Affiliate-Marketing gehört seit Jahren zu den etablierten Performance-Kanälen im digitalen Marketing. Während sich die Branche in den großen Märkten wie Deutschland, Großbritannien oder den USA längst professionalisiert hat, zeigt sich aktuell eine spannende Entwicklung: Das internationale Wachstum wird zunehmend von neuen Publisher-Modellen, Social-Commerce-Plattformen und der Creator Economy geprägt.
Dabei entstehen nicht nur neue Märkte, sondern auch völlig neue Formen der Publisher-Vermarktung. Klassische Gutscheinportale, Cashback-Anbieter und Content-Publisher bleiben wichtige Bestandteile des Ökosystems, werden jedoch zunehmend durch Creator, Video-Commerce-Formate, Newsletter-Publisher und Social-Commerce-Plattformen ergänzt.
Die Internationalisierung des Affiliate-Marketings wird daher heute weniger durch geografische Expansion allein bestimmt, sondern auch durch die Transformation der Publisher-Landschaft.
Vom klassischen Affiliate-Marketing zum Partnership Channel
Eine der wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Jahre ist die zunehmende Verschmelzung verschiedener Marketingdisziplinen. Affiliate- Marketing, Influencer Marketing, Creator Marketing und Brand Partnerships wachsen immer stärker zusammen. Die aktuelle Forrester-Studie im Auftrag von Awin zeigt, dass Advertiser Affiliate-Marketing zunehmend als umfassenden Partnership Channel verstehen. Neben klassischen Publisher-Modellen gewinnen Influencer, Content Creators und strategische Partnerschaften kontinuierlich an Bedeutung.
Gleichzeitig berichten internationale Plattformen wie Impact (Impact Affiliate Marketing Benchmark Report 2025) von einer deutlich stärkeren Integration von Influencern in Affiliate-Programme. Unternehmen suchen heute verstärkt nach messbaren Performance-Modellen für Creator-Kampagnen und setzen dabei zunehmend auf provisionsbasierte Vergütungen.
Diese Entwicklung verändert die Rolle vieler Publisher grundlegend. Während früher vor allem Reichweite und Traffic entscheidend waren, stehen heute Authentizität, Community-Bindung und Kaufempfehlungen im Vordergrund.
Die USA als Vorreiter des Creator Commerce
Besonders deutlich wird dieser Wandel in den Vereinigten Staaten. Dort entstehen seit einigen Jahren neue Plattformen, die Affiliate- Marketing und Creator Economy miteinander verbinden. Zu den bekanntesten Beispielen gehören LTK und ShopMy. Während Influencer früher häufig mit individuellen Rabattcodes arbeiteten, verfügen sie heute über eigene digitale Storefronts, Produktsammlungen und Affiliate-Shops. Die gesamte Customer Journey wird dabei zunehmend über die Persönlichkeit des Creators gesteuert. Bemerkenswert ist, dass nicht unbedingt die größten Influencer die höchsten Umsätze erzielen. Vielmehr profitieren häufig Micro- und Mid-Tier-Creator von besonders engagierten Communities und hohen Conversion-Raten.
Die Financial Times berichtete zuletzt über die rasante Entwicklung von ShopMy, das inzwischen als eines der wichtigsten Unternehmen im Bereich Creator Commerce gilt. Für Advertiser entsteht dadurch ein völlig neuer Publisher-Typ: Der Creator fungiert gleichzeitig als Content-Produzent, Produktexperte, Community-Manager und Vertriebspartner.
Europa entwickelt sich zum Partnership-Ökosystem
Während die USA den Creator-Commerce-Trend anführen, zeigt sich in Europa eine etwas andere Entwicklung. Die etablierten Affiliate-Märkte in Deutschland, Großbritannien und den nordischen Ländern bleiben weiterhin stark von klassischen Publisher-Modellen geprägt. Dennoch gewinnen auch hier neue Formate zunehmend an Bedeutung.
Neben Creator-Commerce-Modellen gewinnen auch Newsletter-Publisher, Community-Plattformen, Preisvergleichsportale und Commerce-Content-Hubs an Bedeutung. Beispiele hierfür sind Morning Brew, Substack-Publisher, Reddit-Communities, Idealo, Kelkoo sowie redaktionelle Commerce-Angebote wie Wirecutter, The Strategist oder TechRadar.
Laut Awin wächst insbesondere die Zahl der Influencer-Publisher innerhalb der Netzwerke deutlich. Gleichzeitig gewinnen hochwertige redaktionelle Inhalte wieder an Bedeutung, da Nutzer verstärkt nach vertrauenswürdigen Produktempfehlungen suchen. Mit der zunehmenden Integration von KI-gestützten Suchsystemen wie Google AI Overviews, ChatGPT oder Perplexity verschiebt sich die Rolle redaktioneller Inhalte von reiner Ranking-Optimierung hin zu „Citation Visibility“. Das bedeutet, dass Inhalte nicht mehr nur gelistet, sondern direkt in KI-generierte Antworten integriert werden und daher klar strukturiert, verständlich und maschinenlesbar sein müssen
Gleichzeitig gewinnen Vertrauenssignale wie E-E-A-T sowie eigene Erfahrungen und nachvollziehbare Tests an Bedeutung, da KI-Systeme bevorzugt auf glaubwürdige und inhaltlich tiefe Quellen zurückgreifen. Für Affiliate-Publisher bedeutet das, dass nicht mehr die reine Keyword-Optimierung entscheidend ist, sondern die Fähigkeit, als vertrauenswürdige Entscheidungs- und Empfehlungsquelle in generativen Suchsystemen aufzutauchen.
Südostasien wird zum globalen Wachstumsmotor
Die vermutlich spannendste Entwicklung findet derzeit jedoch in Südostasien statt. Länder wie Indonesien, Vietnam, Thailand, Malaysia und die Philippinen entwickeln sich zu hochdynamischen Märkten für Affiliate-Marketing und Social Commerce. Anders als in Europa basiert das Wachstum dort weniger auf traditionellen Affiliate-Netzwerken. Stattdessen verschmelzen E-Commerce, Influencer Marketing und Affiliate-Marketing auf Plattformen wie TikTok Shop, Shopee und Lazada nahezu vollständig.
Eine gemeinsame Studie von Impact.com und Cube zeigt, dass Affiliate- und Creator-Empfehlungen inzwischen einen erheblichen Einfluss auf Kaufentscheidungen in der Region haben. Für Publisher entstehen dadurch neue Monetarisierungsmöglichkeiten. Viele Creator generieren ihre Umsätze direkt über integrierte Affiliate-Funktionen innerhalb der Plattformen, ohne dass Nutzer die jeweilige App verlassen müssen. Dieses Modell unterscheidet sich fundamental von den klassischen europäischen Affiliate-Strukturen.
Neue Märkte rücken in den Fokus
Neben den etablierten Märkten gewinnen zunehmend weitere Regionen an Relevanz. Dazu gehören insbesondere:
- Brasilien
- Mexiko
- Indonesien
- Vietnam
- Thailand
- Philippinen
Die Gemeinsamkeit dieser Märkte liegt in einer hohen Smartphone-Nutzung, starkem E-Commerce-Wachstum und einer jungen, digitalaffinen Bevölkerung. Dort entstehen vielfach lokale Affiliate-Ökosysteme, die nicht zwangsläufig den europäischen Marktstrukturen entsprechen. Für internationale Advertiser eröffnen sich dadurch neue Wachstumsmöglichkeiten, gleichzeitig steigen jedoch die Anforderungen an Lokalisierung, Zahlungsmodelle und Publisher-Management.
Fazit
Die internationale Affiliate-Landschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Während klassische Publisher-Modelle weiterhin erfolgreich sind, entstehen weltweit neue Formen der Performance-Partnerschaft. Insbesondere Creator Commerce, Social Commerce und integrierte Plattformmodelle verändern die Art und Weise, wie Nutzer Produkte entdecken und kaufen. Für Advertiser und Publisher bedeutet dies, internationale Märkte künftig nicht mehr nur geografisch zu betrachten. Entscheidend wird vielmehr sein, die jeweiligen Publisher-Ökosysteme und Nutzergewohnheiten zu verstehen. Die Zukunft des Affiliate-Marketings liegt damit nicht allein in neuen Ländern, sondern auch in neuen Partnerschaftsmodellen.

