiven Entwicklung verhalten bleibt. Höhere Löhne und steigende staatliche Transferleistungen wie Renten und Kindergeld stabilisieren die Budgets, doch viele Haushalte treten weiterhin auf die Ausgabenbremse.

Für den Handel insgesamt ist der Onlinekanal weiterhin ein zentraler Stabilisator. Nach einer Phase der Stagnation und leichten Rückgänge in den Vorjahren rechnet der Handelsverband Deutschland für 2025 wieder mit einem Anstieg des Umsatzes im Onlinehandel auf 91 Milliarden Euro. Die aktuellen Zahlen des Verbandes und flankierende Analysen gehen von einem b Wachstum im Bereich von rund zweieinhalb bis vier Prozent gegenüber 2024 aus. Das EHI Retail Institute spricht von einem Aufwärtstrend im Onlinehandel und betont, dass es erstmals seit 2021 wieder ein deutliches Umsatzwachstum im digitalen Vertrieb gibt.

Affiliate-Marketing im ökonomischen Spannungsfeld

Damit ergibt sich für Marken und Händler eine gemischte Ausgangslage. Die gesamtwirtschaftliche Stimmung bleibt verhalten, die Zahl der Firmenpleiten steigt, gleichzeitig verbessern sich Inflation und Kaufkraft messbar und der Onlinehandel wächst nach Jahren der Seitwärtsbewegung endlich wieder. Genau in diesem Spannungsfeld positioniert sich das Affiliate-Marketing als Kanal, der auf Effizienz, Transparenz und Performance ausgerichtet ist und von diesen strukturellen Verschiebungen besonders profitieren kann.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich das Affiliate-Marketing als einer der stabilsten Bereiche im digitalen Marketing. Der Kanal bleibt ein wichtiger Bestandteil der Wachstumsstrategie vieler Unternehmen. Durch seine klare Performance Orientierung, die Vielfalt der Publisher-Modelle und die zunehmende Messbarkeit entlang der gesamten Customer-Journey ist das Affiliate-Marketing auch 2026 ein verlässlicher Hebel für Umsatzsteigerungen, Neukundengewinnung und nachhaltigen Reichweitenaufbau.

Ausblick auf die Affiliate-Industrie 2026

Doch wie entwickelt sich eigentlich die Affiliate-Industrie 2026 und welche Auswirkungen haben die wirtschaftlichen Entwicklungen auf die Affiliate-Branche in den kommenden Jahren?
Um hier einen objektiven Blick auf die weiteren Trends und Entwicklungen zu werfen, haben wir in Kooperation mit der Performance-Marketing-Agentur MAI xpose360 und dem AffiliateBLOG.de auch in diesem Jahr wieder eine große Trend-Umfrage unter 1.200 Affiliates, Merchants, Agenturen und Netzwerken/Technologien (ANT) durchgeführt. Zudem haben wir 47 wichtige Expert:innen der Branche nach ihrer Einschätzung gefragt, um ein unabhängiges Bild über weitere Trends und Entwicklungen zu erhalten.

Fazit: Wirtschaftlicher Gegenwind trifft auf strukturelle Stärke

Die wirtschaftliche Realität in Deutschland und Europa bleibt auch 2025 und 2026 von Unsicherheit geprägt. Investitionsschwäche, steigende Insolvenzen und eine weiterhin fragile Konsumstimmung bestimmen das Umfeld, in dem Unternehmen ihre Marketingstrategien neu justieren müssen. Gleichzeitig zeigen sich erste Lichtblicke. Inflation und Energiepreise haben sich normalisiert, die Kaufkraft steigt nominell und der Onlinehandel wächst nach Jahren der Stagnation wieder spürbar.
Gerade in diesem Spannungsfeld entfaltet das Affiliate-Marketing seine besondere Stärke. Als performancebasierter, transparent steuerbarer und risikoarmer Kanal passt es ideal zu einer Zeit, in der Effizienz, Messbarkeit und Flexibilität wichtiger sind als expansive Branding-Budgets. Die Vielfalt an Publisher-Modellen, die Nähe zur Customer Journey und die zunehmende technologische Reife machen Affiliate-Marketing zu einem stabilisierenden Faktor im digitalen Marketing-Mix.
Der erste Teil dieser Serie zeigt damit klar. Affiliate-Marketing ist kein Profiteur kurzfristiger Trends, sondern ein struktureller Gewinner wirtschaftlicher Umbrüche. Wie sich diese Stärke 2026 konkret in Umsätzen, Strategien, Technologien und neuen Partnerschaften niederschlägt, beleuchten wir in den kommenden Teilen dieser Artikelserie auf Basis der umfangreichen Trend-Umfrage unter 1.200 Marktteilnehmenden.

Markus Kellermann
Markus Kellermannhttps://www.affiliateblog.de
Markus Kellermann ist bereits seit 1999 im Online-Marketing tätig und Geschäftsführender Gesellschafter der Digital-Marketing-Agentur xpose360 GmbH mit Sitz in Augsburg. Als Autor hat Markus Kellermann bereits eine Vielzahl von Artikeln in Fachmagazinen publiziert. Zudem organisiert er mit der Affiliate Conference, dem Affiliate Innovation Day und der Influencer Conference drei der bedeutendsten Online-Marketing-Veranstaltungen und betreibt neben dem Affiliate-Portal affiliateBLOG.de auch den Podcast Affiliate MusixX.

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