Zunahme von Sales-Stornierungen aufgrund der Corona-Krise

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In letzter Zeit häufen sich Meldungen von Affiliates, dass Provisionen ungerechterweise storniert wurden, oder auch Provisionen reduziert werden.

Mahnung von Tradedoubler an Advertiser

Nun hat auch das Affiliate-Netzwerk Tradedoubler eine E-Mail an Advertiser verschickt, die auf einen Anstieg von ungerechtfertigten Provisionsstornierungen hinweist:

„Aufgrund der Covid-19-Pandemie hat Tradedoubler eine verstärkte Löschung von Verkäufen in unseren Partnerprogrammen festgestellt. Auch wenn wir alle mit den Schwierigkeiten der Covid-19-Krise konfrontiert sind, müssen die Geschäftsbedingungen beiderseitig respektiert werden…

…In letzter Zeit haben wir festgestellt, dass einige unserer Händler Sales löschen, für die dem Kunden keine Rückerstattung, sondern bspw. ein Wert-/Gutschein angeboten wurde obwohl der Sale damit nicht storniert, sondern nur auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurde. Weiterhin gab es Fälle, in denen Verkäufe mit verlängerter Lieferzeit gelöscht wurden, bevor der Einkauf dem Käufer überhaupt zugestellt wurde. Für diese getrackten Sales hat der Publisher sowie Tradedoubler jedoch Leistung erbracht.

Eine Neuklassifizierung ist daher aus oben geschilderten Gründen nicht konform mit den allgemeinen Geschäftsbedingungen. Es handelt sich bei allen genannten Fällen um keinen der vereinbarten Gründe, sondern um einen gültigen Verkauf, welcher daher auch entsprechend an den Publisher vergütet werden sollte.

Im Interesse unseres gesamten Netzwerks bitten wir daher alle Advertiser sich bei der Validierung von Sales auf die vereinbarten Geschäftsbedingungen und die darin definierten Fälle zu beziehen. „

Amazon kürzt Provisionen in den USA

Auch Amazon, als eines der größten Affiliate-Programme, hat seine Affiliates darüber informiert, dass sie die Provisonen drastisch kürzen werden. Zum 21. April wird, erst einmal in den USA, in einigen Kategorien sogar weniger als die Hälfte an die Partner ausgezahlt. Für Möbel wären es z. B. anstelle von 8% nur noch 3%. Amazon dürfte wahrscheinlich zu den Gewinnern in der aktuellen Krise gehören. Eine wirkliche Erklärung für die Kürzung der Provisionen ist noch offen.

Zunahme von Beschwerden aus der Affiliate-Branche

Auch in den Social-Medien liest man immer mehr Vorwürfe hinsichtlich den neuen Herausforderungen für Affiliates aufgrund der Corona-Krise.

So schreibt beispielsweise Martin Jäger vom Verlag DuMont: „Ein Punkt der mir jedoch sauer aufstößt und den man durchaus nochmal beleuchten sollte ist der Umgang von Advertisern mit Publishern während der Krise. Aussetzung von Zahlungszielen, Reduzierung von Provision, Pausierung von Partnerprogrammen. Hier wird aus meiner Sicht in vielen Fällen wenig Partnerschaftlich agiert. „

Auch Johannes Fries, Head-of-Affiliate-Marketing bei der Agentur Projecter
schreibt: „Dass Autofreigaben bedingt durch lange Lieferzeiten (v.a. Möbel) angepasst werden, erscheint logisch. Dass jedoch durch die Corona-Pandemie Rechnungen erst verspätet beglichen werden, obwohl der Affiliate seine Werbeleistung erbracht hat, finden wir schade. Gleiches gilt für die Senkung von Provisionen. Der entstandene Umsatz wird sicherlich gerne mitgenommen, jedoch erscheint die Leistung nun weniger wert? Fraglich! Zumal im Affiliate Marketing größtenteils auf Performance-Basis vergütet wird, d.h. erst bei einem generierten Umsatz erhält der Partner auch eine Provision.“

Thomas Punzel, Head-of-Key-Account-Management bei der Global Savings Group schreibt: „Amazon ist bei weitem nicht der einzige umsatzstarke Advertiser, welcher die aktuelle Situation als Vorwand nutzt die Provision zu kürzen, die Provisionsrate auf 0% zu setzen oder das PP komplett schließt – Travel Merchants ausgenommen. Leider scheint dies mittlerweile Praxis zu werden und Amazon wird nicht der letzte sein. Die Argumente werden immer fadenscheiniger und sind z.T. ein Schlag ins Gesicht für all diejenigen Player im Affiliate Marketing, welche diese Unternehmen in den letzten Jahren im Online-Bereich groß gemacht haben. Dennoch muss man dem ganzen auch etwas positives abgewinnen, es DIE Chance für die kleinen schlank aufgestellten und flexibel operierenden Advertiser, den großen vom Umsatzkuchen, Teile abzuknöpfen. „

Frank Fesske von Kwanko Deutschland schreibt: „Insgesamt sollten alle Beteiligten im Affiliate Kanal mal ihren Umgang miteinander überprüfen und reflektieren. Affiliate Marketing funktioniert nur, wenn wirklich alle an einem Strang ziehen und man fair miteinander umgeht. Immer und in jeder Situation und wie viele auch schon sagten – Kommunikation ist wichtig und zwar nicht immer von oben nach unten, sondern auf Augenhöhe!“

Philipp Rössel, Regional Lead Switzerland & Austria von Sparwelt schreibt: „Leider ist in den letzten Jahren vermehrt eine Verrohung in der Beziehung Advertiser/Affiliate festzustellen (durchaus beiderseits und auch die Netzwerke will ich hier nicht ausser Acht lassen)…nicht erst seit Corona. Da werden Programme von einem Tag auf den anderen pausiert, Provisionen von einen Tag auf den anderen gekürzt und eine Kommunikation findet immer weniger statt. Das ist schade – aber es gibt zum Glück auch noch genügend Partner in unserem Business die wirklich partnerschaftlich miteinander umgehen. Das macht durchaus Hoffnung!“

Daniel Holzner von iamstudent.eu schreibt: „Bitter, sehr bitter. Das zeigt mir mal wieder die typische Einstellung einiger Advertiser gegenüber Publishern: Kein Risiko tragen wollen und die Selbstverständlichkeit den kompletten Aufwand und die Verantwortung abzutreten. Bin ich froh, dass wir uns vor 6 Jahren vehement gegen Affiliate entschieden haben und seitdem eine wirklich enge Partnerschaft zu unseren Partnern aufbauen konnten/mussten.“

Johannes Wobus von der Agentur Wobus & Lehmann schreibt: „Sorry, aber das geht gar nicht. Wenn sowas bei uns eintrudelt, werden die Partnerschaften sofort storniert u. ich habe kein Interesse daran, großen Firmen hier kostenfrei Kredit zu schenken. Bei kleinen u. mittelständischen Unternehmen, wo nachvollziehbare Probleme existieren, reagieren wir recht entspannt. Ich finde es seltsam, dass man mit einer erschreckenden Arroganz sowas da durchdrückt. „

Appell an Advertiser

Affiliate-Marketing basiert auf ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Advertisern und Affiliates, die neben der Vermittlung von Sales, wofür sie bezahlt werden, auch eine Werbeleistung liefern, die oftmals kostenlos durchgeführt wird.

Im Sinne einer fairen Partnerschaft sollte eine transparente und offene Kommunikation daher oberstes Gebot im Affiliate-Marketing sein.

Hier gehört neben der transparenten Sales- und Provisions-Validierung auch eine zeitlich rechtzeitige Kommunikation bei Provisionsänderungen, Änderungen an der Cookie-Weiche oder Tracking-Systemen, Änderungen an Werbemitteln, Änderungen an Produkten u.ä. Hierzu sollten dem Affiliate-Partner auch nachvollziehbare Gründe mitgeteilt werden.

Markus Kellermann, Geschäftsführer der Affiliate-Agentur xpose360 und Veranstalter der Affiliate Conference schreibt hierzu: „Gerade in der aktuellen Corona-Krise hört man immer wieder Gerüchte, dass beispielsweise Advertiser zur Liquiditätssicherung Provisionen reduzieren oder auf unbestimmte Zeit Zahlungen aussetzen. Auch wenn diese Maßnahmen zum Teil nachvollziehbare Gründe haben, sollte man gerade dann vorab offen und partnerschaftlich mit seinen Affiliates darüber sprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen, wie auch nach einer Krise eine gemeinsame Zusammenarbeit ausschauen könnte und eine Win-Win-Situation für Affiliates und Advertiser sichergestellt werden kann. Affiliate-Marketing ist Peoples Business und die Affiliates sind die Online-Vertriebspartner der Advertiser. Dementsprechend sollte ihnen auch eine Wertschäftzung entgegengebracht werden und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe erfolgen.

Immer mehr Affiliates fühlen sich nicht wertgeschätzt

Bereits der große Affiliate-Trend-Report 2020 hat ergeben, dass sich derzeit 54% der Affiliates eine größere Wertschätzung der Advertiser wünschen. Zudem wünschen sich 57% der Affiliates ein transparenteres und sicheres Tracking. Als eines der größten Probleme für 2020 sehen zudem 32% der Affiliates zuwenig Support der Advertiser als Problem.

Aus diesem Grund überlegen derzeit auch 39% der Affiliates ob sie 2020 die Art der Monetarisierung ändern, z.B. in Google Adsense oder anderen Einnahmequellen.

Dadurch würde den Advertisern natürlich ein großer Traffickanal und möglicher Umsatz wegbrechen. Aus diesem Grund sollte jeder Advertiser einmal seine Einstellung über eine partnerschaftliche Zusammenarbeit hinterfragen.

Download der Whitepapers: Affiliate Trend-Report 2020

Den kompletten 125-seitigen Trend-Report inkl. aller Umfrage-Ergebnisse, Experten-Meinungen und BONUS-Teil könnt Ihr hier kostenlos herunterladen.